LVR-Klinik: Neues Versorgungsmodell „MentivO“ ermöglicht bedarfsgerechtere Behandlung psychisch erkrankter Menschen Die Patienten da abholen, wo sie sind

Mönchengladbach · Nach rund drei Jahren Vorbereitung hat die LVR-Klinik zum Jahresbeginn 2026 auf ein neues Versorgungsmodell umgestellt. „MentivO“ soll eine flexiblere und bedarfsgerechtere Behandlung psychisch erkrankter Menschen in der Region möglich machen. Wie, das erklären Pflegedirektor Jochen Möller und sein Stellvertreter und Projektverantwortlicher Eric Vogt.

Seit Januar 2026 arbeitet die LVR-Klinik nach dem neuen Versorgungsmodell „MentivO“. Pflegedirektor Jochen Möller (r.) und sein Stellvertreter und Projektverantwortlicher Eric Vogt sehen darin eine große Chance, mehr Betroffene zu erreichen.

Foto: Petra Käding

Es kann die unter Depressionen leidende Patientin sein, die nicht ganztags in die Klinik, sondern weiter im Homeoffice arbeiten möchte. Die demente Seniorin, die in ihrem häuslichen Umfeld bleiben, aber psychische Hilfe (und die Familie sogenannte Psychoedukation) erhalten soll. Oder der traumatisierte Mensch mit Migrationshintergrund, den schon wegen der Sprachbarriere nicht die Hilfe erreicht, die er bräuchte...

Mit ihrem neuen Versorgungsmodell „MentivO“ will die LVR-Klinik auch diesen Menschen in unserer Region den Zugang zu psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung erleichtern – durch eine individuell angepasste psychiatrische Behandlung. Angepasst, das heißt flexibel, ambulant oder stationär (Klinik), im häuslichen Umfeld oder in einer Tagesklinik, und, angesichts der „Rückfallgefahr“, auch mit Nachsorge und Weiterbehandlung.

Schon ein anfänglicher Hausbesuch kann helfen, das Eis zu brechen, wie der stellvertretende Pflegedirektor und Projektverantwortliche Eric Vogt schildert. „Für manche ist es einfacher, wenn sie spüren: ‚Da kommt jemand zu mir nach Hause und holt mich da ab, wo ich bin’“. So sei etwa ein Mann mit einer starken Angststörung, der seine Wohnung seit Jahren nicht mehr verlassen hatte, inzwischen wieder soweit, dass er raus gehe zum Einkaufen. Nur ein Erfolg, der dem neuen Ansatz Recht gibt.

Das Modellprojekt ist erst am Anfang, aber klar ist: der Bedarf ist groß, wie Pflegedirektor Jochen Möller betont. „Mit unseren drei Fachabteilungen – Allgemeinpsychiatrie, Abhängigkeitserkrankungen und Gerontopsychiatrie – sind wir, engverzahnt mit den niedergelassenen Psychiatern und Psychotherapeuten, alleiniger Versorger für Mönchengladbach, mit rund 3 500 Patienten beziehungsweise 8 000 Fällen pro Jahr.“

Und seiner Einschätzung nach ist damit längst nicht der Bedarf gedeckt. Allein auf Grundlage der Bevölkerungsstruktur – Armut, Bildungsniveau, Migrationshintergrund – und Folgen wie schlechtem Gesundheitsverhalten, Drogenkonsum, soziale Isolation und Sprachbarrieren, gelte es, viel mehr Menschen mit psychischen Problemen zu erreichen.

Nebenbei erhofft sich die LVR-Klinik, durch „MentivO“ auch als Arbeitgeber noch attraktiver zu werden, denn der Arbeitsalltag in der Pflege ist durch die Flexibilität und die Ausdehnung auf Hausbesuche, Nachsorge und Weiterbehandlung nicht nur abwechslungsreicher, sondern auch inhaltlich sinnvoll, so Möller. „Nur etwa 20 Prozent wollen weiter ausschließlich in der Klinik arbeiten.“

Das Modellprojekt läuft zunächst über acht Jahre, wird wissenschaftlich auf Wirksamkeit überprüft und bei Erfolg verlängert.

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