Ach, übrigens... Krefeld sollte Haltung zeigen

Der Anschlag auf den CSD in Berlin war ein Angriff auf Menschen, die friedlich für Vielfalt, Gleichberechtigung und ein respektvolles Miteinander einstehen. Wer nun glaubt, die richtige Konsequenz sei weniger Sichtbarkeit, irrt.

Von Jörg Zellen

Foto: Marsha Glauch

Das Gegenteil ist richtig.

Gerade jetzt kommt dem Crefelder CSD am 15. August eine besondere Bedeutung zu. Er ist weit mehr als eine bunte Demonstration oder ein Fest. Er ist ein öffentliches Bekenntnis zu den Werten unserer Demokratie: Freiheit, Menschenwürde und das Recht jedes Menschen, ohne Angst so leben und lieben zu dürfen, wie er oder sie ist.

Auch Krefeld ist keine Insel. Ausgrenzung, Hass und Hetze machen vor Stadtgrenzen keinen Halt. Deshalb darf Solidarität ebenfalls nicht an ihnen enden. Der Crefelder CSD bietet die Gelegenheit, ein klares Signal zu senden: Einschüchterung wird nicht darüber entscheiden, wer sich im öffentlichen Raum zeigen darf.

Es geht dabei nicht nur um die queere Community. Es geht um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Eine Gesellschaft, die Minderheiten schützt und Vielfalt als Stärke begreift – oder eine, die zulässt, dass Gewalt und Drohungen den Ton angeben.

Ach, übrigens: Am 15. August hat Krefeld die Chance, Haltung zu zeigen. Nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung. Denn eine offene Gesellschaft beweist ihren Wert gerade dann, wenn sie unter Druck gerät. Wer Freiheit verteidigen will, darf sich von Angst nicht den Weg weisen lassen.