Im Atelier Raumstark wird aus Altem Neues „Zu jedem Teil gibt es eine Geschichte“

Mönchengladbach · Man muss nicht alles gleich wegwerfen. Aus vielen alten Möbeln, vergessenen Gegenständen und Teilen von Apparaten lassen sich neue ausgefallene Schätze machen. „Es ist an der Zeit, durch Upcycling umzudenken“, sagt Muhlis Sarac, der vor ziemlich genau zehn Jahren das Atelier Raumstark in der Mönchengladbacher Altstadt gründete. Seitdem kombiniert er Altes und Zweckentfremdetes, kreiert Deko aus Abfallprodukten und erschafft einzigartige Möbelstücke. „Ich bin halb Handwerker und halb Künstler“, sagt er.

„Ursprünglich als gelernter Hotel- und Restaurantfachmann und später auf Führungsebenen in der Hotellerie, Ausbilder und Kochdozent, war es mir immer eine Freude, mit Räumlichkeiten vertraut zu sein, um das Wohlbefinden des Menschen zu garantieren“, sagt Muhlis Sarac.

Foto: Andreas Baum

Das Regal aus Acryl war mal eine Box mit Fächern für Strümpfe im früheren Karstadt. Die Schiebetür, auf die man draufschreiben kann, hing früher als Tafel im alten Gebäude der Kreishandwerkerschaft. Der Michele De Lucchi-Lampe fehlte die Wandhalterung und sie wurde in Kombination mit einer Eichenbohle aus dem Hardter Wald vom geschlossenen Sägewerk Schmitt zur Design-Stehlampe… „Als ich vor zehn Jahren den Leuten von meiner Upcycling-Idee erzählt habe, bin ich ausgelacht worden“, sagt Muhlis Sarac. Heute ist klar, dass der Künstler und Möbeldesigner seiner Zeit wohl eher voraus war.

„Die Natur ist der beste Designer“ steht als Spruch an der Wand in Saracs Showroom in der Waldhausener Straße, direkt über der selbst gebauten Küche. Natürliche Materialien wie Holz oder Marmor sind ihm denn auch bei seinen Kreationen am liebsten, wie bei dem Dreisitzer mit Gestell aus alten Dielen und maßgeschneiderten Polstern vom Nachbarn, dem Raumausstatter Terstappen. Ein- bis zweimal im Jahr baut Muhlis Sarac ganze Raumstark-Einbauküchen, individuell und für Kunden, die per Mund-zu-Mund-Propaganda zu ihm gefunden haben. Sie müssen sich darauf einlassen, dass in die Küchen immer eine Designerlampe und vor allem etwas Altes integriert wird. „Das ist mein Markenzeichen“, sagt er. Zu seiner eigenen Küche im Atelier gehört ein Tisch, der auf einem Einzelfuß steht. Der Fuß war einmal Teil der Karstadt-Verwaltung in Bürograu. Sarac hat ihn knallgelb gestrichen und eine alte Holzplatte aufgesetzt. Andere Teile des ehemaligen Warenhauses sind in der Rheydter Gründungsfabrik gelandet oder auch im Gemeinschaftszentrum „Das Westend“ im Gladbacher Westen.

Lampe von Michele De Lucchi kombiniert mit Eichenholz aus dem Hardter Wald. Im Hintergrund ein alter einbeiniger Bürotisch von Karstadt, jetzt gelb statt grau und mit neuer alter Holzplatte.

Foto: Andreas Baum

Die Trödelmärkte muss der Selfmade-Mann, der viele Jahre als Hotel- und Restaurantfachmann gearbeitet hat, nicht abklappern. „Die Sachen finden mich“, sagt Muhlis Sarac, der sich auch als Vermittler sieht. Die Leute rufen ihn an, wenn irgendwo was übrig ist. Mal kann er davon selber etwas brauchen, mal weiß er von anderen, die etwas suchen.

Upcycling ist für den Künstler und Handwerker ein weiter Begriff. „Eigentlich ist Putzen schon Upcycling“, sagt er, wenn man etwas im Keller findet und es entstaubt, poliert und ihm eine zweite Chance gebe. Auch Restaurieren sei Upcycling, Zweckentfremden sowieso. Früher hat Muhlis Sarac schonmal mit einem Stand auf der Art Düsseldorf auf sich aufmerksam gemacht, oder mit Garderoben aus Altholz und gereinigten Fahrradketten auf dem Claus-Markt in Mönchengladbach gestanden. Heute ist das nicht mehr nötig, seine ausgefallenen Ideen haben sich rumgesprochen. Sogar Mönchengladbachs Oberbürgermeister Felix Heinrichs zählt zu seinen Kunden. Und Muhlis Sarac hat immer neue Einfälle. Seit einiger Zeit trifft er sich mit einer Handvoll anderer Künstler aus Mönchengladbach zu Kreativtagen, an denen neue Gemeinschaftsideen entstehen. Die Realisierung solcher Einfälle soll die Ausstellung mit Karina Wenz, Jana Dahlmann und Victoria Labus am 30. und 31. Juli unter dem Motto Raumstarke Kunst *** im Projekt 42 Waldhausener Straße 42 in Mönchengladbach zeigen. Geöffnet ist Donnerstag und Freitag von 17 bis 22 Uhr mit After Vernissage Party.

Raumstark,

Waldhausener Straße 43,

in 41061 Mönchengladbach (Termin nach Vereinbarung)

raumstark.de, [email protected]