Acht Tage ist es nun her, als der mutmaßliche Attentäter Abdul Ballout Berlin ins Mark traf und gleichzeitig in Schockstarre versetzte. Wir waren an diesem Wochenende in der Bundeshauptstadt. Wegen der Tennis-Bundesliga mit unserem HTC Blau-Weiß. Da wir frühzeitig per Zug ankamen, nutzten wir die Gelegenheit, um bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen die Gegend rund um unser Hotel nahe des Checkpoint Charlie zu erkunden. Und nur zwei Ecken zog dann auch die Parade des Christopher Street Days. Wir blieben stehen, schauten zu und erlebten ein Fest, das beeindruckte. Überall Regenbogenfarben, Musik und lachende Gesichter. Menschen jeden Alters, Familien mit Kindern, Jugendliche und Senioren feierten gemeinsam. Es wurde getanzt, gesungen und umarmt. Vor allem aber wurde eines deutlich: Hier ging es um Respekt, Vielfalt und das Recht, so zu leben und zu lieben, wie man ist.
Wer an diesem Tag durch Berlin ging, konnte erleben, wie friedlich Hunderttausende miteinander umgingen. Trotz der riesigen Menschenmenge herrschte eine entspannte Stimmung. Fremde kamen miteinander ins Gespräch, Menschen halfen sich gegenseitig, und überall war dieses Gefühl zu spüren, dass Unterschiede verbinden können, anstatt zu trennen. Mit eben jenen Eindrücken kehrten wir später zurück ins Hotel.
Während des Abendessens mit der Mannschaft am Gendarmenmarkt hörten wir dann schon zunehmend Polizeisirenen. Auch ein Helikopter kreiste am Himmel. Die Nachricht von einem Anschlag verbreitete sich schnell. Doch noch konnten wir das Ausmaß nicht erahnen. Es dauerte nicht lange, ehe uns erste, besorgte Nachrichten aus der Heimat erreichten. „Ist bei Euch alles in Ordnung?“, wollten zahlreiche Freunde und Bekannte wissen.
Als wir uns dann auf den Weg zurück Richtung Hotel machten, hatte sich das zuvor so friedliche und feierfreudige Berlin in ein Meer aus Blaulicht verwandelt. Polizeifahrzeuge an nahezu jeder Ecke, Einsatzkräfte in großer Zahl, Absperrungen und weitere Hubschrauber am Himmel. Aus der bunten Feier wurde innerhalb weniger Stunden eine Stadt, die wirkte, als stünde sie unter Ausnahmezustand.
Nach dem Anschlag in Berlin wollen nun auch die Veranstalter des CSD in Krefeld – im Austausch mit den Behörden – die hiesigen Sicherheitsmaßnahmen nochmals überprüfen. „Alle Beteiligten werden nun noch gründlicher auf die Sicherheitsvorkehrungen schauen und bei Bedarf nachsteuern“, betont Ordnungsdezernent Ulrich Cyprian. „Klar ist, dass es eine 100-prozentige Sicherheit bei solchen Großveranstaltungen nicht geben kann. Die Ordnungsbehörden und der Veranstalter werden jedoch im engen Austausch alles dafür tun, die Besucherinnen und Besucher zu schützen.“
Oberbürgermeister Frank Meyer ließ vor dem Rathaus Regenbogenflaggen auf Halbmast setzen. Er sagte: „Extremistische Täter, die aus dem Hinterhalt unschuldige Menschen angreifen, zielen bewusst darauf, Angst und Hass zu säen und dadurch unsere Werte von Demokratie, Freiheit und offenem Miteinander zu untergraben. Wir dürfen uns dem nicht beugen und nicht klein beigeben.“