Fette Beete Pflanzenpower am Herd

Krefeld · Montagabend, 18 Uhr. Der große Holztisch ist eingedeckt wie bei Freunden: Ein Blumenstrauß in zarten Frühlingstönen spiegelt sich in der Farbwahl der Teller wider.

Im Einstiegskurs in die vegane Küche lernen die Teilnehmenden die vielfältigen Möglichkeiten der rein pflanzlichen Ernährung kennen.

Foto: vertäll

Aioli, Oliven und Brot warten neben Getränken dar auf, verzehrt zu werden. Nach und nach werden die Stühle in dem Raum, der durch seine dunkelgrüne Farbe und das liebevoll ausgesuchte Interieur besticht, besetzt. Heute heißt es für das vertäll-Team: gemeinsam vegan kochen!

EINSTIEG IN DIE VEGANE KÜCHE
Dass Kristina Mohr und Jessica Wolf mit der Fetten Bette eine vegane Institution in Krefeld geschaffen haben, ist über die Grenzen der Seidenstadt bekannt. Im letzten Jahr ist die Entscheidung gefallen, den Restaurantbetrieb zu schließen und stattdessen noch mehr Augenmerk auf vegane Kochkurse und Dinnerabende zu legen. Die perfekte Möglichkeit also, um Stift und Block für einen Abend gegen Kochlöffel und Herd zu tauschen. Einige Redaktionsmitglieder ernähren sich vegetarisch, andere nicht. Für einige sind die Stunden am Herd heilig, andere bevorzugen den Lieferdienst. Die Ausgangssituation könnte also nicht gemischter sein, und gerade das macht die Kochkurse auch aus, wie Saskia Ganser, die die Abende abwechselnd mit Kristina Mohr leitet, berichtet: „Jeder Abend ist anders und spannend. Wenn am Ende zu Hause eine vegane Mahlzeit nachgekocht wird, freue ich mich sehr.“ Zwölf Rezepte, unterteilt in Saucen, Vor-, Haupt- und Nachspeisen, sollen heute Abend gekocht werden. Wirkt auf uns alle erst mal ganz schön viel, doch Saskia Ganser beruhigt ganz schnell: „Nicht jeder muss alles kochen, sondern ihr teilt euch in Gruppen für bestimmte Rezepte auf. Am Ende des Abends stellen wir alles auf den Tisch und jeder kann alles probieren.“ Das klingt machbar. Wir wechseln in die Küche. Dort sind verschiedene Küchenplätze, bestückt mit Brettchen, Messern und allem, was sonst noch benötigt wird, bereits vorbereitet. Auf der großen Fensterbank stehen die Lebensmittel, die für den Abend gebraucht werden.

LAX UND HÄRING VOM FELD
Und dann geht es auch schon los. Gemüse wird geschnitten, erste Fragen werden gestellt. Saskia ist mittendrin und steht für alle zur Verfügung. Wie ein Kapitän auf dem veganen Schiff hat sie den Überblick und erklärt, mit welchen Gerichten aus Zeitgründen am besten begonnen werden soll. Alles läuft Hand in Hand. Zumindest so lange in der Hand nicht ein Weinglas festgehalten wird, denn der private Austausch steht hier genauso im Fokus wie das Kochen. Die 18-jährige Amelie ist ganz verblüfft über die vielen pflanzlichen Alter nativen: „Ich esse schon gerne Fleisch und hätte gar nicht gedacht, wie leicht zum Beispiel veganer Lachs gemacht werden kann.“ Eingelegte Karotten werden in einer feinen Marinade aus Noriblättern, Dill, Meersalz, Zitronensaft und Co. im Handumdrehen zu sogenanntem „Möhrenlax“. Einen Platz weiter bereitet unsere Grafikerin Angelina einen Häringsstipp vor. Genau, richtig gelesen, auch hier wird der Fisch durch Gemüse ersetzt. Auberginen dienen als Fischersatz und werden mit sauren Gurken, Äpfeln, Noriblättern, Zwiebeln und Dill verfeinert. Am Herd wird währenddessen von Till ein veganes Paprikagulasch mit Sojageschnetzeltem gekocht. Das duftet! Von den veganen Brownies, die gerade aus dem Ofen kommen, ganz zu schweigen.

Für Yessi und Tobi ist die vegetarische Ernährung schon lange Bestandteil ihres Lebens: „Als ich vor gut 18 Jahren angefangen habe, mich vegetarisch zu ernähren, war es noch schwierig, Ersatzprodukte zu bekommen. Heute ist das wesentlich einfacher“, erklärt der 36-Jährige. Trotzdem – oder viel leicht gerade deshalb – sei es spannend zu sehen, was noch alles aus Gemüse herausgeholt werden kann. Fleisch vermisst hier gerade niemand. Und das abendliche Fernsehprogramm schon mal gar nicht.

GENUSS ALS BELOHNUNG
Wenn eine Speise fertig ist, wird ein weiteres Rezept in Angriff genommen. Saskia hat den genauen Überblick und im Nu sind zwei Stunden um. Nach und nach werden alle Gerichte ins Esszimmer getragen. Nicht nur der Duft, sondern auch der Anblick lässt die Mägen aller Anwesenden knurren. Und dann darf geschmaust werden!

Jeder Teller ist gefüllt mit zahlreichen Leckereien und genüsslich wird alles probiert. „Ich hätte nie gedacht, dass man trotz veganer Küche gar nicht auf den tierischen Geschmack verzichten muss“, erklärt Amelie, während sie vom veganen Carbonara kostet. Angelina kann ihr nur zustimmen: „Der Häringsstipp ist total lecker und war so schnell gemacht.“ Seelig lehnen sich die ersten zurück, nicht aber, ohne hier und da noch einmal nachzuschlagen.

Montagabend, 22.30 Uhr. Die Doggybags sind voll. Die Mägen auch, aber nicht nur die. Vor allem sind die Köpfe gefüllt mit fantastischen veganen Rezepten, die darauf warten, nachgekocht zu werden. Und für Wiederholungstäter gibt es noch genügend andere Kurse des Fette Beete-Teams…