Mit HoodyBee lokale Bienevölker kennenlernen Die fleißigen Bienchen aus der Krefelder Nachbarschaft

Krefeld. · Bei HoodyBee öffnen Sarah Wollenweber und Riko Sparenberg die Türen zu einer faszinierenden Welt. Zwischen Waben, Wildblumen und Honig erfahren Besucher, warum Bienen weit mehr sind als fleißige Honiglieferantinnen. Bei den Naturerlebnissen weicht anfängliche Skepsis schnell echter Begeisterung. Eine Begegnung, die alle Sinne anspricht und den Blick für unsere heimische Natur schärft.

Riko imkert seit über zehn Jahren. Mit seiner Frau Sarah hat er während der Corona-Pandemie „HoodyBee“ gegründet.

Foto: Simon Erath/SIMON ERATH

Es ist Sonntagmittag, ganz in der Nähe des Stadtwalds: Eine Traube hell gekleideter Menschen, das Gesicht mit Kopfbedeckung und einem Schleier verhüllt, versammelt sich andächtig um Gruppenleiter Riko. Aus dem Smoker, dem modernen Nachfolger der Imkerpfeife, wabert sanfter Rauch. Im Hintergrund ist ein beruhigendes Summen zu vernehmen. Was auf den ersten Blick wie ein (In)Sektenritual anmutet, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Bienenevent inmitten von duftenden Wildblumen und Stauden, die Riko Sparenberg und seine Partnerin Sarah Wollenweber eigens für Honig-, Wildbienen und Hummeln angepflanzt haben. Auf dem etwa 800 qm großen Grundstück, das die beiden seit 2022 pachten, sind nämlich so einige Bienenvölker zuhause.

HAUPTSACHE NATUR

„Es gibt sehr liebe, aber auch freche Bienchen“, verrät Riko, der 2014 seinen ersten Imkerkurs absolvierte. Als gelernter Garten- und Landschaftsbauer und Hundetrainer hatte er schon Text Lara Wessel | Fotos Simon Erathimmer ein Herz für Flora und Fauna. Da lag die Imkerei, zunächst als Hobby und ganz nach dem Motto „Hauptsache Natur“, nahe. „Bis 2020 hatte ich nur den Honig ohne Etikett“, erzählt Riko. Die Wende kam schließlich mitten in der Covid-Pandemie, als der Imker seine Partnerin kennenlernte. Sarah, die als Expertin im Bereich E-Commerce und Online-Marketing tätig ist, brachte die nötige Struktur und kreative Vision mit, um aus Rikos Hobby eine Marke mit Botschaft zu formen.

So wurde HoodyBee geboren: Honig von glücklichen Bienen direkt aus der Nachbarschaft, also aus der eigenen „Hood“. Während Sarah sich um das Marketing und den Webshop kümmert, sorgt Riko dafür, dass es den Bienenvölkern in Krefeld, aber auch in Düsseldorf, Duisburg und in der Eifel gut geht.Das Grundstück der Krefelder HoodyBees bietet sowohl den summenden Bewohnerinnen als auch den menschlichen Besucher*innen genau das richtige Maß an Verwilderung und Gemütlichkeit. So erinnert der vordere Teil des Gartens mit seiner Vielfalt an Blüh- und Grünpflanzen und dem selbstgebauten Holz-Unterstand ein bisschen an „Die wilden Hühner“, während der hintere Teil des Grundstücks aufgrund der Nähe zu den Niepkuhlen naturbelassen und unberührt bleibt.

Im Garten zeigt Riko schließlich auch, wie lieb seine Bienchen tatsächlich sind: Der Smoker steht eher als rauchende Requisite neben dem Bienenstock, als der Imker routiniert die Rah

men mit den Waben herausholt und den Workshopteilnehmeden vorsichtig in die Hand drückt. Es bietet sich ein faszinierendes Bild des Bienenschwarms, der auch ohne Wasserdampf komplett entspannt bleibt. Gestochen wird hier heute niemand.

Echter Wabenhonig ist selten und eine besondere Delikatesse.

