Doppel-Interview mit Simon Krivec und André Schicks „Wir kennen unsere Stärken und Schwächen“

Krefeld · Im Doppel-Interview blicken der Vorstandsvorsitzende Simon Krivec und Geschäftsführer André Schicks auf die Hinrunde der 2. Handball-Bundesliga zurück und schildern ihre Erwartungen an die am 7. Februar beginnende Rückrunde.

Foto: HSG

Wie fällt die persönliche Bilanz der Hinrunde aus?
Simon Krivec: „Mit dem Saisonstart waren wir alle zufrieden. Im weiteren Verlauf der Hinrunde haben wir mit Beginn des Herbstes allerdings den Anschluss verloren und hier und da unglücklich agiert. Dadurch haben wir insgesamt drei Punkte liegengelassen.“
Andrè Schicks: „Sportlich gesehen bietet die Saison auf jeden Fall noch Luft nach oben, was die Entwicklung der Zuschauerzahlen betrifft, befinden wir uns schon auf einem sehr guten Niveau. Auf anderen Ebenen braucht es noch ein wenig, bis überall registriert worden ist, auf welchem Niveau die Eagles mittlerweile agieren und wohin wir es geschafft haben.“

Ist die Mannschaft konkurrenzfähig?
Simon Krivec: „Wenn alle Mannschaftsteile ihre Leistungsstärke abrufen, brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken. Leider haben wir das vor allem vor heimischem Publikum zu wenig gezeigt. Das ist schade – vor allem für unsere Zuschauer, die immer hinter uns stehen. So etwas darf uns nicht passieren.“
André Schicks: „Ich bin ebenfalls der festen Überzeugung, dass die Mannschaft alles mitbringt, was für den Klassenerhalt benötigt wird. Dies heisst es nun aber auch abzurufen.“

Konnte man mit dem Verlauf der Hinrunde rechnen?
André Schicks: „Die 2. Handball-Bundesliga ist unberechenbar, daher war es nur geringfügig möglich eine Einschätzung abzugeben. Nun haben wir gegen jede Mannschaft einmal gespielt und wissen sowohl um unsere Stärken, aber auch deutlich um unsere Schwächen.“
Simon Krivec: „Als Aufsteiger gilt man in dieser schweren Liga nicht umsonst automatisch als erster Kandidat auf den Abstieg. Nach den ersten fünf Spielen haben wir natürlich kurz gedacht, dass wir uns ganz gut schlagen. Stand heute muss man konstatieren: Wir kämpfen um den Klassenerhalt.“

Wie haben sich die personellen Planungen nach dem späten Aufstieg ausgewirkt?
André Schicks: „Der Kader war schon frühzeitig klar und daher war es auch nicht einfach Modifikationen vorzunehmen.
Simon Krivec: „Das Zeitfenster zwischen Aufstieg und erstem Saisonspiel – das bringt der Aufstiegsmodus mit - war einfach extrem kurz. Unter diesen Voraussetzungen hätten wir uns kaum besser aufstellen können. Zudem müssen wir als Aufsteiger mit einem deutlich geringeren Etat haushalten als die etablierten Zweitligisten. Hinzu kamen hohe finanzielle Aufwendungen, um die infrastrukturellen Voraussetzungen für die 2. Liga zu erfüllen.

Haben die Neuzugänge Ihre Erwartungen erfüllt?
Simon Krivec: „Grundsätzlich ja. Persönlich hätte ich mir im Verlauf der Hinrunde eine etwas stärkere Gesamtentwicklung der Mannschaft gewünscht. Allerdings hatten wir auch großes Verletzungspech.
André Schicks: „Dem stimme ich zu. Auf der Torwartposition mussten wir mit Moritz Ebert eine Zwischenlösung finden, zudem fielen Lukas Siegler und Falk Kolodziej lange Zeit aus. Und natürlich gibt es auch Abstriche und auf diesen Positionen sind wir aktuell mit Modifikationen und Gesprächen beschäftigt.“

Wird das Team noch verstärkt?
André Schicks: „Unser sportlicher Leiter Stefan Meler ist mit Auftrag der Marktsondierung betraut. Hier spielen natürlich wirtschaftliche Dinge und auch angebotenes Spielerpotential eine große Rolle, ob es hier zu Verstärkungen kommen kann.“
Simon Krivec: „Wir kennen unsere Defizite und sind auf der Suche nach Spielern, die exakt zu unserem Anforderungsprofil passen, werden wir versuchen, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Den Kader lediglich nur weiter aufzufüllen, ergibt keinen Sinn.“

Hat sich der Aufstieg positiv auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt?
André Schicks: „Die vielen Maßnahmen rund um einen Spieltag am Glockenspitz tragen ihre Früchte. Das spüren wir deutlich und erfreuen uns immer mehr Zuspruch auf allen Ebenen. Dies zeigt deutlich auf, welches Potential der Handball in der Stadt Krefeld bereits hält. Nun heißt es aber auch, die nötigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich und auch baulich zu ebnen um hier den nächsten Schritt gehen zu können.“
Simon Krivec: „Dem kann ich nur beipflichten. Wir verfügen mittlerweile über eine treue Fangemeinde. Das beim letzten Heimspiel weit über 2.000 Zuschauer begrüßen durften, obwohl wir bis zum Unentschieden in Lübbecke zuvor zehn Spiele in Folge verloren hatten, ist ein starkes Zeichen an die Stadt und Region.“

