Begonnen hat die Firmengeschichte wahrscheinlich mit dem Satz: „Hermann, fahr mal in die Stadt und kauf eine Nähmaschine“, um 1860 gesprochen von Marie Burucker, Frau des Firmengründers Hermann, der sein Brot bis dahin als Bauer verdiente.
In der Folge entwickelte sich das Stickereigeschäft schnell vom Nebenerwerb zum respektablen Unternehmen.
Die sächsische Textilindustrie blüht
Bald war ein Großteil der Frauen in Taltitz bei Plauen bei den Buruckers beschäftigt. Die nächste Generation, der Uropa des heutigen Inhabers Lars Burucker, baute das Geschäft immer mehr aus. Man trug zum Blühen der Textilstadt Plauen, bekannt durch die weltberühmte Plauener Spitze, bei.
Dass die Verbindungen der sächsischen Textilindustriellen nach gut 50 Jahren Firmengeschichte bereits in die ganze Welt reichten, zeigt ein Foto von Lars Buruckers Opa Johannes vor der Freiheitsstatue. Ende der 1920er Jahre hatten die Buruckers etwa 50 Angestellte und waren weit über Sachsen und Deutschland hinaus aktiv. Man plante eine amerikanische Niederlassung.
Leider kam die Geschichte dazwischen. 1929 begann die Weltwirtschaftskrise. Zehn Jahre später der Zweite Weltkrieg. Johannes Burucker musste zurück nach Deutschland, was er sehr bedauerte.
Zu einem ersten Bruch in der Firmengeschichte kam es, als das sozialistische DDR-Regime es sich nach dem Krieg zum Ziel setzte, Privatunternehmen unter staatliche Kontrolle zu bringen und den „Kapitalisten“ das Leben zunehmend schwer zu machen. So wurde etwa Lars Buruckers Vater Baldur aufgrund seiner Familiengeschichte ein Studienplatz verweigert, woraufhin er 1958 als „Vorhut“ in den Westen ging.
Enteignung, Neuanfang, Insolvenz
Als klar war, dass die Stickerei Burucker in der DDR keine Zukunft haben würde, übersiedelte auch Firmenchef Johannes Burucker 1963 endgültig in den Westen und baute das Unternehmen in der Seidenstadt Krefeld von Null wieder auf, was dank seiner guten Kontakte ziemlich schnell ging. Schon bald gab es wieder mehr als zwanzig Angestellte, und man bezog ein neues Firmengebäude in der St.-Töniser-Industriestraße. „Das war eine riesige Halle mit hohen Decken und meterhohen Maschinen, durch die ich als Kind mit dem Kettcar gefahren bin“, erinnert sich Lars Burucker.
Doch der zweite Frühling dauerte nicht lange. In den 70er- und 80er-Jahren geriet die deutsche Textilindustrie in die Krise. Die Konkurrenz aus Südeuropa und später Asien produzierte deutlich günstiger. Also ging die Stickerei Burucker GmbH 1982 in Insolvenz.
Neustart an der Blumenstraße
Für Lars Buruckers Opa und Vater kam ein Leben als Angestellte allerdings nicht infrage. Man berappelte sich ein weiteres Mal und gründete das Unternehmen erneut. Neuer Standort wurde eine ehemalige Schlosserei an der Blumenstraße – wo die Stickerei Burucker bis heute ansässig ist. Man suchte Lücken im Markt und nähte zum Beispiel Borten an Tischdecken.
In der ersten Etage des neuen Firmengebäudes saßen bald wieder einige Arbeiterinnen, und darüber hinaus arbeitete selbstverständlich die gesamte Familie Burucker im Betrieb mit.
In die Firmenleitung stieg Lars Burucker, der „verspielte Zweitgeborene“, erst mit über 30 ein. Nach dem Studium hatte er ein paar „Schnupperjobs“ ausprobiert, merkte jedoch bald, dass er keine Lust hatte, irgendwo „unten“ anzufangen.
Alles kann man nicht alleine
Seit Jahresbeginn 2025 ist Lars Burucker alleiniger Geschäftsführer. Wie es in der Familie Tradition war, arbeiteten sein Vater und Onkel in der Firma, bis es gesundheitlich wirklich nicht mehr ging. „65 bis 70 Stunden in der Woche waren für uns immer normal. In Rente ging man nicht. Im Gegenteil: Mein Vater hat bis zwei Wochen vor seinem Tod hier gearbeitet, und mein Onkel Hans-Jürgen hat mir erst mit über 80 seinen Firmenschlüssel gegeben, weil er dann doch endlich mal seinen Ruhestand genießen wollte“, erinnert sich der heute 58-jährige Firmeninhaber.
Lars Burucker selbst wurde vor Kurzem durch einen Unfall überzeugt, dass er trotz großer Einsatzbereitschaft nicht alles alleine schaffen kann. „Da habe ich nach vielen Jahren zum ersten Mal Urlaub gemacht und mir beim Wandern gleich einen Ellenbogen gebrochen“, berichtet er. Nun brauchte er dringend Hilfe – und fand sie in der jungen Swetlana Kraft. „Ich wusste beim ersten Telefonat, dass Swetlana passt“, erklärt er freudig. „Wir haben beide Spaß an der Arbeit und sind sehr flexibel. Ich nehme Rücksicht auf Swetlanas kleines Kind, und sie kommt auch mal an einem Samstag in die Firma, wenn das sein muss.“
Unter den Augen der Ahnen
Im Gegensatz zu früheren Zeiten hat sich Burucker heute auf Kleinstickerei spezialisiert: Logos und Schriftzüge auf T-Shirts, Hemden und Pullovern – manchmal auch auf einem Handtuch oder einer Tasche. Kunden sind meist Unternehmen, aber auch Vereine und manchmal Privatleute. Gestickt wird nach wie vor maschinell – manchmal mit Auflagen von ein paar Hundert, manchmal ist es auch nur ein Einzelstück. Voraussetzung für die Stickmaschinen ist eine digitale Vorlage, aus der Burucker mit Hilfe eines Programmierers ein stickbares Motiv erstellen lässt.
„Mit unserem Angebot haben wir eine Nische gefunden, bieten eine sehr hohe Qualität und können schneller liefern als die Mitbewerber in Asien, wenn es darauf ankommt“, erklärt Burucker stolz. „Das Sticken ist nach wie vor meine Passion. Ich liebe Stoffe und den Moment, wenn aus der Vorlage etwas Schönes und Anfassbares wird. Ein paar Jahre werde ich hier sicher noch arbeiten und hoffe, dass sich die Familientradition auch danach fortsetzt. Dass es weitergehen muss, weiß ich, wenn ich auf die Ahnenreihe in meinem Büro sehe.“