Der Klimawandel ist ein globales Phänomen, betrifft aber jede Stadt ganz konkret. Somit muss sich auch jede Region auf die veränderten Temperaturen und deren Auswirkungen einstellen.
„Uns ist das Thema sehr wichtig“, bestätigt Sabine Lauxen, Umweltdezernentin der Stadt Krefeld. Deshalb hat die Stadt eine Analyse des Krefelder Klimas angefertigt. Wenn der Stadtrat dieser Analyse im April zustimmen sollte, dann bedeutet sie eine Grundlage für die weitere Stadtplanung.
„Das Neue unserer Klimaanalyse ist, dass wir eigene Daten erhoben haben“, erläutert Lauxen. Nicht weniger als 56 Messstationen waren ein Jahr lang auf dem Stadtgebiet installiert. Hinzu kamen Daten von mobilen Erfassungsgeräten, die viele Bürger selbst lieferten.
Damit unterscheidet sich diese Analyse, die schon im vorigen Jahr vorgelegen hat, von einer älteren aus dem Jahre 2003. Damals wurden Daten aus NRW und dem Bundesgebiet auf die Stadt heruntergerechnet. Jetzt stehen lokale Daten zur Verfügung.
Zum Ergebnis lässt sich ganz allgemein sagen, dass der Stadtkern die größte Problemzone ist. Denn hier besteht die dichteste Versiegelung und Bebauung. Dadurch staut sich im Sommer die Hitze und kann schlecht entweichen. In den ländlicheren Bezirken mit viel Grünflächen stellt sich die Lage entspannter dar.
Die Analyse ist aber viel präziser. Sie identifiziert einzelne Wärmeinseln bis in die Straßenzüge hinein, zudem den Einfluss von Windaufkommen und berechnet sogar die Temperaturen, die die betroffenen Menschen nur fühlen, obgleich sie objektiv gemessen niedriger sind. Aber auch das subjektive Gefühl ist bedeutend für das Wohlbefinden der Menschen. So kann bei einem Hitzetag mit über 30 Grad bei Anwohnern in dichter Bebauung durchaus das Gefühl aufkommen, es sei gut fünf Grad heißer.
Sabine Lauxen ist es wichtig, aus den Daten der Jahrestemperatur, der Hitzetage und der Frosttage die passenden Schlüsse für eine Bauleitplanung der Zukunft zu ziehen. „Wir stehen vor verschiedenen Szenarien“, erklärt sie, „wie wird die Entwicklung sein, wenn wir nichts tun und wie, wenn wir nachhaltig planen“? Beispiel Hitze in den Nächten: Die Analyse hat für Krefeld in einem Jahr vier Nächte mit tropischen Temperaturen ausgemacht, die den Schlaf vieler Menschen beeinträchtigen. Die Computerberechnungen ergeben, dass sich die Anzahl dieser Heißnächte im Jahre 2100 angesichts des Klimawandels auf 18 steigern wird; selbst dann, wenn die Stadtplanung überlegt gegensteuert. Falls die Stadtplaner hingegen nicht gegensteuern, könnte sich die Zahl extrem auf sogar 60 steigern.
Man kann sich vorstellen, dass die Auswirkungen auf das Leben der Menschen, auf das soziale Zusammenleben und auf die Natur erheblich sein würden.
Es wird also bei allen Planungen zu berücksichtigen sein, wie Grünflächen angelegt werden können, welche Pflanzenarten geeignet sind, welche Bebauung belebende Windschneisen erlaubt, welche Bedeutung Wasser für die Stadt bekommt, wie das Gesundheitssystem vernetzt und angepasst werden kann und viele Fragen mehr.
Das globale Klima kann eine Stadt allein sicherlich nicht retten. Aber sich auf Veränderungen einstellen, das wird sie müssen.
Viele weitere Informationen zur Klimaanalyse veröffentlicht die Stadt auf ihrer Homepage www.krefeld.de Stadtkarten mit Klimainformationen gibt es auch im Geoportal unter www.geoportal-niederrhein.de/krefeld/klima