Interview mit Regionalvikar Ulrich Clancett und Superintendent Dietrich Denker „Ein demokratisches Europa ist nicht selbstverständlich“

Mönchengladbach · Heute ist Europawahl. Regionalvikar Ulrich Clancett und Superintendent Dietrich Denker haben uns als Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche erklärt, wie wichtig es ist, Demokratie zu leben und wählen zu gehen.

  Regionaldekan Ulrich Clancett.

Regionaldekan Ulrich Clancett.

Foto: Daniela Furth

Extra-Tipp: Heute finden die Wahlen zum Europaparlament statt. Was geht uns das Europaparlament überhaupt an? Warum rufen evangelische und katholische Kirche in Mönchengladbach zur Teilnahme an der Wahl auf?

Dietrich Denker: Ein demokratisches, freies und friedliches Europa versteht sich nicht von selbst. Es lebt davon, dass Menschen zur Wahl gehen und damit Einfluss auf die politischen Entscheidungen in Europa nehmen.

Superintendent Dietrich Denker.

Superintendent Dietrich Denker.

Foto: privat

Ulrich Clancett: Gerade die jüngsten Krisen wie die Kriege in der Ukraine und im Gaza-Streifen oder die geopolitischen Entwicklungen zeigen doch, dass wir als Einzel-Nationen kaum eine Rolle spielen können. Da kommt es auf eine starke Stimme Europas an. Das europäische Parlament ist, gemeinsam mit der europäischen Kommission, genau diese Stimme. Deshalb ist es wichtig, sich an der Bildung dieses Parlamentes aktiv zu beteiligen.

Warum ist ein demokratisches Europa auch für Mönchengladbach wichtig? Ist die Demokratie überhaupt eine zeitgemäße Regierungsform?

Ulrich Clancett: Ein demokratisches Europa ist für uns viel zu selbstverständlich geworden. Wir nehmen im Alltag meist gar nicht mehr wahr, um welche Freiheiten unsere Vorgänger-Generationen gekämpft haben. Mal eben in die Niederlande zum Einkauf fahren und dort mit derselben Währung wie in Deutschland zu bezahlen, das ist Normalität geworden.

Dass wir auch negative Entwicklungen erleben, wie eine oft überbordende Bürokratie, zeigt, wie wichtig es ist, sich immer wieder aktiv einzubringen – und zu wählen.

Und ja: Demokratie ist eine durchaus zeitgemäße Regierungsform. Sie ist anstrengend, manchmal nervig, immer aber positiv herausfordernd. Die mit den scheinbar einfachen Antworten und Lösungen haben, das zeigt die Menschheitsgeschichte nicht erst seit dem sogenannten „Dritten Reich“, immer wieder ins Chaos und den Untergang geführt.

Dietrich Denker: Mönchengladbach liegt mitten in Europa und wir profitieren von dieser Lage. Die Zukunft unserer Stadt hängt von Entscheidungen ab, die im Europaparlament, das wir mitwählen können, getroffen werden. Diese Form der Mitwirkung ist für ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben der Länder Europas die beste denkbare Regierungsform.

Wir erleben Zeiten der Krise. Worauf setzen Sie Ihre Hoffnung?

Dietrich Denker: Gerade in Zeiten der Krise braucht es eine demokratische Basis für Zusammenarbeit und zwischenmenschliche Solidarität. Nur durch offene Diskussionen und Kompromisse können gemeinsame und faire Lösungen gefunden werden. Ich hoffe auf eine starke Demokratie.

Ulrich Clancett: Ich erlebe in den letzten Monaten viele positive Aufbrüche gerade unter jungen Menschen. Sie werden aktiv. Sei es für den Schutz der Umwelt, soziale Gerechtigkeit oder den Schutz der Demokratie überhaupt. Und meine Hoffnung ist, dass wir durch die Wahlen zum europäischen Parlament ein starkes, demokratisches Ausrufezeichen setzen.

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