Sind alle Aufgaben im Umfeld der Mannschaft bewältigt worden?
Simon Krivec: „Die Anforderungen HBL haben wir alle erfüllt. Alle Beteiligten, angefangen von der Geschäftsführung um André Schicks bis hin zu unseren vielen Ehrenamtlern, engagieren sich mit viel Herzblut für die HSG und nicht selten weit über das geschuldete Maß hinaus. Dafür gebührt mein ausdrücklicher Dank. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass wir trotz der höheren Arbeitsbelastung unser Personal in der Geschäftsstelle bewusst nicht aufgestockt haben. Es ist schlicht so: Aufgrund unserer Etathöhe müssen wir jeden Euro umdrehen, um eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen. Unser primäres Ziel ist der Klassenerhalt. Wir wollen zeigen, dass wir in der 2. Liga angekommen und keine Eintagsfliege sind.“

Wünschen Sie sich in der Führungsebene mehr Unterstützung?
André Schicks: „Hier möchte ich das Engagement von unserem Vereins-Vorsitzenden Dr. Krivec aktuell mehr als hervorheben. Er steht zu 100% hinter der HSG, nicht nur mit dem Sponsoring durch sein Unternehmen, der Adler Apotheke in Moers, sondern stärkt der HSG auch als Privatperson mit hohem zeitlichem und finanziellem Engagement den Rücken und lässt die Geschäftsführung und sportliche Leitung in ruhigem Fahrwasser arbeiten.“
Simon Krivec: „Auf Dauer täte es der Sache aber auch gut, wenn sich wieder weitere Sponsoren und Persönlichkeiten finden würden, die Interesse und Spaß daran haben, die HSG auch auf der Gesellschafterebene zu unterstützen und für die Zukunft auszurichten. Damit würden wir auch dem Ursprungsgedanken entsprechen: So sind wir bei der Gründung der Spielbetriebs-GmbH neben dem gemeinnützigen Verein mit drei Gesellschaftern gestartet, um die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, zusätzlichen Input zu erhalten und Themen auch kontroverser diskutieren zu können. Je größer der Kreis der Menschen ist, die sich mit der HSG identifizieren, desto besser. Ich habe schon vor geraumer Zeit einen Großteil meiner Gesellschaftsanteile, die ich nach dem Ausscheiden einzelner Gesellschafter übernommen hatte, um unnötige Unruhen zu vermeiden, an den gemeinnützigen Verein abgetreten, um die Voraussetzungen für den Einstieg eines Sponsors oder einer sportbegeisterten Persönlichkeit auf Gesellschafterebenen zu schaffen. Der Weg ist also bereitet und wir stehen für Gespräche und Neuerungen immer bereit.“
Andre Schicks: „Und wenn ich ergänzen darf: Die HSG Krefeld Niederrhein hat sich in den vergangenen Jahren zu einer echten Marke entwickelt, diese hat es sich nun auch verdient weiteren Zuwachs zu erhalten, um die Nachhaltigkeit zu dokumentieren.“

Die HSG muss noch eine weitere Saison in der Glockenspitzhalle spielen. Bremst das die Entwicklung?Simon Krivec: „Diese Thematik liegt nicht in unserer Hand und ist ein Thema der Stadt Krefeld. In den vielen Gesprächen mit der Stadtverwaltung haben wir klar kommuniziert, dass wir für unseren Trainings- und Spielbetrieb dem Profisport und vor allem den Regularien entsprechende Bedingungen benötigen. Es kann nicht sein, dass es in die Halle hineinregnet oder sich der Boden verzieht, weil nicht ausreichend geheizt wird. Bereits zweimal drohte eine kurzfristige Spielabsage durch die Schiedsrichter vor Ort – das wäre ein Armutszeugnis für die Stadt Krefeld.“
André Schicks: „Generell ist die Glockenspitzhalle aktuell die beste Spielstätte für die HSG Krefeld Niederrhein. Dies aber nur unter der Voraussetzung, dass dort die Einschränkungen so klein wie möglich bleiben. Zwar sind alle Seiten bemüht dies bis zur Sanierung so aufrecht zu erhalten, aber wir wissen nicht, wie lange das angesprochene Dach und andere Einrichtungen noch halten werden. Daher drängt die Sanierung schon langsam. Für den weiteren Ausbau der Handballmarke sind auch weitere bauliche Maßnahmen notwendig, aber diese müssen dann besprochen werden, wenn es dann tatsächlich in die Bauphase geht. Wir freuen uns schon auf das, was kommt und hoffen natürlich auf den sportlich positiven Ausgang der Saison, der manches auch einfacher werden lassen würde.“