Ursprünglich sollte ein grüner Leguan in den ehemaligen Aufenthaltsraum der Mitarbeiter einziehen, verrät Tiergartenleiterin Dr. Katrin Ernst. „Licht, Heizung, Glasscheiben, Fliesenboden – das passte perfekt für eine Art, die Wärme braucht“, erklärt sie. Als das Wasserbecken schon eingebaut war, die Tiertauschliste aber immer noch keinen Leguan hergab, sei die Wahl dann aber doch auf den Gürteltiernachwuchs gefallen, der mit seiner Geschlechtsreife und dadurch drohenden Revierstreitigkeiten aus dem Aquarium Wilhelmshaven ausziehen musste. Vor einem halben Jahr war das.
„Wir haben ihn dann zügig abgeholt“, erinnert sich die Tiergartenleiterin. Und: „Als wir eine Honigmelone in der Hand hielten, war klar: Er heißt Bolle.“ Bis sein „Luxusapartment auf vier Ebenen inklusive Wellnessbereich“ für rund 18 000 Euro (von einem unbekannten Spender) und viel Eigenleistung (vom engagierten Tiergartenteam) endgültig eingerichtet und die Wände von Graffitikünstler Philipp Kömen im Naturstil gestaltet waren, habe „Bolle“ in einer „artgerechten Interimsanlage“ gewohnt. Wie gut er sich in dieser Zeit bereits an die Tierpfleger gewöhnt hat, weiß Katrin Ernst auch zu berichten. „Er kommt, wenn die Pfleger ihn rufen, und er weiß auch schon, wann es Futter gibt, dann ist er meistens schon wach.“
Das richtige Futter ist eines – „sein Leibgericht ist Drohnenbrut“, verrät Cheftierpflegerin Carolina Lettieri, er frisst aber auch andere Insekten, Katzenfutter, Obst, Gemüse, Mais.“ Aber „Bolle“ braucht auch Beschäftigung. Wenn er nicht gerade schläft – und das tut das Südliche Kugelgürteltier als Verwandter des Faultiers an die 20 Stunden am Tag, wie Zoopädagogin Svenja Wahlen erklärt –, sucht er nach Futter. „Mit Leckerlis gefüllte Futterbälle, Basilikumbüsche zum Rauszupfen – alles, was Abwechslung bringt, ist für ihn interessant“, verrät Katrin Ernst zwinkernd. „Er stellt sich neuen Aufgaben und dann sagt er ‚Tschakka‘, wenn er sie geschafft hat.“
In „Bolles Villa“ gibt es also für große und kleine Tiergartenbesucher viel Spannendes und Vergnügliches zu bestaunen. Und damit es künftig auch zu seinen Schlafenszeiten etwas zu sehen gibt, ist geplant, passende Vögel dazuzusetzen. Die müssen natürlich auch erst gefunden werden. Die Tiertauschliste liegt sicher schon bereit.