Der Büchermarkt von Amnesty International wird 30 Jahre alt Von Asterix op kölsch bis Heinrich Heine

Mönchengladbach · Seit 30 Jahren holt die Ortsgruppe Mönchengladbach der Menschenrechtsorganisation Amnesty International über ihren traditionellen Bücherflohmarkt Gelder rein, um Menschen in aller Welt zu helfen. Der Extra-Tipp hat Georg Stadeler besucht, der jedes Jahr in seiner Garage die Buchspenden der Gladbacher sammelt.

Jedes Jahr im Frühjahr wird die Garage von Familie Stadeler zur Buchabgabestelle. Seit die Meldung im Extra-Tipp war, hat Georg Stadeler schon mehrere Wände mit Bücherkisten zugestellt.

Foto: RBAV/Ulrike Mooz

Was haben Charlotte Link, Walt Disney und Barbara Rütting gemeinsam? Ihre Bücher liegen in der Garage der Familie Stadeler, Am Landgericht 13. Jedes Frühjahr, wenn das Auto nach der kalten Jahreszeit raus kommt, sammelt der Hausherr dort für den jährlichen Büchermarkt vor der Citykirche. „Wir nehmen alles, was die Leute bringen“, so Georg Stadeler, in der Ortsgruppe für die Finanzbeschaffung zuständig. Bücher, die schmutzig oder verschimmelt seien, in denen Seiten fehlten oder die vollgeschrieben seien, könne man allerdings nicht mehr verkaufen. Auch alte Lexika und Schulbücher von gestern laufen nicht. Gut gehen dagegen Action-Romane und Thriller. Deshalb wird jedes Buch, das die Mönchengladbacher vorbei bringen, von ihm und sieben weiteren Amnesty-Kollegen genau untersucht. „Unsere Bücher sind quasi handverlesen“, sagt er. Manches, das kleine Schäden hat, landet auch im Bücherschrank an der „Alten Tanke“.

Seit 30 Jahren holt die Ortsgruppe Mönchengladbach auf die Art Gelder rein, mit denen sich die Organisation weltweit für Menschenrechte einsetzt. „Amnesty ist so organisiert, dass es nur ein Konto in Berlin gibt und wegen der Glaubwürdigkeit keine Gelder über Parteien oder andere Sponsoren generiert werden“, so Stadeler. Die Ortsgruppen seien deshalb angehalten, jährlich etwa 2 200 Euro zusammen zu bekommen, die zusammen mit den Mitgliedsbeiträgen auf dieses eine Konto fließen. In manchen Städten gibt es deshalb Benefizveranstaltungen oder Konzerte, in Mönchengladbach den Bücherflohmarkt.

Manchmal tauchen echte Schätze in den Bücherkartons auf, wie diese limitierte Ausgabe von Heinrich Heines „Wallfahrt nach Kevlaar“ von 1930 mit tollen Illustrationen.

Foto: RBAV/Ulrike Mooz

Im Schnitt sammelt Georg Stadeler derzeit etwa 2 000 Bücher jährlich. Das bringt rund 2 500 Euro ein. Das meiste koste 1 oder 2 Euro, aber es gäbe auch einzelne Buchspenden, für die man zweistellige Summen nehmen könne. Erst kürzlich hat er in einer Bücherkiste eine limitierte Ausgabe von Heines „Die Wallfahrt nach Kevlaar“ von 1930 gefunden. „In einer Auflage von 370 Stück und mit wunderschönen Illustrationen“, schwärmt er, „ein Sammlerstück“. Gerade angekommen ist auch eine ganze Kiste Fußballbücher.

Georg Stadeler entdeckt immer wieder Bücher, die ihn auch selbst interessieren, wie hier „Das Jahrhundert meines Vaters“ von Geert Mak und das Bändchen über die T-Shirt-Sammlung von Murakami.

Foto: RBAV/Ulrike Mooz

Nicht selten findet Georg Stadeler in den Kartons auch Bücher, die ihn persönlich interessieren. Zur Zeit liest er „Das Jahrhundert meines Vaters“ vom niederländischen Autor Geert Mak und ein Buch des Japaners Haruki Murakami über seine T-Shirt-Sammlung. „Die gehen natürlich hinterher wieder auf den Bücher tisch“, sagt er.

Zu den Lese-Kunden gehört auch Stadtprominenz, deren Namen Georg Stadeler aber für sich behält. Er weiß von einer Politikerin, die Heine-Fan ist und einem Vielleser, der mit Armen voller Bücher jedes Mal den Büchermarkt verlässt und genauso viel auch spendet.

„Viele Leute zahlen etwas mehr, als den eigentlichen Preis – weil es für Amnesty ist“, sagt Georg Stadeler, dem sein „Job“ als Büchereinsammler schon deshalb besonders viel Spaß macht, weil die Leute alle so nett sind. „Das ist das Beste: Die bedanken sich noch, weil sie uns Bücher spenden“, freut er sich. Was nicht verkauft wird, geht zum Pauschalpreis an einen Händler.

Der nächste Büchermarkt ist am 8. August von 10 bis 13 Uhr vor der Citykirche (bei schlechtem Wetter drinnen). Bücher (maximal 70 bis 80) können bei Familie Stadeler, Am Landgericht 13, abgegeben werden. Kontakt unter 02161/ 13 24 1 oder [email protected]