Die einen finden sie bunt und lebendig, die anderen haben nach Einbruch der Dunkelheit Angst. Manche mögen die Multikulti-Atmosphäre, anderen sind die Bürgersteige zu vollgestellt und das Angebot zu einseitig auf der unteren Hindenburgstraße. Der Verein Clean up hat – nach Gesprächen mit Anwohnern, Händlern und Passanten – festgestellt, dass noch Luft nach oben ist auf dem Stück Fußgängerzone zwischen der Bismarckstraße und dem Europaplatz. „Da ist Frust und wenig Glauben, dass sich etwas ändern kann“, sagt Jakob Langen, gemeinsam mit Jens Hostenbach Geschäftsführer des Gladbacher Vereins.
Der hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Stadt lebens- und liebenswerter zu machen und will im neu gegründeten Themenbereich „Aktivator im Quartier“ mit Wissen, Netzwerk und Geld helfen, Stadtteile zu verschönern. Am Donnerstagabend hatte der Verein zum Nachbarschaftstreffen ins Vituscenter geladen, um Ideen zu sammeln, was besser werden könnte und wie. Mit 20 bis 30 Teilnehmenden war das Interesse nicht überwältigend, die Ideenvielfalt dagegen mehr als üppig.
Der Verein Clean up hat die 200 Meter untere Hindenburgstraße als quasi vergessenes Gebiet ausgemacht, „zu kurz gekommen“ zwischen der oberen Hindenburgstraße, die immer mal wieder im Fokus neuer Planungen steht und dem mit viel Geld erneuerten Bahnhofsvorplatz. Das sehe man schon an den Laternen, so Jakob Langen, die seien immer noch von ganz früher, obwohl es hier keinen Leerstand gäbe, die untere Hindenburgstraße „ein Nabel von Mönchengladbach“ und der Eingang zur Innenstadt sei.
Zwei Stunden lang wurden Ideen notiert. Zu den Themen Begrünung/ Entsiegelung, Sicherheit/Beleuchtung, Gestaltung, Veranstaltungen und Aufenthalt/Sitzmöglichkeiten wurde in Gruppen diskutiert und eine große Vielfalt an Vorschlägen dokumentiert. „Ich habe mein ganzes Leben hier verbracht“, sagt Anwohner Amadeus Schindler. Er träumt von einer Pergola mit blühenden Glyzinien und bei allen Begrünungsideen genug Platz für seinen Rollstuhl, für Kinderwagen und Rollatoren. Nachbarin Busra Isik kann sich noch erinnern, dass das Vituscenter früher voller Leben, toller Geschäfte und spannenden Ausstellungen mit Schlangen und Insekten war. „Ich würde mir mehr Veranstaltungen wünschen“, sagt sie. Trödelmarkt, Straßenfest, Weihnachtsmarkt, Musik, interkulturelle Angebote, Zuckerfest – es gibt eine Menge Veranstaltungen, die sich Anwohner und Geschäftsleute wünschen.
Was die Sicherheit angeht, gehen die Vorschläge von mehr Polizeikontrolle über bessere Beleuchtung bis zu Videokameras. Seit die islamische Gemeinde am Sittardplatz Angebote für Jugendliche mache und für viel Frequenz sorge, gebe es dort keine Drogen-Kriminalität mehr, sagt Mahmut Cicek, früherer Gemeindevorsitzender. Anwohner Simon Brüggen schränkt ein, es sei sehr viel besser, aber nicht ganz vom Tisch. Immernoch gebe es auch Beschaffungskriminalität. Die Wünsche der anderen gehen vom Wegfall der Busse, Wasserspielen, Sitzbänken für größere Gruppen, einheitlicher Fassadenbegrünung und mehr Bäumen bis zum Bücherschrank, Wickelboard und Blumenampeln.
Am weitesten gehen beim Thema Dekoration die Meinungen auseinander. Polad Heider, Inhaber eines Handygeschäftes etwa, würde sich die in Mönchengladbach verbotenen Passantenstopper als Dekoelemente und Verkaufsunterstützung zurück wünschen. Er moniert aber auch, dass in der Weihnachtszeit die vom Quartiersmanagement zur Verfügung gestellte Weihnachtsbeleuchtung auf ihrem Teil der Hindenburgstraße kaum funktioniert habe.
Die Tafeln mit den Ideen sollen noch eine ganze Zeit lang im Vituscenter, gegenüber dem Fotogeschäft, ausgestellt bleiben.
„Das ist noch nicht das Ende“, sagt Jakob Langen, dessen Hauptaufgabe jetzt erst beginnt: Gemeinsam mit Jens Hostenbach und dem Team von Jure Leko von der beteiligten Hochschule Niederrhein, müssen die Wünsche nun bearbeitet und an die entsprechenden städtischen Stellen weiter geleitet werden. „Wir verstehen uns als Vermittler“, so Jakob Langen.
Mehr Informationen über www.clean-up-mg.de