Geschäftsbericht für 2025 vorgestellt Volksverein schreibt schwarze Null

Mönchengladbach · Drei Monate war Baustelle vor der Tür und noch viel länger dauerten die Renovierungsarbeiten nach dem Hochwasser in der Hauptgeschäftsstelle des Volksvereins, doch jetzt läuft alles wieder normal. Am Mittwoch wurde die Bilanz für 2025 vorgestellt.

Leitungsteam im gerade frisch renovierten Besprechungsraum: (v.l.) Geschäftsführer Matthias Merbecks, Susanne Ciernioch, Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit, Vertriebsleiter Peter Settele und Stefanie Neumann, Leiterin des Sozialdienstes.

Foto: RBAV/Ulrike Mooz

„Wir hatten das Wasser bis über die Knie“, sagt Volksvereins-Geschäftsführer Matthias Merbecks. Dem Bischof Dr. Helmut Dieser, der am Morgen des 9. September 2025 zum Frühstück kommen wollte, habe man absagen müssen. Jetzt sieht man nichts mehr von der Überschwemmung. Gebäude und Inventar von sieben Räumen mussten renoviert und erneuert werden. Schadenshöhe: 600 000 Euro. Rund 40 000 Euro sind gespendet worden. „Das ist sehr viel Geld und zeigt unsere Akzeptanz in der Stadtgesellschaft“, so Merbecks.

Die Behebung des Wasserschadens betraf den Geschäftsbericht von 2025 aber nicht, und um den ging es im frischrenovierten Besprechungsraum. Seit Corona sei die Arbeitslosigkeit stetig gestiegen. 15 125 Arbeitslose hätten 2 400 offenen Stellen gegenüber gestanden. Und die faktische Zahl der Arbeitslosen läge real bei 18 000, wenn die von Krankheit Betroffenen mitgezählt würden. Natürlich könne man nicht 18 000 Menschen ein Angebot machen, aber exemplarisch den 277 Beschäftigten des Volksvereins, die dort Bildung, Beratung, Arbeit und Begegnung erhielten. Besonders Letzteres sei ein großes Thema, weil viele neben der Arbeitslosigkeit auch einsam seien.

Am 9. September 2025 stiegt das Wasser so hoch, dass die Sitzflächen der Stühle nicht mehr zu sehen waren. Holzkreuze aus der Schreinerei schwammen da, wo an diesem Tag eigentlich ein Frühstück mit Bischof Dr. Helmut Dieser geplant war.

Foto: Volksverein

Neben dem Angebot einer Ausbildung in der Tischlerei oder im Verkauf und der Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt gibt es auch ein Programm aus bewährten und neuen Angeboten. „Seit Corona ist die Digitalisierung ein Riesenthema“, sagt Stefanie Neumann, Leiterin der Sozialdienste. Die Bandbreite von Kenntnissen bei den Beschäftigten in Sachen Digitalität reiche von sehr affin bis vollkommen ahnungslos und ohne digitales Gerät, weiß sie. Das Thema sei besonder wichtig, da zum Beispiel das Jobcenter immer mehr Digitalität einsetze, um Zugang zu Leistungen zu gewähren. „An der Stelle geht es dann um Daseinsvorsorge“, so Geschäftsführer Merbecks.

Ein weiteres großes Thema ist die Gesundheit. Die Bandbreite reiche da von Stress bis Überforderung. Im hauseigenen Bewegungsraum gebe es Angebote mit Klangschalen, Massage, Yoga und Meditation. Die Angebote werden vom Katholischen Forum mitgetragen. „Anfangs haben in einigen Kursen nur ein bis zwei Teilnehmer mitgemacht, aber steter Tropfen höhlt den Stein“, lacht Stefanie Neumann. Grundsätzlich sei Bildung ein schwieriges Thema, deshalb mache man sehr niederschwellige Angebote. „Viele unserer Angestellten sind Schulabbrecher, haben schlechte Erfahrungen mit lernen gemacht.“

Zu zeigen, was den Volksverein ausmacht, sei besonders wichtig, auch um Gelder zu generieren, so Susanne Ciernioch, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising (Beschaffung von Mitteln). Unter ihrer Federführung entstehen Newsletter, Zeitungen, Posts auf Social Media-Kanälen und unter anderem das Fest des Teilens (29. August, 10 bis 12 Uhr Edmund-Erlemann-Platz).

Das Spendenaufkommen ist in 2025 ein bisschen gestiegen. 391 427 Euro plus Bußgeldzuweisungen sei die Bilanz. „Allein durch Restgeldspenden, für die unsere Kunden in den Geschäften des Volksvereins den Betrag an der Kasse aufrunden, sind 5 500 Euro zusammengekommen“, sagt Betriebsleiter Peter Settele. Der Volksverein schreibt für 2025 eine schwarze Null. Bei einem Gesamtvolumen von 3,6 Millionen Euro sind 10 000 Euro übrig geblieben. Einer der wichtigsten Geldgeber ist das Bistum Aachen mit 120 000 Euro. „Wir versuchen, Rücklagen zu bilden. Wir wissen nicht, was mit der Sozialstaats-Reform 2027 kommt“, sagt Merbecks.

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