Beratungsstelle der Verbraucherzentrale zieht Bilanz Mal machtlos, oft die Rettung

M’gladbach/Rheydt · Verunsicherung rund ums Heizungsgesetz, untergeschobene Zeitschriften-Abos, Ärger mit Retouren – der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW auf der Bahnhofstraße in Rheydt rennen Verbraucher*innen weiterhin die Tür ein – 4 572 mal im vergangenen Jahr.

 Zogen Bilanz für 2023 (v. l.): Edda Nowak, Fachberaterin Energierecht, Nazime Kirici, Leiterin der Verbraucherzentrale-Beratungsstelle Mönchengladbach, und Nachwuchskraft Lena Pech, Botschafterin Nachhaltiger Konsum, Projekt MehrWertRevier.

Zogen Bilanz für 2023 (v. l.): Edda Nowak, Fachberaterin Energierecht, Nazime Kirici, Leiterin der Verbraucherzentrale-Beratungsstelle Mönchengladbach, und Nachwuchskraft Lena Pech, Botschafterin Nachhaltiger Konsum, Projekt MehrWertRevier.

Foto: Petra Käding

Verbraucher*innen in Mönchengladbach sind und bleiben verunsichert. Der Beratungsbedarf ist seit 2021 konstant hoch, so Nazime Kirici, Leiterin der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Mönchengladbach. „Wir dachten, wir kommen in ruhigeres Fahrwasser, aber die Zahl der Anfragen geht einfach nicht runter.“ Keine leichte Situation für das engagierte Team – mit inzwischen zwar immerhin 2,5 Stellen gegenüber 2,3 Stellen, aber demgegenüber auch 4 572 Verbraucheranliegen, 2 142 davon Rechtsberatungen und -vertretungen, allein in 2023.

Da wundert es auch nicht, dass sich Verbraucher selbst während des sechswöchigen Umbaus von Mitte August bis Ende September ’23 nicht immer von der in dieser Zeit geschlossenen Tür aufhalten ließen. „Wir haben versucht, das telefonisch aufzufangen, aber unsere Handwerker mussten immer wieder an die Tür gehen“, sagt Kirici und ergänzt warmherzig und augenzwinkernd: „Wenn sie unseren Kunden gesagt hätten: ‚Setzen Sie sich neben die Kreissäge‘ und warten Sie – sie hätten es getan!“ Zusammen mit ihrem Team blickt sie auch etwas stolz auf die vielen Fälle zurück, in denen die Beratungsstelle 2023 Verbraucher*innen unterstützen konnte.

Themen, bei den Verbraucher Rat und Unterstützung suchen, seien vor allem Energie sowie Alltagsverträge und Reklamationen mit je 32 Prozent. Retouren von Onlinebestellungen würden zunehmend zum Problem, etwa, wenn nach der Rücksendung keine Rückerstattung erfolgt. Aber, wie Kirici erfreut feststellt: „Wenn wir uns einmischen, klappt es dann oft doch!“

Auch die Energiekrise sorgt nach wie vor für eine Flut von Anfragen“, sagt Edda Nowak, Fachberaterin Energierecht. „Es sind Leute, die kurz vor der Sperre stehen, die Angst vor einer Entscheidung, einem Wechsel haben, die jemanden brauchen, der sie ans Händchen nimmt“. Verständlich, wie sie findet, denn bei den Anbietern gebe es immer wieder schwarze Schafe, die partout nicht erreichbar seien, zum Teil sogar einfach Kündigungen ignorierten.

Unberechtigte Preiserhöhungen, nicht transparente Mitteilungen, verspätete Jahresabrechnungen und deren unabsehbare Folgen, Versorger, die den Preisdeckel einfach nicht weitergeben – das alle hätte schon zu einer Vielzahl an Sperren geführt.

„Die Leute trauen niemandem mehr, deshalb prüfe ich reihenweise Rechnungen“, so Nowak. „Teilweise können wir gar nicht helfen“, bedauert Nowak.

Umso bewegender der Moment, als die Beratungsstelle im vergangenen Jahr 60 000 Euro aus dem Stärkungspakt NRW zur Verfügung gestellt bekam und damit viele Mönchengladbacher vor drohenden Energiesperren bewahren konnte. „Wir kamen uns vor wie Weihnachtsmänner“, erinnert sich Kirici.

Sehr positiv sei auch die Einführung des neuen Klageverfahrens „Abhilfeklage“ im Oktober ’23 gewesen, eine Sammelklage, die für alle Beteiligten wirksam wird, ohne, dass jeder Einzelne noch einmal klagen muss wie bei der Musterfeststellungsklage.

Für frischen Wind in der Beratungsstelle schließlich soll Lena Pech sorgen. Als Botschafterin Nachhaltiger Konsum setzt sie sich für diverse KoMoNa*-Aktionen wie Workshops zum Thema Ernährung, den Dialog zwischen Generationen und Austellungen wie die für 2024 geplante Wanderausstellung „Konsum im Wandel – Machen wir’s nachhaltig“ ein.

*KoMoNa steht für Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen

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