Reise Kalabrien: Italiens grüne Stiefel-Spitze

„Benvenuti in Calabria“ - Redakteurin Claudia Ohmer besuchte die Südspitze Kalabriens, traf dort viele gastfreundliche Menschen, war in grandioser Naturlandschaft, an malerischen Buchten, in geschichtsträchtigen Städten und pittoresken Dörfern unterwegs und ging auf kulinarische Entdeckungsreise.

Postkartenmotiv Capo Vaticano: Vom Aussichtspunkt Belvedere bietet sich ein unvergesslicher Blick entlang der Costa degli Dei – der „Küste der Götter“ auf das azurblaue Meer. Bei klarer Sicht kann man sogar bis in die Straße von Messina und nach Sizilien blicken.

Foto: Claudia Ohmer

Italiens südlichste kontinentale Region gleicht mit ihren knapp 800 Küsten-Kilometern, umspült im Westen vom Tyrrhenischen Meer, im Osten vom Ionischen Meer, fast einer Insel. Mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr ist der Mezzogiorno (Süden) von Italien eines der sonnenverwöhntesten Gebiete in Europa – und noch immer ein Geheimtipp. Die Natur im Landesinneren von Kalabrien ist noch nahezu unberührt. So unterschiedlich das Klima (von subtropisch bis kühl), so vielfältig ist auch die Vegetation und damit ein wahres Schatzkästchen für die Landwirtschaft.

Das „grüne Gold“, die Bergamotte, jene Zitrusfrucht, die dem Kölnisch-Wasser seinen Duft und dem Earl-Grey Tee sein Aroma verleiht, wird hier angebaut. Außerdem wachsen hier die Zitronat-Zitronen, die in keinem Dresdner Stollen fehlen dürfen.

Vom Meer geküsst: Scillas poetisches Fischerviertel Chianalea wird oft als „Venedig des Südens“ bezeichnet. Es lohnt sich in den wildromantischen Gassen zu bummeln.

Foto: Claudia Ohmer

Ein Symbol, das ebenfalls für Kalabrien steht, ist die rote Zwiebel aus Tropea – „Cipolla Rossa di Tropea“, der man überall begegnet und die meist in geflochtenen Zöpfen präsentiert wird. Weitere kalabrische Spezialitäten wie Fileja (auf Stricknadeln gedrehte Pasta), `Nduja (feurig-scharfe Streichwurst), Pecorino (Käse) und Peperoncino, aber auch die Liköre Amaro del Capo und Limoncello sollten unbedingt verkostet werden.

Knapp 3.000 Jahre alte Geschichte hat Spuren hinterlassen: Griechen, Römer, Byzantiner, Normannen und Staufer. Archäologische Ausgrabungen, mittelalterliche Kirchen, Adelspaläste, viele Kastelle und Burgen sind deren Zeuge. Einer dieser Orte, der in der Zeit schwebt, ist das antike Felsendorf Zungri. Der Besuch in der bezaubernden Umgebung zwischen Bergen und Meer bedeutet eine Reise in die Vergangenheit.

Die auf einem Felsen vorgelagerte Klosterkirche Santa Maria dell‘Isola ist das Wahrzeichen von Tropea. Oben eröffnet sich die spektakuläre Kulisse von Küste und Altstadt.

Foto: Claudia Ohmer

An der „Küste der Götter“ (Costa degli Dei) spiegelt sich die außergewöhnliche Vielfalt der Meereslandschaften wider. Dieser 55 Kilometer lange Abschnitt ist bekannt für imposante Klippen und goldene Sandstrände.

Das Capo Vaticano bietet ein Naturspektakel mit türkisblauem Meer und weißen Granitfelsen, die dramatisch ins Meer stürzen, ein karibisch anmutendes Flair.

Die berühmte „Cipolla Rossa di Tropea“ ist eine Knolle mit Kultstatus und ganz mild im Geschmack. Sie begegnet einem auf Schritt und Tritt in Kalabrien.

Foto: Claudia Ohmer

Nur einen Katzensprung entfernt und rund 60 Kilometer vom Flughafen Lamezia Terme gelegen, ist Tropea ein Muss auf jeder Kalabrien-Reise. Die Stadt ist ein Schmuckstück mit seiner sehenswerten mittelalterlichen Altstadt auf Tuffsteinfelsen und der Wallfahrtskirche Santa Maria, die majestätisch oberhalb des Meeres thront. Ein guter Aussichtspunkt auf das Heiligtum hat man vom Belvedere Piazza del Cannone. Einige Schritte weiter abseits der belebten Hauptstraße Corso Vittori Emanuele findet man kleine verwinkelte Gassen und versteckte Plätzchen im Centro Storico (Altstadt). Jede Kurve biegt hier im historischen Herzen der Stadt in eine andere Zeit ab.

Dolce Vita auf der Flaniermeile Corso Vittori Emanuele in Tropea, das bereits zum schönsten Dörfchen Italiens gewählt wurde.

Foto: Claudia Ohmer

Auch ein kleines Juwel ist das Fischerstädtchen Scilla an der Costa Viola, direkt an der Meerenge von Messina gelegen. Im Viertel Chianalea taucht man in eine andere Welt ein. Die Häuser ragen teils ins Wasser, die Fischerboote sind vor den Haustüren „geparkt“. Hier sieht man oft „Spatare“-Boote, die für den traditionellen Harpunen-Fang von Schwertfischen mit langer Plattform und hohem Ausguck ausgestattet sind. Den Pesce Spada (Schwertfisch) kann man hier fangfrisch im Brötchen genießen.

In Reggio Calabria, ehemalige Hauptstadt der Region, ist der größte Anziehungspunkt für Kunstinteressierte die beiden antiken Bronzekrieger von Riace im Archäologischen. Die Promenade am Meer mit tollem Baumbestand bietet einen schönen Blick auf Sizilien und den Ätna.

Das verschlafene Nicotera: Die Kathedrale, ein verschlafener Platz und Terrassen mit weitem Blick auf die Küste am Tyrrhenischen Meer.

Foto: Claudia Ohmer

Nicotera wirkt verschlafen, verwunschen, fast ausgestorben, ist aber wunderschön. Ein Kleinod ist der Platz mit Bar und Eisdiele, in der es köstliches Pistazien- und Mandeleis gibt. Ein Spaziergang durch das alte Zentrum aus dem 18. Jahrhundert führt in die verschachtelten winzigen Gassen des alten jüdischen Viertels von Giudecca.

Im beschaulichen Pizzo versprühen zahlreiche Gelaterias auf der Piazza Eis-Glamour. In der Geburtsstätte des legendären Tartufo de Pizzo muss man diese süße Berühmtheit einfach genießen.

Foto: Claudia Ohmer

Das Mittelalter-Städtchen Pizzo mit seinem monumentalen Kastell liegt nicht nur malerisch auf einem Tuffsteinfelsen, es ist auch bekannt als Tartufo-Hotspot. Auf der Piazza della Repubblica wurde die süße Versuchung 1952 erfunden und hier wetteifern zahlreiche „Gelaterias“ um die Gunst der eisliebenden Kundschaft. Das weltberühmte Original besteht aus Schokolade- und Haselnuss-Eis mit einem flüssigen Kern aus geschmolzener Schokolade, bestäubt mit Kakaopulver. Buon Appetito!