Eine Assistenz für mehr kreative Freiräume und beschleunigte Prozesse – und für Games, die berühren statt nur Zeit zu fressen. Warum Game Design gerade boomt, weshalb Designer keine Angst vor KI haben müssen und wieso aus Krefeld keine Zombie-Shooter, sondern Serious Games kommen, darüber haben wir mit ihm gesprochen.
„Game Design for a Better Tomorrow“
Wir treffen Prof. Thorsten Kraus am Standort des Fachbereichs Design am Frankenring. Auf dem Flur begutachtet er mit Studierenden frisch gedruckte Plakate für eine Werkschau. Kraus, studierter Mathematiker und Informatiker, lehrt seit rund 18 Jahren
Kommunikationsdesign für digitale Medien. „Wir haben schon immer visualisiert“, sagt er. „Aber durch die zunehmende Digitalisierung – insbesondere durch Künstliche Intelligenz – hat sich in kurzer Zeit extrem viel verändert.“ Der Studienschwerpunkt Game Design sei daher eine logische Konsequenz gewesen.
Mittlerweile geht er ins dritte Semester – und wurde von Beginn an regelrecht überrannt. Rund die Hälfte der Studierenden bringt eine hohe private Gaming-Affinität mit. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Ballerspielen: „Wir machen im Grunde das Gegenteil. Jedes Spiel geht über reine Unterhaltung hinaus und greift gesellschaftliche, soziale oder ökologische Themen auf.“ Dieser Anspruch sei keine Pflichtübung, sondern Haltung. „Wir geben keine stringenten Projektvorgaben. Unsere Studierenden bringen ihre eigenen Themen mit – Dinge, für die sie brennen.“ Manchmal sei das eine sehr persönliche Geschichte. Etwa eine Angststörung, die spielerisch erfahrbar gemacht wird.
KI als Werkzeug – nicht als Ersatz
Blicken junge Designerinnen und Designer angesichts rasanter KI-Entwicklung sorgenvoll in die Zukunft? Kraus schüttelt den Kopf. „Je mehr KI-Möglichkeiten es gibt, desto mehr brauchen wir fachliche Kompetenz, um sie sinnvoll einzuordnen und einzusetzen.“ Die Sorge, KI könne Kreativität ersetzen, hält er für unbegründet. „KI ist Assistenz. Sie kann Prozesse beschleunigen, Varianten vorschlagen oder beim berühmten weißen Blatt Papier helfen.“ Entscheidend sei jedoch der Input. „Ohne Haltung und Idee entsteht schnell Einheitsbrei.“ Die eigentliche Stärke des Menschen liege woanders: „Empathie, Gefühlswelten, das Gespür dafür, Menschen zu berühren – das kann KI nicht leisten.“ Deshalb ermutigt Kraus seine Studierenden, KI auszuprobieren: „Und vielleicht auch mit dem Ergebnis, dass sie anschließend wieder ausschließlich händisch zeichnen möchten.“
Gemeinsam denken, gemeinsam entwickeln
Game Design ist an der Hochschule Niederrhein längst kein Soloprojekt mehr. Der Austausch mit dem Fachbereich Informatik gehört inzwischen zum Alltag. „Mal brauchen wir technischen Support, mal gestalterischen Input“, so Kraus. Künftig soll die Zusammenarbeit weiter wachsen – auch mit dem Fachbereich Wirtschaft in Mönchengladbach. „Die BWLer helfen uns bei Themen wie Vermarktung oder Geschäftsmodellen.“ Gerade hier werde kreatives Denken oft unterschätzt.
Bühne Gamescom
Im August präsentiert sich die Hochschule erneut auf der Gamescom in Köln. „Für die Studierenden ist das riesig“, sagt Kraus. Internationale Atmosphäre, direktes Feedback, Austausch auf Augenhöhe – ein echter Motivationsschub.
Mensch bleibt Player One
Künstliche Intelligenz wird sich weiterentwickeln – daran besteht kein Zweifel. Für Prof. Thorsten Kraus ist dennoch klar: „Wir müssen Autor*innen unserer Ideen bleiben.“ KI kann beim Machen helfen. Das Denken, Entscheiden und Gestalten bleibt menschliche Aufgabe. Auch künftig gilt im Kommunikationsdesign: Werkzeugkompetenz und Haltung. Denn gute Games entstehen nicht durch Algorithmen allein, sondern durch Menschen, die etwas zu sagen haben. Und ob er selbst eigentlich viel zockt? Kraus lacht. „Ganz ehrlich? Kaum. Ich spiele alles mal an – aber dafür fehlt mir dann doch die Zeit.“
Zur Person: Prof. Thorsten Kraus
Prof. Thorsten Kraus (geboren in Mainz) ist Professor für Kommunikationsdesign für digitale Medien an der Hochschule Niederrhein. Der Diplom-Informatiker studierte Computer Graphics und digitale Bildverarbeitung in Wiesbaden und München und zählt zu den prägenden Köpfen des digitalen Designs in Deutschland. Vor seiner Berufung nach Krefeld arbeitete Kraus viele Jahre als Creative Technical Director der renommierten Multimedia-Agentur Scholz & Volkmer und verantwortete dort über 250 digitale Projekte für internationale Marken. Seine Arbeiten gelten als Meilensteine der deutschen Digitalgeschichte – darunter die erste deutsche Website, ein früher Flash-Onlineshop und eine der ersten Web-2.0-Anwendungen.
Neben seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule Niederrhein war Kraus auch Gastprofessor an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Sein Fokus heute: digitales Kommunikationsdesign, Game Design und der kreative Umgang mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz. Prof. Thorsten Kraus lehrt seit rund 18 Jahren Kommunikationsdesign für digitale Medien an der Hochschule Niederrhein. Das komplette Game-Design wird von den Studierenden gestaltet.