Ein Elfjähriger, der seine eigene KI programmiert und trainiert. Eine stellvertretende Schulleiterin, die sich selbst in Sachen Medienkompetenz zunehmend abgehängt fühlt, aber ihren Sohn (und Kursteilnehmer) als „digitalen Multiplikator“ zu nutzen weiß. Die Ausbilderin eines Großunternehmens mit 50 Azubis, die nicht zuletzt die außerschulische Vermittlung von „Soft Skills“ lobt: Unterschiedlicher konnten die Gesprächspartner von Staatssekretär Matthias Heidmeier kaum sein, als er nun mitsamt einer Delegation der Zukunftsagentur Rheinisches Revier das Projekt skillzUP an der Rheydter Mühlenstraße besuchte. Einhellig hingegen war der Eindruck: „Was Sie hier in Mönchengladbach bereits seit 2023 leisten, kann und sollte ein Vorbild für ganz NRW sein“, so Heidmeier.
Seit Mitte 2023 läuft das Förderprojekt Gründungsfabrik – seinerzeit das erste größere, das für den Raum Mönchengladbach vor dem Hintergrund des Rheinischen Braunkohle-Strukturwandels bewilligt wurde. Mit seinen zwei Strängen adressiert es einerseits das Gründungs-Ökosystem in der Region und zum anderen den Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen von jungen Menschen. Speziell dieser Bildungsaspekt, abgedeckt über das Programm von skillzUP, stand im Mittelpunkt des Besuchs.
skillzUP ist ein kostenfreies, bei der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG) angesiedeltes Qualifizierungsprogramm, das Jugendliche und junge Erwachsene praxisnah dabei unterstützt, ihre digitalen Fähigkeiten zu stärken und sich zielgerichtet für den Arbeitsmarkt von morgen aufzustellen.
Wie Projektleiterin Anastasia Rylnikov ausführte, reicht das Themenspektrum dabei von Künstlicher Intelligenz, Programmierung und Content Creation über App-Design bis hin zu Kreativität, Gruppenarbeiten und Präsentationen. Was das ganz konkret bedeutet, erfuhren die Besucher im Rahmen kurzer Demonstrationen und Gespräche. So stellte Trainerin Samira Jakobs vor, wie sie über TikTok-Kurzvideos Jugendlichen vermittelt, komplexe Themen in 30 Sekunden auf den Punkt zu bringen. Trainer Moritz Demandt verdeutlichte, wie Künstliche Intelligenz bei der Berufsorientierung passgenau zum Einsatz gebracht werden kann. Und Schülerin Namat Alsarakbi vom Berufskolleg Rheydt-Mülfort für Technik berichtete von einer skillzUP-Veranstaltung im Rahmen der Digitalwoche 2025, bei der die Schülerinnen und Schüler erfuhren, wie Cyberangriffe auf politische Wahlen und sensible Daten funktionieren – und wie man sich dagegen wappnen kann.
„Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich mit der neuen Initiative KI-Skilling.NRW gerade auf den Weg gemacht, Lehrkräfte, die Finanzverwaltung und Auszubildende fit in Sachen Künstlicher Intelligenz zu machen“, berichtete Heidmeier. „Ich habe hier und heute den Eindruck gewonnen, dass das skillzUP-Projekt in Mönchengladbach einen starken Beitrag zur Bewältigung des Strukturwandels bietet.“ Im abschließenden Gespräch mit Oberbürgermeister Felix Heinrichs, der WFMG-Geschäftsführung um Dr. Ulrich Schückhaus (Vorsitzender), Stefan Anspach und Friedhelm Lange, Daniela Perner (IHK Mittlerer Niederrhein) sowie Bodo Middeldorf und Elke Hohmann (Zukunftsagentur) ging es auch um die Frage, wie es um eine mögliche Folgeförderung von Gründungsfabrik und skillzUP über die Strukturwandelkulisse bestellt ist.
Das Projekt mit einer Gesamtfördersumme von knapp drei Millionen Euro wird derzeit zu 90 Prozent über Bundes- und zu zehn Prozent über Landesmittel getragen und läuft in der jetzigen, ersten Förderphase noch bis 30. Juni 2027. Perspektivisch wird eine Verstetigung der Angebote auf dem Gelände des Wissens- und Innovationscampus im alten Polizeipräsidium angestrebt. Heidmeier machte Mut: „Ich bin zuversichtlich, dass Sie hier in Mönchengladbach eine sehr gute Basis gelegt haben für die Dinge, die folgen können.“ Er riet zudem dazu, speziell ein Projekt wie skillzUP im Zusammenhang mit bestehenden Landesinitiativen wie „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) zu denken, um eine dauerhafte Integration in der regionalen Bildungslandschaft zu ermöglichen.