Vor über 150 Jahren kaufte Braumeister Heinrich Wienges eine Gaststätte auf der Neusser Straße, die als Brauhaus Wienges zu einem festen Bestandteil der Krefelder Gastronomielandschaft wurde. In den letzten Jahren wähnte man sich hier zunehmend wie in einer Zeitkapsel – stehen geblieben in den 1960er Jahren – und leider auch etwas heruntergekommen. Da ergab sich plötzlich die Chance für einen Neuanfang. Der junge Gastronomie-Fachmann Justin Hollstein suchte einen Ort, um seinen Traum vom eigenen Restaurant zu verwirklichen, während der Krefelder Projektentwickler Marc Förste überlegte, die Wienges-Immobilie zu kaufen. Als die beiden zusammenkamen, war die Kombination perfekt: Förste kaufte das Haus und Hollstein wurde der neue Pächter. Ein neues Kapitel der KrefelderBrauhaus-Geschichte konnte beginnen.
JEDEN TAG ÜBER 100 PROZENT
„Am 1. Dezember haben wir das Wienges übernommen. Am 1. Mai das ‚Elvira‘ eröffnet. Dazwischen liegen nur fünf Monate, die sich wie zwölf angefühlt haben. Jeden Tag haben wir weit mehr als 100 Prozent Einsatz gebracht – Wände gestrichen, Fußböden geputzt und Leitungen verlegt. Die alten Tische haben wir selbst abgeschliffen und lackiert, Container voll Gerümpel entsorgt und den Keller wieder nutzbar gemacht. Das war eine extreme körperliche und psychische Belastung, hat unser Team aber total zusammengeschweißt“, berichtet Justin Hollstein mit einem Lächeln. „Egal ob Koch, Kellnerin oder Barmixer. Bei uns weiß jeder, wo Stromleitungen und Wasserrohre verlaufen. Seitdem das Elvira endlich offen ist, freuen wir uns jeden Tag, dass wir hier sind!“
Der heute 24-jährige Jungunternehmer wusste schon in der Schulzeit, dass er mal etwas mit Gastro machen möchte. Nach dem Abi startete er eine Ausbildung als Veranstaltungskaufmann und arbeitete unter anderem in einem Steakhaus und einem Ausflugslokal, bevor er schließlich seine eigene Event-Agentur gründete. „Ich war immer gerne Gastgeber und habe Verantwortung übernommen“, erinnert sich Hollstein. „Die Jobs in den Lokalen haben mir Spaß gemacht. Das war für mich keine Arbeit.“ Parallel suchte er nach Möglichkeiten für das eigene Restaurant und war in Duisburg fündig geworden, als ihm das Wienges-Projekt über den Weg lief.
EIN ORT FÜR ALLE GENERATIONEN
„Schon beim ersten Besuch wusste ich, dass ich das hier machen will, und hatte auch sofort ziemlich konkrete Vorstellungen, wie der Laden aussehen wird“, erzählt der junge Gastronom mit spürbarer Begeisterung. „Spannenderweise ist es zum Teil dann auch genauso geworden.“ Hollstein wusste, dass er ein Traditionslokal übernahm, und wollte das auch bewahren. Zugleich war sein Ziel, Tradition und Moderne zu verbinden, mit seinem Konzept auch Jüngere anzusprechen und so alle Generationen zu erreichen.
„Unser Fokus ist eine deutsche Heimatküche mit Omas Gerichten, die wir aber in einen neuen Kontext stellen“, erklärt er.„Durch meine Oma Elvira bin ich mit der traditionellen deutschen Küche aufgewachsen. Sie kocht gerne und lädt ebenso gerne Gäste ein. Und weil sie so eine inspirierende Frau ist, habe ich mein Lokal nach ihr benannt.“
Auf der Speisekarte des Elvira stehen Sauerbraten und Königsberger Klopse ebenso wie Matjes, Zwiebelmett und „Halver Hahn“. Es gibt aber auch Aioli mit Oliven, Carpaccio und Ziegenkäse mit Rote-Beete-Tatar. Und wenn die Küche des Elvira bald vollständig genutzt werden kann, wird es auch Pfannengerichte wie Schnitzel, Bratfisch, Kalbsleber und Pommes geben.
Eine interessante Mischung von Tradition und Moderne findet sich auch bei den Getränken. Klar gibt es im Elvira wieder Wienges Alt, dazu aber auch „Trendbiere“ wie San Miguel oder Corona und eine gute Weinauswahl, die weit über das Brauhaus-Übliche hinausgeht, sowie hausgemachte Limonaden.
Um seine Gäste mit guten Cocktails – mit und ohne Alkohol –zu versorgen, hat Justin Hollstein Barchef Jonas ins Team geholt, der auch durch „LOPAS“, die Krefelder Cocktail-Lokalpatrioten, bekannt ist. Einen genauso hohen Qualitätsanspruch hat Hollstein an die Küche: „Wir machen hier alles frisch, von der Gulaschsauce bis zum Kuchen. Das macht natürlich viel Arbeit. Der Sauerbraten nach dem Rezept meiner Oma zum Beispiel liegt 14 Tage in der Marinade, schmeckt aber auch außergewöhnlich gut“, freut sich
Dass im Elvira sehr gut gekocht wird, können wir nur mit Rotkohl und Klößen, Roastbeef mit Bratkartoffeln und als fleischloses Gericht ein Rote-Beete-Carpaccio mit knackigem, buntem Salat serviert. Alles sehr lecker, auf den Punkt zubereitet und dazu sehr ansprechend angerichtet.
UNSER ALLER WOHNZIMMER
Das geschmackliche „Brauhaus 2.0“-Konzept wird perfekt ergänzt durch die wohnliche Atmosphäre. Ganz bewusst haben Justin Hollstein und sein Team die alte Wienges-Einrichtung mit frischen, modernen Gestaltungselementen kombiniert, darunter helle, bequeme Stühle und eine freundliche Barbeleuchtung. „Bei uns sollen sich alle wohlfühlen, die Gäste ebenso wie unser Team, das hier viele Stunden am Tag verbringt. Das Elvira ist ein bisschen unser aller Wohnzimmer“, erklärt Justin Hollstein mit einem Strahlen im Gesicht.
www.elvira-restaurant.de