Ob im Freibad, auf der Kirmes oder in der Fußgängerzone: Die halbgefrorenen Getränke sind fast überall erhältlich. Was kaum einer weiß: Viele Slush-Ice-Produkte enthalten den Zusatzstoff Glycerin (E 422). Der sorgt dafür, dass das Getränk seine typische halbgefrorene Konsistenz behält. Nach aktuellen wissenschaftlichen Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und Hinweisen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) können insbesondere kleinere Kinder bereits durch geringe Mengen an Slush-Ice so viel Glycerin aufnehmen, dass gesundheitliche Beschwerden auftreten können. Für aromatisierte Getränke gibt es derzeit keine gesetzlich festgelegte Höchstmenge. Hersteller dürfen also Glycerin in der Menge einsetzen, die sie für technologisch erforderlich erachten.
Nicht in jedem, aber nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung enthielten rund zwei Drittel der untersuchten Proben den Zusatzstoff. Bei abgepackten Produkten muss Glycerin als Zusatzstoff E 422 in der Zutatenliste angegeben werden. Anders sieht es bei lose verkauftem Slush-Ice aus. Dort fehlen häufig Angaben zu den Inhaltsstoffen. Eltern können deshalb oft nicht erkennen, ob das Getränk Glycerin enthält und in welcher Menge.
„Die fehlende Transparenz macht eine bewusste Entscheidung schwierig“, erläutert Apotheker Dirk Lammert, Pressesprecher der Apotheken in Mönchengladbach, und rät: „Wer keine Informationen über die Inhaltsstoffe erhält, sollte nachfragen und im Zweifel auf das Produkt verzichten, insbesondere bei kleineren Kindern!“
Glycerin ist ein zugelassener Lebensmittelzusatzstoff und für die Allgemeinbevölkerung grundsätzlich unbedenklich. Werden jedoch innerhalb kurzer Zeit größere Mengen aufgenommen, kann der Stoff den Wasserhaushalt des Körpers beeinflussen und gerade bei Kindern gesundheitliche Beschwerden verursachen. Mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Benommenheit und Durchfall. In Einzelfällen wurden auch Sehstörungen oder Hörbeeinträchtigungen beschrieben.
„Ob Beschwerden auftreten, hängt vom Körpergewicht, der konsumierten Menge und dem Glyceringehalt ab“, erklärt Lammert. „Diese Faktoren können Verbraucher beim Kauf jedoch kaum einschätzen.“ Die Apotheken empfehlen Eltern deshalb, insbesondere jüngeren Kindern kein glycerinhaltiges Slush-Ice anzubieten oder den Konsum deutlich zu begrenzen. Treten nach dem Verzehr Beschwerden wie oben beschrieben auf, sollte vorsorglich ärztlicher Rat eingeholt werden.