Aktivkohle-Filtrationsanlage am Wasserwerk Darderhöfe Anrath Neue Filteranlage gegen PFAS

Stadt Willich (kg) · Wie dunkelgraue Riesen ragen die acht großen Zylinder am Wasserwerk in Anrath in die Höhe, an ihren Seiten fette Rohre, die aus dem Boden lianenartig auf der einen Seite hochragen und auf der anderen Seite wieder in die Tiefe fallen.

Haben Mitte der Woche die neue Aktivkohlefilteranlage der Stadtwerke vorgestellt: Lutz Meierherm, Leiter des Wasserwerks, und Daniel Walter, Technischer Leiter.

Foto: Kellys Grammatikou

Da stehen sie nun, die acht Giganten, gefüllt mit Aktivkohle, um den Kampf gegen die PFAS im Trinkwasser aufzunehmen.

Dieser scheint bisher recht erfolgreich, wie am Mittwochmorgen der Leiter des Wasserwerks Lutz Meierherm und der Technische Leiter Daniel Walter von den Stadtwerken beim offiziellen Pressetermin erläutert haben. In knapp sieben Monaten haben die Stadtwerke die neue Aktivkohlefilteranlage auf der 1 100 quadratmetergroßen Fläche gebaut. „Im Grunde haben wir für jede Anlange knapp fünfeinhalb Wochen Bauzeit gebraucht“, so der Technische Leiter Daniel Walter.

Der Kampf der Stadtwerke gegen die per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, im Grundwasser geht weiter. Dabei helfen die acht neuen siloähnlichen Metallbehälter, die seit dem 26. Januar am Wasserwerk Darderhöfe ihre Arbeit aufgenommen haben.

Dort, wo vorher eine Brachfläche war, wurde in den letzten sieben Monaten fleißig gebaut. „Neben den acht Aktivkohle-Filteranlagen hier, haben wir noch zwei in Reserve, die stehen aber beim Hersteller der Firma Jacobi in Premnitz bei Berlin“, erklärt Lutz Meierherm, Leiter der Wasserwerke Willich. Der Hintergrund: Die in den Metallbehältern befindliche Aktivkohle - eine speziell gepresste Steinkohle - kann die PFAS nicht ewig binden. „Irgendwann haften die PFAS nicht mehr, dann muss die Kohle regeneriert werden“, weiß der Technische Leiter der Stadtwerke Willich, Daniel Wolter, zu berichten. Meierherm ergänzt: „In Folge bringt uns ein Sattelschlepper aus Premnitz einen neuen Reservebehälter und nimmt den gebrauchten von hier mit. In Premnitz wird die Kohle dann gereinigt und der Behälter auf Reserve gestellt.“ Wie oft so etwas passieren muss, können Wolter und Meierherm nur schätzen. „Das Grundwasser ist ein fließendes Gewässer - wie schnell es sich bewegt und wie hoch die Konzentration an PFAS war und wo überall Löschschaum entsorgt wurde, können wir nicht feststellen“, erklärt Daniel Wolter. Darum würden die Stadtwerke auch regelmäßige Messungen vornehmen, stünden im permanenten Austausch mit dem Kreis Viersen, dem Gesundheitsamt und dem Umweltministerium NRW. „Bei den aktuellen Werten gehen wir aber davon aus, dass die Filter alles sechs Monate getauscht werden müssen“, so Wolter weiter.

Insgesamt 65 000 Menschen versorgen die Wasserwerke Willich in Willich und Meerbusch-Osterath. Die Stadtwerke beziehen ihr Grundwasser aus 19 Brunnen an vier Standorten: Fellerhöfe, Darderhöfe, Osterath und St. Tönis. Vier dieser Brunnen befinden sich in Anrath-Darderhöfe. „Wir fördern das Wasser aus sogenannten Flach- und Tiefbrunnen, also zwischen 20 und 40 Metern und 160 bis 180 Metern“, erklärt Meierherm. Im Durchschnitt bereiten die Stadtwerke täglich 11 000 Kubikmeter Trinkwasser auf, 9 000 Kubikmeter werden für die Wasserversorgung in Willich, 2 000 für Osterath genutzt.

Das Wasser aus den Brunnen in St. Tönis und Anrath läuft zunächst durch die Aktivkohle-Filteranlage, um es von den PFAS, sowie von Eisen und Mangan zu befreien. Insgesamt 16 Tonnen Aktivkohle sorgen für die Haftung der PFAS. Maximal 640 Kubikmeter Wasser in der Stunde können hier gereinigt werden. Von dort wird es ins Wasserwerk Fellerhöfe gepumpt, wo es enthärtet und zurück in den Speicher nach Anrath gepumpt wird. Von hier aus gelangt es als Trinkwasser ins 337 Kilometer lange Versorgungsnetz. Zehn mal täglich wird das Wasser im Labor untersucht.

Die Aktivkohle-Filteranlage hilft dabei, die Grenzwerte der novellierten Trinkwasserverordnung beizubehalten. Das funktioniert: Liegt laut Verordnung der Grenzwert für 20 der auch als Ewigkeitschemikalien bezeichneten Stoffe bei 100 Nanogramm, liegt er laut aktuellen Messungen der Stadtwerke durch die neue Anlage bei unter sieben Nanogramm. „Wenn wir davon ausgehen, dass der Wert beim Rohwasser bei 300 Nanogramm lag, sind wir also mit der neuen Anlage sehr weit unter den Werten der Trinkwasserverordnung“, betont Daniel Wolter.

Die neue Aktivkohle-Filteranlage war notwendig, weil im Jahr 2023 bei routinemäßigen Messungen im Anrather Brunnen erhöhte PFAS-Werte im Wasser festgestellt wurden. Die Stadtwerke reagierten sofort mit der zeitweisen Abstellung der Brunnen. Über Jahre hinweg ist PFAS-haltiger Löschschaum hier illegal entsorgt worden. Drei Männer standen deswegen jüngst vor Gericht, zwei von ihnen wurden im Januar zu jeweils einer Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren mit Bewährung verurteilt. Desweiteren gilt für die beiden ein Berufsverbot. Laut Aussage eines Beschuldigten soll für die Entsorgung des Löschschaums ein Fahrer eines Entsorgungsunternehmens zuständig gewesen. Auch von großen Mengen Löschschaum, die in der Umwelt entsorgt worden seien, wollen die Angeklagten nichts gewusst haben.

Derzeit bereiten die Stadtwerke eine Klage vor, in der es vor allem um Schadensersatzansprüche geht - denn der Bau der Filteranlage hat die Stadtwerke satte 1,4 Millionen Euro gekostet, hinzu kommen Instandhaltungskosten von jährlich 200 000 Euro. Kosten, die auf die Endverbraucher umgelegt werden.

Die Schadensersatzansprüche werden derzeit von den Rechtsbeiständen der Stadtwerke vorbereitet. Mit einer Klage ist im ersten Halbjahr zu rechnen. „Wir gehen dann aber von einer längeren Verfahrensdauer aus, bis es zu einer rechtskräftigen Entscheidung kommt“, so Daniel Wolter. Nicht zu vergessen, dass mögliche Insolvenzen einzelner Beteiligter die tatsächliche Durchsetzung zugesprochener Ansprüche erschweren können. Sollten die Stadtwerke jedoch Erfolg haben, könnten die Trinkwasserpreise wieder gesenkt werden.