Die Artothek Wenn Kunst auf Reisen geht

Krefeld · Die Tür im ersten Stock der St.-Anton-Straße 90 öffnet sich – und zugleich findet man sich in einer Welt voller Kunstwerke wieder.

In der Artothek: Brigitta Heidtmann, Leiterin der Artothek seit 2016 (links), und GKK-Schatzmeisterin Barbara Leifeld.

Foto: vertäll

Das Auge weiß im ersten Moment gar nicht, welches Werk es zuerst begutachten soll, so groß ist die Auswahl der Krefelder Artothek.

Insgesamt sind aktuell über 100 regionale und überregionale Künstler*innen mit rund 600 Werken vertreten, die zum Ausleihen zur Verfügung stehen. Eine beeindruckende Zahl, die zeigt: Kunst auf Reisen ist gefragt hier in Krefeld!

KUNST ENTDECKEN – VOR ORT UND DIGITAL

Es ist ein Kunstkleinod, das die Gemeinschaft Krefelder Künstlerinnen und Künstler (GKK) in den vergangenen 35 Jahren geschaffen hat. Während andernorts keine Artotheken vorhanden oder an Mediotheken angegliedert sind, verfügt die Seidenstadt dank der Förderung des Kulturbüros Krefeld über 75 Quadratmeter für diesen Kulturschatz.

Auf der Suche nach dem einen Werk, das ab sofort für drei Monate über der eigenen Couch hängen soll, sind die Besuchenden kreativ – und nehmen sich gerne Zeit.

„Manche Besucher*innen stöbern am liebsten selbst in den Werken in unserem Lagerraum, um etwas Passendes für sich zu finden“, verrät Künstlerin Brigitta Heidtmann, die die Leitung der Artothek 2016 übernommen hat.

Obwohl seit Mitte 2017 die Möglichkeit besteht, alle Bilder online einzusehen: „Zum Beginn meiner Leitungstätigkeit haben wir alle Werke erfasst und fotografiert, um so eine Online-Ausleihe

zu erstellen“, erinnert sich Heidtmann.

Für drei Monate gehen die Kunstwerke dann gegen eine Leihgebühr von 15 Euro auf Reisen in heimische Gefilde – eine einmalige Verlängerung um weitere drei Monate ist ebenfalls möglich.

Danach heißt es: Abschied nehmen oder sich für einen Kauf entscheiden. „Wer sich in ein Werk verliebt hat und es nicht wieder hergeben möchte, kann mit den jeweiligen Künstler*innen direkt in Kontakt treten und es erwerben“, erklärt Brigitta Heidtmann.

KURATIEREN MIT GEFÜHL

Die Werke, die in der Artothek zu finden sind, stammen größtenteils von Mitgliedern des Vereins – aber nicht ausschließlich, wie Heidtmann betont: „Wir haben auch Werke von regionalen Künstler*innen hier, die nicht im Verein sind. Eine Mitgliedschaft ist keine Voraussetzung.“

Das Kuratieren der Ausstellungsfläche übernimmt die Leiterin der Artothek selbst. „Ich schaue mir an, welche Werke miteinander harmonieren, und sortiere nach Größe. Immer wieder tausche ich Bilder aus, um die Ausstellung regelmäßig zu verändern.“

Und das fällt auf. Als Christiane Behr, Vorstandsvorsitzende des Vereins, die Räumlichkeiten betritt, stellt sie direkt fest: „Die sind neu, oder?“ Tatsächlich hängen die angesprochenen Werke erst seit einigen Wochen dort.

Beide Frauen sind mittlerweile seit über zehn Jahren im Verein tätig und schätzen das kollegiale Miteinander.

35 JAHRE KUNST IN BEWEGUNG

Erst in diesem Jahr konnte die Artothek ihr 35-jähriges Jubiläum mit einer kleinen, eigens gestalteten Reihe feiern. Eine Zahl, auf die Behr und Heidtmann mehr als stolz sind.

Dem Verein ist es wichtig, auch abseits der Artothek auf lokale und regionale Kunst aufmerksam zu machen.

„Neben verschiedenen Ausstellungen in der Mediothek hat sich die Artothek zum Beispiel auch an der ‚Krefelder Kunstnacht’ oder dem Event ‚Kultur findet Stadt‘ beteiligt“, berichtet Brigitta Heidtmann. „In den letzten Jahren hat sich das Konzept immer mehr etabliert und in der Stadt verankert.“

So können die Kunstwerke immer häufiger auf Reisen gehen – und vielleicht sogar ein Zuhause auf Lebenszeit finden.

Öffnungszeiten der Artothek:

Montag und Donnerstag, 16 bis 20 Uhr

gkk-ev.de/artothek

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