Die mutmaßlichen Verursacher der PFAS-Einträge ins Grundwasser – ein 67-jähriger Firmenchef aus Willich und sein 49-jähriger Mitarbeiter – sind in dieser Woche vom Amtsgericht Krefeld wegen schwerwiegender Umweltstraftaten zu zweijährigen Bewährungsstrafen verurteilt und zudem mit einem Berufsverbot belegt worden. Was bleibt, ist die Frage nach den langfristigen Folgen, die die illegale Entsorgung giftigen Löschschaums, derer die beiden Männer angeklagt waren, für die Unbedenklichkeit des Trinkwassers in Willich und Osterath hat. So wird in dem Correctiv-Artikel konstatiert, dass die Stadtwerke und der Kreis Viersen die gesundheitsgefährdenden Chemikalien „nicht in den Griff“ bekämen. Die Proben, die die Stadtwerke seit 2024 wöchentlich nehmen und die auch der Correctiv-Redaktion vorlägen, hätten bereits wiederholt den Grenzwert überschritten, der Schwangere, Kleinkinder und andere vulnerable Gruppen schützen soll. Zudem wirft der Autor den Stadtwerken und dem Kreisgesundheitsamt vor, die rund 100 000 Menschen, die das belastete Trinkwasser beziehen, in nicht ausreichendem Maße informiert zu haben.
Anschuldigungen, gegen die sich die Stadtwerke Meerbusch Willich verwahren. Vom Extra-Tipp auf die angeblich unzureichende Informationspolitik angesprochen hat der Versorger unserer Redaktion eine Stellungnahme zukommen lassen, in der es heißt, dass man den Vorwurf nicht nachvollziehen könne. Nach Bekanntwerden der ersten PFAS-Funde habe man auf der Website des Unternehmens dem Thema eine eigene Seite gewidmet mit ausführlichen FAQ und weiterführenden Links mit Hintergrundinformationen zum Beispiel des Bundesumweltamtes, des Bundesministeriums für Umwelt (UBA), Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) und der Verbraucherschutzzentrale NRW. Auch das Kreisgesundheitsamt Viersen habe auf seiner Seite die Bevölkerung aufgeklärt und eine Hotline eingerichtet, an die sich Bürger bei Fragen wenden konnten, und auch das Service-Team der Stadtwerke habe auf Nachfragen über die Sachlage informiert. Ferner verweisen die Stadtwerke auf eine umfassende Medienarbeit ihrerseits zu dem Thema und halten fest: „Aus unserer Sicht wurde die Bevölkerung [...] ausreichend und bewusst transparent informiert.“
Doch wie steht es denn nun um die Trinkwasserqualität in Willich und Meerbusch-Osterath? Ist der Konsum des Wassers unbedenklich oder müssen sich die Bürger in Willich und Osterath Sorgen machen? Hier verweisen die Stadtwerke auf das Kreisgesundheitsamt Viersen, das die Qualität des Trinkwassers beurteile. Auf dessen Website heißt es: „Das Gesundheitsamt hat dabei keine Gesundheitsgefahr gesehen und damit keine Erfordernis, die Bevölkerung, aufzufordern, das Wasser zu meiden.“ Und weiter unten auf derselben Seite wird festgestellt: „Das von der Wasserwerk Willich GmbH gewonnene Trinkwasser entspricht den Anforderungen an Trinkwasser nach der Trinkwasserverordnung und kann bedenkenlos von der Bevölkerung weiterhin getrunken und genutzt werden. Dies trifft auf die Städte Willich, St. Tönis und Meerbusch-Osterath zu. Alle anderen Kommunen im Kreis Viersen und im Rhein-Kreis Neuss sind nicht betroffen.“
Mit Blick auf die im Correctiv-Artikel beanstandete Überschreitung des sogenannten Vorsorgemaßnahmenwerts, der für vulnerable Gruppen wie Schwangere und Babys gilt, räumen die Stadtwerke auf ihrer Webseite ein, dass die Werte in „einzelnen Fällen“ diese Grenze überschritten, sie aber von Januar 2024 an zumeist unterhalb der vorgegebenen Marke von 50 Nanogramm/Liter gelegen hätten. Der Versorger betont in diesem Zusammenhang: „Vereinzelt erhöhte Werte gefährden nicht die Gesundheit. Denn der Vorsorgemaßnahmenwert basiert nicht auf einer breiten toxikologischen Datenbasis, sondern auf dem Vorsorgegedanken.“ Das Gesundheitsamt des Kreises Viersen habe jede singuläre Überschreitung im Kontext der Messhistorie bewertet und sei dabei zu seiner Einschätzung gelangt, dass keine Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung vorliegt.
Um langfristig die Wasserqualität zu sichern, haben die Stadtwerke Willich außerdem, wie der Extra-Tipp bereits berichtete, eine moderne Aktivkohle-Filtrationsanlage in Willich-Anrath bauen lassen, die PFAS und andere unerwünschte Stoffe aus dem Wasser herausfiltert und die sich aktuell in der Inbetriebnahmephase befindet. In der Zeit bis zur Inbetriebnahme habe man ein engmaschiges Monitoring betrieben, um im Falle der Feststellung erhöhter Werte angemessen reagieren zu können. Solche Peaks gab es einmal im Januar 2024, woraufhin man die Brunnen umgestellt und in Anrath nur noch ein Minimum gefördert sowie an anderen unbelasteten Standorten die Förderung erhöht habe, und dann noch einmal Anfang Sommer 2025 – auch hier wurde die Förderung reduziert und die niederrheinische NEW hat die Versorgung der Haushalte in Anrath-Vorst übernommen.