Armin Mueller-Stahl Der Gaukler auf Schloss Moyland

Niederrhein · Armin Mueller-Stahl gilt als künstlerisches Multitalent. Er ist nicht nur als Hollywood-Schauspieler weltbekannt, sondern widmet sich seit Jahrzehnten intensiv der Malerei. Im Schloss Moyland ist derzeit seine Ausstellung „Armin Müller-Stahl: Nacht und Tag auf der Erde“ zu sehen.

Foto: Schloss Moyland

„Bin schon Gaukler über 90 Jahr. Bin Tragöde, bin der Narr, bin der Bettler, bin der König. Und ich weine mal ein wenig. Doch ich lache wie ein Kind, wenn die Leute glücklich sind.“

Die Figur des Gauklers hat es Armin Mueller-Stahl angetan. Und sie ist eng mit der Geschichte seines Lebens verbunden. „Der Clown weint außen und lacht innen, und der Gaukler, der weint innen und lacht außen. Das heißt, ein Gaukler hat auch schwere Stunden zu überwinden, aber die zeigt er nicht", sagt der 95-Jährige. Ein Gaukler sei einer, der auch Geschichten erfinde, der den Leuten eben etwas vorgaukele und damit auch Hoffnung verbreite. „Der Gaukler ist die Figur, die mich berührt."

Der Name Armin Mueller-Stahl steht für große Filmkunst. Viele kennen ihn aus internationalen Produktionen, aus DEFA-Klassikern oder als Charakterdarsteller in Hollywood. Doch der 95-Jährige ist weit mehr als Schauspieler: Seit Jahrzehnten arbeitet er auch als Maler, Grafiker und Musiker – mit wachsender Anerkennung in der Kunstwelt. Nun widmet ihm das Museum Schloss Moyland die große Ausstellung „Nacht und Tag auf der Erde“.

Zur Eröffnung kam auch die NRW-Ministerin für Kultur und Wissenschaft Ina Brandes (CDU). Sie nannte Müller-Stahl einen „Jahrhundertkünstler“, der mit seinem Schaffen ein „Kaleidoskop der deutschen Geschichte und Kunstgeschichte“ gestaltet habe.

Bis zum 20. September sind im Museum Schloss Moyland mehr als 120 Werke zu sehen – darunter Gemälde, Zeichnungen, Lithografien, Radierungen und Arbeiten auf Papier. Die Schau zeigt eindrucksvoll, wie eng Müller-Stahls Lebenserfahrungen mit seiner Kunst verbunden sind. Seine Bilder erzählen von Krieg, Diktatur, Exil und gesellschaftlichen Umbrüchen, aber auch von Musik, Erinnerung und menschlicher Nähe.

Besonders auffällig sind seine Porträts: Mit wenigen Strichen schafft Müller-Stahl intensive Gesichter voller Ausdruck. Zu sehen sind unter anderem Darstellungen jüdischer Freunde und Weggefährten sowie berühmter Persönlichkeiten wie Franz Kafka oder Billy Wilder. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung auch politische Arbeiten, in denen sich der Künstler mit Terroranschlägen, Protestbewegungen oder der Präsidentschaft von Donald Trump auseinandersetzt.

Müller-Stahls Kunst wirkt dabei nie dekorativ. Sie ist persönlich, oft rau und emotional aufgeladen. Viele Werke verbinden Text und Bild, andere erinnern mit ihren starken Farbflächen beinahe an Jazz-Improvisationen. Kein Zufall: Der Künstler ist ausgebildeter Konzertgeiger und versteht Malerei ebenso rhythmisch wie musikalisch.

Die Ausstellung beleuchtet außerdem die außergewöhnliche Biografie des Künstlers. Geboren 1930 im ostpreußischen Tilsit, erlebte Müller-Stahl die NS-Zeit, die DDR und später den internationalen Erfolg im Westen. Filmsequenzen, Interviews und ein biografischer Zeitstrahl ergänzen die Präsentation und machen deutlich, wie stark sich Schauspielerei und Malerei in seinem Werk gegenseitig beeinflussen.

Mit „Nacht und Tag auf der Erde“ zeigt Schloss Moyland nicht nur das Werk eines berühmten Schauspielers, sondern das eines vielseitigen Künstlers, der auch mit 95 Jahren noch kreativ arbeitet – und dessen Bilder mindestens ebenso viel erzählen wie seine Filme.