Foto: Simon Erath/SIMON ERATH

RESPEKT VOR DER BIENE ALS LEITBILD

Was HoodyBee von vielen anderen Imkereien unterscheidet, ist die wesensgemäße Bienenhaltung. Die Tiere werden nicht bloß als Produktionsmittel, sondern als Partnerinnen im Ökosystem gesehen. „In den sozialen Medien wird die Haltung von Honigbienen häufig verantwortlich für das Wildbienensterben gemacht“, erklärt Riko seinen Workshopteilnehmenden. „Das ist aber Quatsch. Wir brauchen Honigbienen, weil die Wildbiene als Einzelgängerin gar nicht alle Blüten bestäuben könnte“. Hauptverursacher des Insektensterbens seien vielmehr Pestizide, Monokulturen und Versiegelung. „Viele Menschen denken heutzutage beim Anlegen ihrer Gärten gar nicht mehr an die Tiere, sondern an eine möglichst unkomplizierte Pflege der Fläche. Da wird dann gespritzt und jeder kleine Löwenzahn aus dem Rasen gerupft.“ Viel besser sei es, heimische Wildstauden und Wildblumen aus regionalen Samenmischungen anzupflanzen. Riko empfiehlt außerdem, im Garten einen Kompost anzulegen und hier und da auch mal vermeintliches „Unkraut“, wie zum

Beispiel Brennnesseln, stehen zu lassen. Das hilft unter anderem auch den Schmetterlingsraupen.

Wer trotz all der blühenden Vielfalt nicht so viel Glück hat, sind die männlichen Bienen-Drohnen. Die lassen sich im matriarchal geprägten Bienenstock zwar zunächst von den Arbeiterinnern durchfüttern; ab Juli oder August werden die kleinen Hausbesetzer jedoch vor die Tür gescheucht und sterben wegen der Kälte und weil sie sich nicht selbst versorgen können.

„Bisschen wie bei uns…“, murmelt eine Teilnehmerin und lacht.

DIE HONIGBIENE ALS ALLROUNDTALENT

Die Teilnehmenden der Naturerlebnisse von HoodyBee dürfen im Workshop behutsam mit den Bienchen auf Tuchfühlung gehen

Foto: Simon Erath/SIMON ERATH

Die „Naturerlebnisse“, wie Sarah und Riko ihre Workshops nennen, ziehen Menschen aus ganz Deutschland an. So sind Teilnehmende beispielsweise bereits aus Aachen oder Münster angereist, um die HoodyBees hautnah zu erleben. Dabei geht es manchmal auch um die Konfrontation mit den summenden Arbeiterinnen. „Manche Gäste nähern sich den Bienenstöcken anfangs mit einer gewissen Skepsis oder sogar Angst“, erzählt Riko. Doch unter seiner Anleitung und unter Beachtung wichtiger Regeln wie „helle Kleidung“, „kein Parfüm tragen“ und „vorher keine Bananen essen“ (wegen der Pheromone, die die Bienen irritieren könnten) weicht die Furcht schnell der Faszination.

In den Bienenevents, die von April bis September stattfinden, vermittelt Riko sein Wissen nicht nur theoretisch, sondern für alle Sinne. Die Teilnehmenden bauen Insektenhotels, beobachten den faszinierenden Wabenbau im Bienenstock und dürfen am Ende natürlich auch die Produkte der Imkerei verkosten. Besonders beliebt ist der Frühjahrsblütenhonig: „Da sind die ganzen Frühlingsblumen drin, damit fängt das Jahr für mich an“, schwärmt Riko. Auch bei den Teilnehmenden kommt die helle, mild-süße Sorte sehr gut an. Die dunkleren Honigsorten, wie etwa der Tannenhonig, sind dagegen herber und intensiver im Geschmack. Ein weiterer Favorit unserer Workshopgruppe sind die Honig bonbons. „Da muss ich glaube ich nochmal sicher gehen, ob die mir auch wirklich schmecken“, scherzt ein Teilnehmer und greift noch einmal zu. Doch die Biene liefert noch mehr: Produkte wie Bienenwachs und Blütenpollen, die wegen ihrer Nährstoffe etwa bei Sportlern beliebt sind, oder Propolis, ein natürliches Heilmittel, das bei Wundheilung oder Entzündungen helfen kann. Ein Beweis dafür, dass man wirklich alles von der Biene verwenden kann.

Auch wenn die Bienensaison im Winter pausiert, bleibt HoodyBee aktiv. In der kalten Jahreszeit verlagern sich die Aktivitäten dann nach drinnen, und es werden Naturkosmetik oder

Kerzen hergestellt, während die Bienchen von Oktober bis März in den wohlverdienten Urlaub gehen. Dort halten sie dann keinen klassischen Winterschlaf, sondern wärmen ihre

Königin und sich gegenseitig durch das gezielte Anspannen und Zittern ihrer Flugmuskeln, wodurch im Stock eine Innentemperatur von bis zu 30 Grad Celsius erreicht werden kann. Eine Besonderheit, die Sarah und Riko dabei besonders am Herzen liegt: Ihre Bienen dürfen einen Teil des eigenen Honigs behalten, um damit gut gestärkt und gesund durch den Winter zu kommen.

hoodybee.com