Herr Löwentraut, Sie sind in Kaiserslautern geboren und arbeiten heute überwiegend im Süden Portugals sowie am Niederrhein. Was hat Sie nach Portugal geführt?
Portugal war für mich vor einigen Jahren eine bewusste Entscheidung. Ich hatte schon länger das Bedürfnis, für eine Zeit ins Ausland zu gehen und meinen Arbeitsort zu verändern. Der Süden Portugals bietet mir eine besondere Ruhe. Die Landschaft, das Licht und die Nähe zur Natur schaffen eine Umgebung, in der ich mich sehr konzentriert auf die Malerei einlassen kann. Für mich ist das ein Ort, an dem ich Abstand vom öffentlichen Teil meiner Arbeit bekomme und mich ganz auf das konzentrieren kann, was im Atelier entsteht.
In den Medien entsteht oft das Bild eines Künstlers, der international unterwegs ist und große Ausstellungen eröffnet. Wie erleben Sie diese öffentliche Seite Ihrer Arbeit?
Ausstellungen und Eröffnungen gehören zum Beruf eines Malers dazu. Sie sind der Moment, in dem die Arbeiten den Weg aus dem Atelier in die Öffentlichkeit finden. Der eigentliche Schwerpunkt liegt für mich jedoch im Atelier. Dort entsteht die Arbeit über einen langen Zeitraum. Dieser Prozess ist viel ruhiger und konzentrierter, als es von außen manchmal erscheint.
Wenn Sie Ihre Arbeit im Atelier beschreiben müssten – was steht dort im Mittelpunkt?
In erster Linie die Malerei selbst. Meine Arbeiten entstehen aus Beobachtungen, Eindrücken und Erfahrungen. Vieles entwickelt sich während des Malprozesses. Manche Ideen entstehen unterwegs auf Reisen, andere direkt im Atelier. Mich interessiert dieser Moment, in dem sich eine Arbeit langsam verdichtet und irgendwann einen Punkt erreicht, an dem sie das Atelier verlassen kann.
Sie haben einmal gesagt, dass Werke oft lange im Atelier bleiben, bevor sie ausgestellt werden. Wie wichtig ist diese Zeit für ein Bild?
Sehr wichtig. Viele Arbeiten entstehen über einen längeren Zeitraum. Manchmal arbeite ich über Monate oder Jahre hinweg daran, mit Pausen dazwischen. In dieser Zeit entstehen neue Gedanken, neue Eindrücke – und die fließen wieder in die Arbeit ein. Erst wenn ich das Gefühl habe, dass eine Arbeit für sich stehen kann, verlässt sie das Atelier.
Entsteht ein Bild bei Ihnen eher aus einer klaren Idee heraus oder entwickelt es sich im Malprozess?
Beides kommt vor. Es gibt Phasen, in denen ich mit einem klaren Thema beginne. In anderen Momenten fängt alles sehr offen an. Dann entwickelt sich die Arbeit Schritt für Schritt auf der Leinwand. Für mich gehört auch das Experimentieren zur Malerei. Nicht jede Arbeit muss von Anfang an eine festgelegte Richtung haben.
Arbeiten Sie parallel an mehreren Bildern?
Ja, meistens sogar an vielen gleichzeitig. Das erlaubt mir, Abstand zu einzelnen Arbeiten zu bekommen. Wenn ich nach einiger Zeit wieder darauf zurückkomme, sehe ich sie mit einem anderen Blick. So entstehen neue Impulse, die wiederum in die Arbeit einfließen.
Welche Rolle spielt der Betrachter in Ihrer Malerei?
Meine Arbeiten sind auf eine unmittelbare visuelle Begegnung angelegt. Sie entfalten ihre Wirkung im direkten Gegenüber mit dem Betrachter. Mich interessiert dieser erste Moment der Wahrnehmung – bevor man beginnt, etwas zu erklären oder einzuordnen.
Haben Sie bestimmte Rituale oder feste Arbeitszeiten?
Feste Zeiten gibt es kaum. Ich arbeite häufig nachts, aber in Portugal auch sehr gern in den frühen Morgenstunden. Diese Zeit hat eine besondere Ruhe. Oft ist das auch der Moment, in dem ich mit etwas Abstand auf Arbeiten schaue, die am Abend zuvor entstanden sind.
Wie sieht Ihr Alltag aus, wenn Sie nicht im Atelier arbeiten?
Sehr ruhig eigentlich. Ich gehe viel spazieren, oft am Rhein oder im Wald. Sport gehört ebenfalls zu meinem Alltag. Und natürlich treffe ich mich mit Freunden. Das sind dann Momente, in denen es bewusst nicht um Kunst geht.
Neben Portugal arbeiten Sie auch in Mönchengladbach. Was bedeutet dieser Ort für Ihre Arbeit?
In Mönchengladbach habe ich ein großes Atelier auf einem historischen Hof gefunden. Der Ort gibt mir die Möglichkeit, Arbeiten in größerem Format zu entwickeln. Gleichzeitig ist es ein Arbeitsort mit viel Geschichte und Atmosphäre – etwas, das ich sehr schätze.
In vielen Ihrer Arbeiten taucht die Farbe Gold auf. Woher kommt diese Entscheidung?
Das hat sich eher aus dem Arbeiten heraus entwickelt. Die Lichtverhältnisse an der Algarve haben mich stark geprägt – dieses flirrende Licht zwischen Meer und Sand. Gold hat für mich eine besondere visuelle Qualität und hat sich im Laufe der Zeit ganz selbstverständlich in meine Malerei integriert.
Ihre letzten Projekte führten Sie unter anderem nach Brüssel, Istanbul und in die Dolomiten. Was verbindet diese sehr unterschiedlichen Orte?
Jedes Projekt entsteht aus einem eigenen Kontext. Mich interessiert, wie Malerei in unterschiedlichen Situationen und Räumen funktioniert – ob in Museen, Ausstellungshäusern oder im öffentlichen Raum.
In Südtirol entstand im Umfeld der Olympischen Winterspiele eine Serie über Sportler. Was hat Sie an diesem Thema interessiert?
Mich hat die Verbindung zwischen Disziplin, Konzentration und Präsenz interessiert. In Gesprächen mit den Athletinnen und Athleten wurde deutlich, wie stark ihr Alltag von Training, Rückschlägen und dem ständigen Versuch geprägt ist, sich weiterzuentwickeln. Diese Aspekte haben mich auch aus der Perspektive der Malerei interessiert.
Woran arbeiten Sie derzeit?
Im Moment interessiert mich vor allem die Weiterentwicklung meiner Malerei. Viele Dinge entstehen Schritt für Schritt im Atelier. Manche Projekte entwickeln sich erst im Laufe der Zeit. Mir ist wichtig, mich auf die Arbeit zu konzentrieren und den Prozess offen zu halten.