Sonnendurchflutete Büros mit Schreibtischen, die von der mags „geerbt“ wurden, frisch gestrichene Wände, rote Sitzpolster, eine Küchenzeile, ein Besprechungsraum mit langem Tisch für viele Leute – so sieht ein Teil des Erdgeschosses vom Haus Mühlenstraße 61 - 63 seit Montag aus. Im Eckhaus Rheydt geht es vorwärts. Viktoria Hoehl, Geschäftsführerin der Urbanen Nachbarschaft Rheydt gGmbH, ist am vergangenen Montag mit ihrem Team eingezogen. Doch es ist noch viel zu machen. „Anfangs war kreatives Nachdenken“, so Oberbürgermeister Felix Heinrichs bei der Schlüsselübergabe. Die Stadt habe die Immobilie gekauft, um einen Impuls zu setzen.
Politik und Verwaltung haben an einem Strang gezogen, um den leer stehenden nebeneinander liegenden Immobilien Mühlenstraße 61 - 63 und Brucknerallee 7 neues Leben einzuhauchen und zu verhindern, dass sie weiter verwahrlosen. In der Brucknerallee 7, die man durch eine Tür von der Mühlenstraße aus erreichen kann, sind noch Wasser und Strom abgestellt. Nur noch Reste alter grauer Vorhänge und ein einsamer Kronleuchter erinnern daran, dass hier mal wer gewohnt hat. Bis Mitte 2029 soll freier und geförderter Wohnraum in unterschiedlicher Größe für Studierende und Familien entstehen und es werden Büros gebaut.
Schon vorher soll im Herzstück des Projektes, dem zukünftigen „Quartierswohnzimmer“ in der Mühlenstraße, ein offener und kostenfreier Treffpunkt mit Veranstaltungen und Angeboten für die Menschen im Quartier entstehen. Von dort soll ein Zugang zum jetzigen Garagenhof aufgemacht werden, so dass die Möglichkeit besteht, sich auch draußen aufzuhalten. „Wir haben sogar ein kleines Stückchen Garten“, sagt Viktoria Hoehl. In den Räumen der ehemaligen Apotheke, Brucknerallee 7, kann sich die Geschäftsführerin einen Fachbereich der Hochschule Niederrhein vorstellen. Es gäbe bereits entsprechende Gespräche, sagt sie. „Das wäre eine schöne Vernetzung von Bevölkerung und Studierenden“. „Mit dem Eckhaus Rheydt gewinnt Rheydt einen Ort, der Gemeinwohl, Stadtentwicklung und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbindet“, so Felix Heinrichs.
Die Urbane Nachbarschaft Rheydt übernimmt die Immobilie im Erbbaurecht von der Stadt. Um das Projekt zu unterstützen, verzichtet die Stadt auf den Erbbauzins. Dennoch muss mit geplanten Baukosten von rund 7,4 Millionen Euro viel Geld in die Hand genommen werden, das durch Eigenmittel, Fremdkapital und Förderung getragen werden soll. Das Eckhaus wurde von der Montag Stiftung Urbane Räume in Kooperation mit der Stadt initiiert.