Ein Stück Stahl, das uns im Alltag in vielerlei Situationen hilft: Sei es in der Küche, beim Rasieren oder in der Natur. Kein Wunder, dass das Traditionsunternehmen Cuno Pursch bereits seit weit über 100 Jahren Geschichte damit in Krefeld schreibt.
Wer im Internet nach Cuno Pursch sucht, findet zwar die Krefelder Anschrift, ansonsten aber eher weniger Informationen. Susanne Pursch-Frischknecht, die heute das Familienunternehmen in vierter Generation führt, ist in der analogen Welt zu Hause: „Wir kommen gegen das Internet nicht an, aber das will ich ehrlich gesagt auch gar nicht“, erzählt die 65-Jährige. Stattdessen setzt sie auf das, was das Geschäft seit Beginn ausmacht: Qualität, Freundlichkeit und einen Schnack mit der Kundschaft. Und die kommt auch im Jahr 2026 immer noch regelmäßig in den Laden auf der Hochstraße, wie das wiederholte leise Bimmeln der Ladenglocke bestätigt.
LIEBE ZUM TRADITIONSHANDWERK
Die Messerschneiderei ist eine Kunst, die bereits viele in der Kaufmannsfamilie gelernt haben. Sogar schon vor der Übernahme des Hauses durch Carl Pursch Senior im Jahr 1911, war in dem 1802 erbauten Gebäude ein Stahlwarengeschäft mit angrenzender Schleiferei durch Emil Hambacher-Bach untergebracht. Nach dem Erwerb der Immobilie führte Pursch-Frischknechts Urgroßvater diese Tradition fort. Die Liebe zu der spitzen Klinge wurde an die Söhne der Familie weitervererbt, sodass auch Cuno und Carl Pursch Junior dem Unternehmen treu blieben. Mit einer kleinen Änderung: Cuno Pursch eröffnete zusätzlich zu dem Geschäft auf der Hochstraße 1924 noch ein eigenes in einem Teil des ehemaligen Stadttheaters. Dort waren nicht nur Messer, Scheren und Co zu bekommen, sondern auch Theaterschminke: „Ich erinnere mich, dass es die Schminke auch noch zu meiner Kinderzeit gab“, berichtet Susanne Pursch-Frischknecht.
ZU HAUSE IN DER INNENSTADT
Überhaupt erinnert sich die Krefelderin an fast alles, was mit dem Fachgeschäft, aber auch der Krefelder Innenstadt, zu tun hat: „Ich bin ja quasi hier aufgewachsen und war von klein auf mit im Laden“, so die Inhaberin. Wie aber kam es dazu, dass das Traditionsunternehmen nun nur noch auf der Hochstraße 17 zu finden ist? „Durch den Krieg und die Angriffe war das Geschäft im Stadttheater komplett zerstört und mein Vater hat stattdessen ein neues auf der Hochstraße 71 aufgemacht – zusätzlich zum Hauptgeschäft auf der Hochstraße 17. Eine lustige Zahlenmischung“, berichtet Pursch-Frischknecht lächelnd.
Aufgewachsen ist die Krefelderin in ihren ersten Lebensmonaten somit noch in dem Geschäft auf der Hochstraße 71, allerdings nur für kurze Zeit: „Mein Vater hat dann beschlossen, dass Stammgeschäft hier komplett neu aufrichten zu lassen und dieses 1962 neu eröffnet.“ Seitdem ist das Traditionsunternehmen Cuno Pursch an einem Standort. Geändert hat sich in all den Jahren immer mal wieder etwas am Zusatzangebot: „Früher gab es zum Beispiel auch noch Elektrorasierer, aber das lohnt sich heute gar nicht mehr“, erklärt die 65-Jährige. Das Kerngeschäft, die Stahlwaren, sind es, für die die Menschen auch von außerhalb in die Seidenstadt kommen: „Wir haben Kundschaft, die extra aus Kleve anreist“, so Pursch-Frischknecht.
POSITIV UND FACHKUNDIG
Egal ob stumpfe Messer, Nagelpfeilen oder spezielle Stahlwarenwünsche, bei Cuno Pursch wird den Kund*innen geholfen – mit einem Lächeln und Fachkenntnis, die weit über das Alltägliche herausreicht. Und das, obwohl Susanne Pursch-Frischknecht leider nicht den Beruf der Messerschneiderin erlernen konnte: „Ich hatte da großes Interesse dran, aber damals gab es die Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen hier eher weniger, sondern mehr in Süddeutschland. Als es meinem Vater dann schlechter ging, habe ich mich stattdessen für eine kaufmännische Ausbildung entschieden.“
Die alten Holzvitrinen, die sich quer durch den gesamten Verkaufsraum ziehen, zeugen von der Geschichte, die das Ladenlokal bereits erlebt hat. Es wirkt etwas aus der Zeit gefallen und doch ist es gerade dieses Interieur gemischt mit der Freundlichkeit und der hohen Qualität, die den Charme des inhabergeführten Geschäfts ausmachen. Seit Corona steht die Krefelderin allein im Laden. Die Pandemie war eine Zäsur für das Familienunternehmen, trotzdem denkt Pursch-Frischknecht noch lange nicht ans Aufhören: „Der Wandel und die Weltlage sind nicht aufzuhalten, aber ich nehme es so, wie es kommt. Und ehrlich gesagt, gibt es hier auch so viel Positives und Schönes, was wir oftmals nur vergessen.“ Damit meint die Geschäftsinhaberin vor allem auch die Krefelder Innenstadt, über die ihrer Meinung nach viel zu viel geschimpft werde: „Aber jut, so ist das, der Krefelder meckert auch gerne mal“, erklärt sie augenzwinkernd, während schon wieder das Bimmeln an der Tür ertönt und die nächste Kundin mit der Frage nach einer neuen Feile den Laden betritt. Eins scheint klar: Für Susanne Pursch-Frischknecht ist noch lange nicht Schluss. Dafür l(i)ebt sie das Geschäft viel zu sehr – und die Krefelder Innenstadt auch.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 18:30 Uhr, Samstag 9 bis 15 Uhr