Kriminalstatistik 2025 Kreis Wesel „Jedes Delikt ist eines zu viel“

Kreis Wesel · Die Kreispolizeibehörde Wesel stellte diese Woche die polizeiliche Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2025 vor: Die Zahl der registrierten Straftaten ist kreisweit im Vergleich zum Vorjahr um 7,59 % gesunken. 25.801 Fälle wurden erfasst. Gleichzeitig erreichte die Aufklärungsquote mit 53,02 % den besten Stand seit 2018.

Stellten die Statistiken vor (v.l.): Nadine Seifert, Ulrich Kühn, Ingo Brohl, Wolfgang Tühl, Jörg Weßels, Ralf Klauck.

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Rückgang bei Gewaltdelikten, bei Straßenkriminalität, Diebstahl, Wohnungseinbrüchen, Rauschgiftdelikten - „trotzdem: Jedes Delikt ist eines zu viel“, stellt Behördenleiter Landrat Ingo Brohl klar. Und die Polizei bleibt dran - Beispiel „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“ wie Enkeltrick und Co.: Die Betrugsversuche sind seit 2021 rückläufig, doch die intensiven Präventionsmaßnahmen werden weiterhin hochgehalten, denn: „Das sind Fälle, die gehen in die Existenz rein“, sagt Brohl, da müssten nicht nur die älteren Menschen (gezählt wird ab 65+), sondern auch die Familienmitglieder weiterhin sensibilisiert werden. Die Maschen der Betrüger werden immer ausgefeilter und professioneller, nicht selten stecken große kriminelle Organisationen aus dem Ausland dahinter.

Auch den Tatort Schule hat die Polizei verstärkt im Blick (2025:198 Fälle). Hier sind die Zahlen zwar auf dem niedrigsten Stand seit 2022, doch bei den erfassten Fällen sei zu erkennen, dass die Hemmschwelle gesunken ist. Die Schule müsse ein sicherer Ort sein und bleiben, so Brohl und zitiert eine Förderschullehrerin: „‘Bei uns wird jedes Schimpfwort auf dem Flur konsequent verfolgt‘ - so müssen wir das als Gesellschaft handhaben.“

Von der Gesellschaft wünscht er sich auch mehr Unterstützung, wenn es um Taten gegen Einsatzkräfte geht: Hier ist im Kreis Wesel ein Anstieg um 20% registriert worden, bedeutet von 113 Fällen in 2024 ging’s rauf zu 136 Fällen in 2025. „Das dürfen wir nicht dulden“, fordert Brohl mehr Lautstärke von der breiten Masse gegen „diese Verrohung“.

Besorgniserregend bleiben Einsätze, in denen ein Messer gezückt wird. Mit 166 Fällen befindet man sich zwar auf Vorjahresniveau, aber jeder Fall sei extrem gefährlich. „Für uns als Polizei ist eine Situation, in der jemand mit einer Schusswaffe bewaffnet ist, einfacher zu händeln, als ein Messerangriff“, berichtet Polizeidirektor Wolfgang Tühl.

Einen erheblichen Anstieg verzeichnet die Kreispolizeibehörde Wesel bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 878 Fälle waren es 2025 (zum Vergleich, 2024: 653). „Wir minimieren die Dunkelziffer“, erklärt Brohl den erheblichen Anstieg und verweist auf die Auswertung von Terabytes an kinder- und jugendpornografischem Material. Außerdem würde mittlerweile häufiger Anzeige gestellt werden. Da die meisten Taten in diesem Bereich Beziehungstaten sind, ist die Aufklärungsquote mit 93,4% besonders hoch.

Die Tatverdächtigen sind insgesamt gesehen überwiegend Erwachsene. 7212 haben die deutsche Nationalität, 2905 wurden als „nicht deutsch“ in die Statistik aufgenommen.

Die Kriminalitätsstatistik 2025 für Moers, Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort und Rheinberg:In wurden 6.915 Straftaten registriert. Die Aufklärungsquote lag bei 49,56 %. Zu verzeichnen ist ein Rückgang bei der Gewaltkriminalität (von 310 Fällen in 2024 auf 221 in 2025), bei Raub (von 61 auf 52), gefährlicher und schwerer Körperverletzung (von 239 auf 151), Wohnungseinbrüchen (146, niedrigster Stand seit 2021) und Rauschgiftdelikten (von 150 auf 112). Im Bereich der Sexualdelikte wurden 146 Fälle registriert, was in etwa dem Vorjahr entspricht (149). Einen Anstieg gibt’s im Bereich Diebstahl mit 3.177 Fällen (2024: 2.969)

In wurden 1.536 Straftaten registriert, die Aufklärungsquote lag bei 49,67%. Abgenommen haben Gewaltkriminalität (von 72 Fällen in 2024 auf 42 Fälle in 2025), Raub (von 9 auf 4, niedrigster Stand seit 2021), gefährliche und schwere Körperverletzung (von 57 auf 31) und Rauschgiftdelikte (32 auf 11). Im Bereich Wohnungseinbrüche bleibt’s mit 49 Einbrüchen auf Vorjahresniveau (2024: 46). Einen Anstieg gibt‘s mit 62 Sexualdelikten, der höchste Stand in den vergangenen fünf Jahren (2024: 42). Auch im Bereich Diebstahl sind die 658 Fälle Höchstwert seit 2021.

In wurden 2.288 Straftaten registriert, die Aufklärungsquote lag bei 56,69 %. Rauf geht’s mit 90 Fällen bei der Gewaltkriminalität, der höchste Wert der letzten fünf Jahre, wobei 2024 bereits 88 Fälle registriert wurden. Einen Anstieg gibt’s auch bei der „gefährlichen und schweren Körperverletzung“, 76 Fälle sind der Höchstwert der letzten fünf Jahre, 2024 waren es 64 Fälle. Auch bei den Sexualdelikten ist ein Anstieg zu verzeichnen: 79 Fälle (2024: 50). Abgenommen haben Raub (Tiefststand seit 5 Jahren mit 7 Fällen, 2024 noch 13 Fälle), Diebstahl (822, niedrigster Wert seit vier Jahren, 2024: 939, 2023: 1000), Wohnungseinbruch (38, niedrigster Wert der letzten fünf Jahre, 2024: 51, 2023: 75) und Rauschgiftdelikte (runter von 79 auf 42).

In wurden 1.265 Straftaten registriert, die Aufklärungsquote lag bei 49,33%. Gewaltkriminalität ist mit 34 Fällen auf Vorjahresniveau, was auf die letzten fünf Jahre gesehen einen deutlichen Rückgang bedeutet (2023: 62 Fälle). Auch bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung bedeuten 24 Fälle den Tiefstwert im Vergleichszeitraum seit 2021. Rauschgiftdelikte wurden 10 aufgenommen, 2024 waren es noch 30. Es gab außerdem keinen registrierten Fall von Raub, das gab’s in den letzten fünf Jahren noch nie. Einen Anstieg gibt’s hingegen im Bereich Sexualdelikte: Mit 51 wurde die Zahl beinahe verdoppelt (2024: 26). Mit 498 zu 471 sind auch die Diebstähle mehr geworden, liegen aber immer noch deutlich unter dem Höchstwert von 2023 (615 Fälle). Gleiches gilt für Wohnungseinbrüche (2023: 79, 2024: 56, 2025: 65).