Die Landwirtschaft leidet unter der Trockenheit Tropfen auf den heißen Stein

Mönchengladbach · Seit Wochen höchstens mal ein paar Tropfen Regen: Gigantische Staubwolken zeigen, wo geerntet wird. Beregnungsanlagen sorgen vielerorts dafür, dass die Feldfrüchte nicht schlapp machen. Wir haben einen Mönchengladbacher Bauern gefragt, was die anhaltende Trockenheit für die Landwirtschaft bedeutet.

„Wir brauchen einen kräftigen Landregen – eine Woche lang“, sagt Landwirt Heinz-Josef Hütten.

Foto: Markus Rick (rick)

Wer über Land fährt, sieht rechts und links der Straße riesige Staubwolken, wo Landwirte die letzten Weizenfelder abernten. Seit Wochen hat es nicht wirklich geregnet, Parkanlagen und Gärten sind braun statt grün, immer öfter werden Feldbrände gemeldet. Landwirt Heinz-Josef Hütten, Inhaber des Birkshofes in Schelsen, hat vor ein paar Wochen noch normal entwickelte Gerste „reingeholt“, auch die Kirschen sind geerntet, doch für alle weiteren Früchte befürchtet er Einbußen. „Der Energieaufwand ist sehr hoch“, sagt er, seine 50 000 Apfel- und Birnbäume brauchen alle zwei Tage zehn Liter Wasser. Das koste nicht nur das Wasser, sondern auch Strom und Diesel für die Pumpen. Und nicht selten führe der Kostendruck aus dem Ausland dazu, dass das Obst trotzdem nicht teurer werden darf – gut für die Endverbraucher, schlecht für die Erzeuger.

Alle zwei Tage braucht jeder der 50 000 Bäume auf dem Birkshof zehn Liter Wasser.

Foto: Markus Rick (rick)

Damit sich die Lage entspannt, müsste es tagelang regnen. „Ein Tag Regen ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Hütten. Ein kräftiger Landregen mit 20 Litern Wasser pro Quadratmeter, und das eine Woche lang, sei nötig. „Die Trockenheit geht bis in 50 bis 60 Zentimeter Tiefe“.

Derzeit bringt der Familienbetrieb den restlichen Weizen rein. Und der ist dieses Jahr nicht optimal. Durch die starke Hitze vor zwei Wochen sei die Kornfüllphase verkürzt gewesen, das heiße, die Ähren hätten nicht genug Zeit zum Reifen gehabt. „Die Körner sind dann nicht so dick, man nennt das Kümmerkorn“, sagt Bauer Hütten. Mit 20 Prozent Ertragseinbuße rechnet er.

Hütten selbst hat kein Vieh mehr, weiß aber von Kollegen, dass dort die große Trockenheit auch dazu führt, dass die Weiden nicht mehr nachwachsen. Dann sei nicht genug Futter da...

Der Blick gen Himmel bereite vor allem den Familienbetrieben Sorgen, teilt der Rheinische Landwirtschafts Verband mit. Zwar seien vielerorts die Erträge noch solide, aber das dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, „dass die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe angespannt bleibt“. Mit wachsender Sorge richte sich der Blick nun auf Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais sowie Obst- und Gemüsekulturen. Die Trockenheit setze den Beständen zunehmend zu und könnte in den kommenden Wochen zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führen. Hohe Kosten für Diesel, Energie und Düngemittel stünden Erlösen gegenüber, die für die Landwirte nicht kostendeckend seien.

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