Extra-Tipp-Interview mit Gesundheitsexperte Peter Hinojal Faszination Schmerzfreiheit: Bewegung - Medizin der Zukunft

Stadt Willich · Unter dem Titel „Faszination Schmerzfreiheit - Bewegung, die Medizin der Zukunft“ lädt die Halle 22 am Donnerstag, 5. März, um 18.30 Uhr zu einem Fachvortrag in die Kulturhalle Schiefbahn ein. Referent des Abends ist Gesundheitsexperte, Fitness-Coach, Personaltrainer, Autor und langjähriger Chefredakteur der Gesellschaft für Ernährungsforschung, Peter Hinojal.

Auf Einladung der Halle 22 lädt Gesundheitsexperte Peter Hinojal zu seinem Vortrag „Faszination Schmerzfreiheit“ in die Kulturhalle Schiefbahn ein.

Foto: Privat

Stillstand ist oft ein Übel in vielen Bereichen. Nicht weiterkommen, nicht vorwärtskommen, stehen bleiben, einrosten, eingehen. Nicht umsonst gibt es das alte Sprichwort „Wer rastet, der rostet“. Das wussten selbst die Neandertaler, die täglich bis zu 20 Kilometer zurücklegten. Nahrungssuche (Foraging Range) zwang sie dazu. Der moderne Mensch legt im Durchschnitt nur noch zwei bis drei Kilometer täglich zurück. „Das ist fast wie Stillstand“, sagt Gesundheitsexperte Peter Hinojal. Das Resultat: Immer mehr Menschen leiden an Gelenkschmerzen und Rückgang der Muskulatur. Doch unser Körper ist für Stillstand nicht gemacht. „Bewegung ist die Medizin der Zukunft“, sagt Peter Hinojal und lädt zu seinem Vortrag „Faszination Schmerzfreiheit“ ein. Wir sprachen mit dem Gesundheitsexperten über Bewegung, Muskeln, Faszien, Training und warum das Gehirn eine wichtige Rolle dabei spielt.

Herr Hinojal, wie entstehen Schmerzen?

Schmerzen sind in erster Linie ein Signal an das Gehirn. Sogenannte Triggerpunkte oder Spannungsmelder zum Beispiel in der Muskulatur melden dem Gehirn ‚Achtung - hier stimmt etwas nicht‘ und das Gehirn stellt auf Abschalten.

Abschalten? Wie verstehe ich das?

Ein Beispiel: Wenn Menschen an Gelenk-oder Muskelschmerzen leiden, ist der erste Gedanke oft: ruhen, schonen. Bei Rückenschmerzen nehmen Menschen oft eine sogenannte Schonhaltung ein, also meist eine gekrümmte Haltung. Das fühlt sich in diesem Moment sicher gut und richtig an. Ist es aber nicht.

Die sogenannte Schonhaltung ist nichts anderes als die Bitte des Körpers um Veränderung.

Wie führe ich die Veränderung denn herbei?

In dem ich mich aktiv bewege und dem Gehirn signalisiere auch in den Schmerzpunkt reingehen zu wollen. Unser Körper ist so programmiert, dass er - wenn Bewegung blockiert ist - sich einfach einen anderen Weg sucht, um Bewegung auszuführen. Das muss aber nicht immer der richtige Weg sein. Ich muss aktiv dem Gehirn sagen, welchen Weg ich einschlagen möchte, um aus der Schonhaltung heraus wieder in einen normalen Bewegungsmodus zu gelangen.

Das klingt jetzt einfacher, als es Menschen mit lokalen Blockaden, Beschwerden oder Schmerzen wahrnehmen würden.

Das stimmt. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Einen Menschen, der bewusstlos ist, können sie in fast in alle Richtungen bewegen. Sie erreichen im Stehen mit den Fingern nicht ihre Fußspitzen? Im bewusstlosen Zustand kommen sie sogar weiter. Warum - weil das Gehirn in diesem Moment keine Steuerung übernimmt, quasi ausgeschaltet ist und somit von vermeintlichen Spannungsmeldern oder Triggerpunkten keine Signale bekommt.

Klingt logisch - die Lösung ist also immer aktiv in den Schmerz gehen?

Eher anders ausgedrückt: Wir wollen nicht, dass man - obwohl eine Bewegung schmerzt - in diesen Bewegungsschmerz reingeht, sondern ‚die richtigen’ Bewegungen macht und Muskeln die oft weit weg vom Schmerzpunkt sind wieder in Funktion bekommmt, damit die Schmerzen reguliert werden können. Heißt: mittels Prävention rechtzeitig korrigieren.

Womit wir beim Thema ‚Bewegung‘ sind?

Auf jeden Fall. Hier spielen eben Muskulatur und das Fasziengewebe eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle. Nur eine gesunde Muskulatur ist eine gute Muskulatur. Wer Muskeln nicht bewegt, der darf sie nicht behalten.

Sie reden von Muskelschwund?

Genau. Muskeln sind dazu da, immer wieder trainiert zu werden. Schmerzen haben oft einen neuralen Hintergrund, der in erster Line von Muskeln aus ans Gehirn gesteuert wird. Darum heißt es im Umkehrschluss: Bewegung trotz Schmerzen, den Muskel trainieren, um den Gehirn neuronal wieder das richtige Signal zu geben: Eben nicht auf Stillstand zu schalten.

Sie sagen also Faszien und Muskeln sind untrennbar miteinander verbunden?

Auf jeden Fall. Ein gutes Krafttraining ist ein gutes Faszientraining. Faszientraining gab es schon in den 60er-Jahren, wurde nur erst in den letzten Jahren intensiv erforscht. Sie durchziehen unseren gesamten Körper wie ein feinmaschiges Netz, umhüllen Muskeln, Organe, Nerven und geben unserem Körper nicht nur Halt, sondern auch Spannkraft, Beweglichkeit und Struktur. Faszien beeinflussen unsere Haltung, Schmerzen, Leistungsfähigkeit, Regeneration.

Also ist regelmäßiges Training unabdingbar für ein gesundes, schmerzfreies Leben?

Auf jeden Fall. Die meisten Menschen heute arbeiten in einer sitzenden Tätigkeit. Was uns heute an harter Arbeit fehlt, müssen wir durch Muskeltraining kompensieren.

Kritische Menschen würden jetzt sagen - es fehlt an Zeit. Arbeit, Familie, der normale Alltag bietet keinen Raum für tägliches ein/zweistündiges Training. Wie begegnen Sie dem?

Ganz einfach: Zwei Mal die Woche 30 Minuten ein gezieltes Ganzkörper-Kraft- und Muskeltraining reichen vollkommen aus - alles, was darüber hinaus geht und Spaß macht, ist aktiver Sport. Wir dürfen nicht vergessen: Muskeln sind für Bewegung konzipiert. Bis zum 25. Lebensjahr bauen wir auf - danach beginnt der Abbau. Darum ist das Training ab diesem Alter umso wichtiger. Unsere Muskulatur ist unsere hauseigene Apotheke und diese in Bewegung zu halten, ist die Medizin der Zukunft.