Ach, übrigens... Die Hausaufgaben der Krefelder SPD

Frank Meyer hat sich in Krefeld den Ruf eines pragmatischen Verwaltungschefs erarbeitet. Nun übernimmt der Oberbürgermeister zusätzlich den Vorsitz der Krefelder SPD. Das ist mehr als nur eine Personalie.

Von Jörg Zellen

Foto: Marsha Glauch

Es ist ein klares Signal über den Zustand seiner Partei, zugleich aber auch eine Machtkonzentration.

Natürlich spricht einiges für diese Entscheidung. Meyer ist das mit Abstand bekannteste Gesicht der hiesigen Sozialdemokraten. Er hat Wahlerfolge vorzuweisen, genießt außerhalb der eigenen Partei Anerkennung und steht für Verlässlichkeit. In Zeiten, in denen viele Parteien nach Führungspersönlichkeiten suchen, ist es nachvollziehbar, dass die SPD auf ihren stärksten Mann setzt. Doch genau darin liegt ein Stück weit auch das Problem.

Eine Partei braucht mehr als einen populären Frontmann. Sie braucht Debatten, Nachwuchs und unterschiedliche Stimmen. Wenn am Ende fast alles über eine Person läuft, ist das weniger ein Zeichen besonderer Stärke als vielmehr ein Hinweis darauf, dass die zweite Reihe zu dünn besetzt ist.

Hinzu kommt die besondere Verantwortung des Oberbürgermeisters. Er vertritt die gesamte Stadt - nicht nur seine Partei. Dieses Rollenverständnis hat Meyer bisher überzeugend gelebt. Als Parteivorsitzender wird er künftig häufiger politische Interessen vertreten müssen, die nicht mit der überparteilichen Rolle eines Stadtoberhaupts zusammenpassen.

Ach, übrigens: Für die SPD mag Meyers Wahl kurzfristig ein Gewinn sein. Langfristig wäre es ein Armutszeugnis, wenn die Zukunft der Krefelder Sozialdemokratie vor allem an einer Person hinge. Meyer hat seine Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist die SPD an der Reihe.