Brigitte Behrendt, Leiterin der Stadtbibliothek Mönchengladbach, verabschiedet sich Die Expertin für Bibliotheken

20 Jahre hat Brigitte Behrendt die Stadtbibliothek Mönchengladbach geleitet. Ende Juni ist sie nun in den Ruhestand gegangen. Ihre Expertise war auch außerhalb Mönchengladbachs gefragt: An ihrer Einschätzung etwa zu den Themen Sonntagsöffnung und Bibliotheksgesetzgebung war der Landtag interessiert.

 Brigitte Behrendt, Leiterin der Stadtbibliothek, hat sich in den Ruhestand verabschiedet.

Brigitte Behrendt, Leiterin der Stadtbibliothek, hat sich in den Ruhestand verabschiedet.

Foto: Stadt MG

Mönchengladbach. Niederschwelliger Zugang und Teilhabe für alle, Demokratisierung von Informationen und Wissen sowie Vermittlung von Lesekompetenz waren ihr wichtig. Ein Highlight der Leseförderung war und ist der SommerLeseClub (SLC) unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters und in Kooperation mit Imageträgern der Stadt wie der Borussia, MGConnect Stiftung, NEW und die Santander Bank. Mönchengladbach brachte im SLC bis heute rund 25 500 Schülerinnen und Schüler zum Lesen, auch und gerade Jungs.

IT und Digitales spielten in Brigitte Behrendts gesamter Berufstätigkeit eine wichtige Rolle, sie hat früh die Bedeutung von Digitalität aber auch Medien- und digitaler Kompetenz, die heute als vierte Kulturtechnik gelten, erkannt. Vermittlungsangebote für alle Zielgruppen hat sie systematisch in die Arbeit der Stadtbibliothek integriert. Daher reicht das Spektrum heute von Fake News und KI über Gaming, Virtual Reality, Audio- und Filmproduktion bis Making. Dazu gehört aber auch der konsequente Ausbau des Angebotes digitaler Medien von eBooks über journalistische und Lexika-Angebote bis zu Musik- und Filmstreaming sowie ein Angebot zeitgemäßer digitaler Services: jüngster Zuwachs ePayment und 24/7-Online-Anmeldung. Die Stadtbibliothek ist digitale Vorreiterin, hat als erste Social Media genutzt. Im Rahmen von Smart City ist gerade die Maßnahme Citizen LAB – die digitale Bürgerwerkstatt in der Zentralbibliothek genehmigt worden.

Für den Erfolg der Bibliotheksarbeit sind aber nach ihrem Urteil nicht nur Medien und Vermittlungsarbeit wichtig, sondern auch der Raum und seine Zugänglichkeit. Mit der Weiterentwicklung der Stadtteilbibliothek Rheydt zur Interkulturellen Familienbibliothek im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt Rheydt“ wurde ihr Potenzial für Stadtentwicklung genutzt. Seit 2011 ist Rheydt mit großem Erfolg sonntags geöffnet.

Nicht nur die Zugänglichkeit, sondern auch die Aufenthaltsqualität und (technische) Ausstattung spielen heute für den Erfolg von Bibliotheken eine wichtige Rolle, denn sie sind längst mehr als Ausleihorte. In der Rheydter Bibliothek konnte mit Landesmitteln 2018 eine neue Kinderbibliothek realisiert werden. Ein Riesenschritt für mehr Aufenthaltsqualität und Funktionalität, denn bei Kindern ist der Raum noch entscheidender für das Lernen und die Weiterentwicklung als für Erwachsene. Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, dass Drittmittel unverzichtbar sind für die Weiterentwicklung der Bibliothek sind. Über die Jahre hat Brigitte Behrendt Fördermittel in Millionenhöhe akquiriert.

Netzwerkarbeit und Community-Building – ein weiterer Erfolgsfaktor – hat sie aktiv betrieben und dabei ein großes, diverses Netzwerk aufgebaut. Nicht vergessen werden darf der Förderverein Lust am Lesen e.V., der seit 2002 die Arbeit der Stadtbibliothek unterstützt.

Das Projekt „Zentralbibliothek der Zukunft“ war das Größte in ihrem Berufsleben. Leichteren Zugang ermöglichen die stärkere Öffnung zur Stadt und bessere Sichtbarkeit, aber vor allem die weitere zeitliche Öffnung – ein zentraler Aspekt der Konzeption: Sieben Tage, 24 Stunden, ist die Zentralbibliothek jetzt offen. Die große Qualität der Architektur wurde wieder herausgearbeitet und durch die Erweiterungen auf ein neues Level gehoben. Steg, Plaza, Treppen und der Lichthof sorgen für Wow-Momente. Es sind Räume entstanden, in denen sich die Menschen gerne aufhalten – drinnen wie draußen.

Ihre Nachfolge übernimmt Yilmaz Holtz-Ersahin. Er ist bereits seit Anfang März Leiter des Fachbereichs Bibliothek und Archiv.