Älteren Menschen ein würdiges, gemeinschaftliches und sicheres Leben in privat organisierten Wohngemeinschaften ermöglichen – das ist die Geschäftsidee von Hannah Kramer. Sie hat das Unternehmen „Senioren-WG mit Herz“ in Mönchengladbach gegründet. „Mein Unternehmen bietet Dienstleistungen rund um innovative Wohnkonzepte, das gemeinschaftliche Leben älterer Menschen und deren soziale Pflege“, erläutert die Gründerin. „Ich unterstütze Senioren bei der Gründung privat organisierter Wohngemeinschaften, begleite sie im Alltag und steigere ihre Lebensqualität über ein Partnernetzwerk. Dabei helfe ich bei der Immobiliensuche, der Auswahl geeigneter Mitbewohnerinnen beziehungsweise Mitbewohner und vernetze sie mit zur Unterstützung in allen Lebensbereichen.“
Wie Kramer haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Menschen als im Jahr zuvor den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. 2 464 Mönchengladbacher haben sich 2025 selbstständig gemacht. Im gleichen Zeitraum haben auch 1 973 Unternehmer ihre Firma aufgegeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es 2 240 Gründungen und 1 873 Aufgaben. Damit verzeichnet Mönchengladbach ein Plus von 10 Prozent bei den Gründungen und ein Plus von 5,3 Prozent bei den Aufgaben. Im Saldo hat die Zahl der Unternehmen in der Stadt 2025 um 491 Unternehmen zugenommen. Das sind die wesentlichen Kennziffern des „Gründungsreports 2026“, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein auf der Datenbasis des Landes NRW erarbeitet hat.
Der positive Trend ist auch im IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein insgesamt festzustellen: Die Unternehmensgründungen lagen 2025 mit 11 024 im Vergleich zu 10 018 Gründungen um 10 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Zahl der Geschäftsaufgaben im IHK-Bezirk nahm ebenfalls zu: 8 995 Gewerbeabmeldungen im Jahr 2025 stehen 8 766 im Jahr 2024 gegenüber (2,6 Prozent). Im Saldo hat die Zahl der Unternehmen in der Region um 2 029 Firmen zugenommen.
„Dieser deutliche Anstieg der Neugründungen am Mittleren Niederrhein liegt über dem Landesdurchschnitt. Die positive Entwicklung zeigt, wie dynamisch unser Wirtschaftsraum ist“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Die Menschen in unserer Region lassen sich nicht entmutigen. Trotz großer Herausforderungen bleibt die Bereitschaft zur Existenzgründung groß.“ Die Gründerinnen und Gründer seien „langfristig ein wesentlicher Faktor für Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und wirtschaftliche Stabilität.“
Auch für Nordrhein-Westfalen sind die Zahlen stabil. Während 2024 134 614 Neugründungen im Land verzeichnet werden konnten, waren es 2025 144 191 – ein Plus von 7,1 Prozent. Gleichzeitig nahm die Zahl der Betriebsaufgaben in NRW ab: 2024 wurden noch 114 320 registriert, im vergangenen Jahr waren es 111 634.
Gründerin Hannah Kramer hat den Schritt in die Selbstständigkeit bisher nicht bereut: „Der schönste Moment war, als die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in die WG eingezogen sind und sich sofort wohlgefühlt haben. Auch das positive Feedback von Angehörigen und Kooperationspartnern war sehr erfüllend. Besonders stolz bin ich auf die Gründung unseres Netzwerks Good Soul, das Senioren und Angehörige unterstützt.“ Kramer rät anderen Gründern, beharrlich zu bleiben, auch wenn es Rückschläge gibt: „Netzwerken ist entscheidend – der Austausch mit anderen kann Türen öffnen und wertvolle Impulse geben. Plant eure Finanzen frühzeitig und seid realistisch in der Kalkulation. Nutzt eure persönlichen Stärken, aber seid offen, von anderen zu lernen.“
Damit Gründern die Startphase so leicht wie möglich gemacht wird, fordert der IHK-Hauptgeschäftsführer mehr Unterstützung von der Politik für Jungunternehmer. „Wir brauchen Rahmenbedingungen, die unternehmerisches Engagement fördern und nicht ausbremsen: Zügige, digitale und unbürokratische Gründungsprozesse, einen leichteren Zugang zu Fördermitteln und steuerliche Vereinfachungen. Es muss gelten: weniger Regularien und mehr Wertschätzung für Gründergeist.“ Das von einigen Bundesländern initiierte Projekt „Unternehmensgründung in 24 Stunden“ begrüßt Steinmetz: „Wenn es umgesetzt wird, bedeutet dies für angehende Unternehmerinnen und Unternehmer mehr Zeit für ihre eigentliche Geschäftsidee zu haben und weniger Zeit für administrative Hürden investieren zu müssen.“
Damit aus Ideen erfolgreiche Geschäftsmodelle werden, unterstützt die IHK angehende Gründerinnen und -gründer. Angehenden Unternehmern steht Existenzgründungsberaterin Stephanie Efertz unter Tel. 0 21 61/24 11 20 oder [email protected] zur Verfügung.