Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein Der Aufschwung lässt auf sich warten

Mönchengladbach · Die Wirtschaft in der Region Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf befindet sich weiterhin in einem Stimmungstief. Statt eines erhofften Aufschwungs setzt sich die Stagnation fort. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein hervor, an dessen Umfrage sich 700 Unternehmen beteiligt haben.

Stellten den IHK-Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2026 vor: Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf (l.) und Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein.

Foto: IHK

„Der Belastungsmix aus geopolitischen Krisen, handelspolitischen Konflikten und der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sorgt weiterhin für schwache Auftragseingänge, niedrige Investitionen und den Abbau von Beschäftigung“, erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Er stellte den Konjunkturbericht gemeinsam mit Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, vor. Die beiden IHKs fordern angesichts der weiterhin schwachen Lage ein noch stärkeres Engagement der politischen Entscheidungsträger auf kommunaler, Landes-, Bundes- und EU-Ebene, um die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts zu stärken.

Der Konjunkturklimaindikator, das Stimmungsbarometer der regionalen Wirtschaft, steigt zwar leicht von zuletzt 89,8 auf 93,2 Punkte, bleibt damit aber weiterhin unter dem neutralen Niveau von 100 Punkten. Eine Trendwende ist das noch nicht, vielmehr deutet es darauf hin, dass die aktuelle Strukturkrise ihren Tiefpunkt erreicht hat. Der weiterhin geringe Wert des Konjunkturklimaindikators hat insbesondere mit der Geschäftslage zu tun. Der Geschäftslageindikator liegt mit minus 9,8 Punkten weiterhin auf niedrigem Niveau und ist nur leicht besser als im vergangenen Herbst (minus 12,0 Punkte). „Viele Unternehmen zehren nach wie vor von ihrer Substanz. Impulse für neues Wachstum sind dabei noch kaum erkennbar“, so Steinmetz.

Ein Lichtblick sind die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate: Sie liegen nun bei minus 3,6 Punkten (Herbst: minus 8,3 Punkte). „Diese Verbesserung und das nur noch leichte Minus sind Ausdruck von Hoffnung, dass das Tief durchschritten sein könnte“, erklärt Steinmetz.

Die Ursachen für die anhaltende Flaute sind vielschichtig und strukturell begründet: Zölle im US-Geschäft und die Ankündigung weiterer Verschärfungen, die EU-Hängepartie beim Mercosur-Abkommen sowie geopolitische Konflikte und etwa die verschärfte Lage im Nahen Osten. Gleichzeitig stehen auch nach dem Regierungswechsel noch wirtschaftspolitische Lösungen aus, die für mehr Wachstum und Investitionen sorgen. „Eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist mittelfristig noch nicht gewährleistet, der Bürokratieabbau wird nicht konsequent angegangen, und die Lohnnebenkosten steigen weiter“, führt Steinmetz aus.

Auch am Arbeitsmarkt zeigt sich die Zurückhaltung der Unternehmen: Über alle Branchen hinweg bleiben die Beschäftigungspläne der Betriebe negativ. Steinmetz geht davon aus, dass einige durch Renteneintritte freiwerdende Stellen zunächst unbesetzt bleiben und die Betriebe auf diese Weise ihre Mitarbeiterzahlen reduzieren. „Der Fachkräftemangel wird nur noch von 31 Prozent der Betriebe als wesentliches Geschäftsrisiko gesehen – der niedrigste Wert der vergangenen neun Jahre, nur während des Corona-Lockdowns war er geringer“, sagt Steinmetz.

Auch in Mönchengladbach überwiegen die Betriebe, die ihre Mitarbeiterzahl reduzieren möchten. Die Investitionsabsichten sind verhalten. Allerdings ist das Geschäftsklima mit 108,3 Punkten über dem regionalen Durchschnitt. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen werden von den Betrieben etwas positiver eingeschätzt.

Branchenbezogen ergibt sich ein differenziertes Bild: In der Bauwirtschaft und bei Dienstleistern überwiegen bei der aktuellen Lagebewertung die positiven Stimmen. „Das Baugewerbe meldet zudem eine höhere Kapazitätsauslastung als vor einem Jahr, was auf eine langsame Erholung hindeuten könnte“, so Berghausen. Dennoch sind die Erwartungen in der Branche mehrheitlich pessimistisch. „Angesichts des von der Bundesregierung eingerichteten Sondervermögens hätte man größeren Optimismus erwarten können. Das zeigt, dass Schuldenmachen allein nicht ausreicht, um aus der Krise herauszukommen“, ergänzt Berghausen.

„Die Unternehmen haben sich mit der Krise arrangiert. Für Wachstum braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und spürbare Impulse – sowohl aus Berlin als auch von den Weltmärkten“, bilanziert Steinmetz. „Wir brauchen jetzt echte Strukturreformen“, fordert er. Dabei seien alle gefragt. Die EU müsse das Thema „Freihandel“ oben auf die Agenda setzen. „Die Entscheidung des EU-Parlaments, das Mercosur-Abkommen an den Europäischen Gerichtshof abzugeben, war ein fatales Signal“, kritisiert Steinmetz. Die Bundespolitik sei insbesondere beim umfassenden Bürokratieabbau gefordert. „Zudem fehlen weiterhin Maßnahmen zur spürbaren Verringerung der Energie- und Arbeitskosten“, so Steinmetz.

„Von der Landespolitik erwarten wir, dass sie die Kommunen zu Investitionen befähigt.“ Schließlich führen viele Städte und Gemeinden ihre Infrastruktur auf Verschleiß. „Die Kommunen selbst sollten allerdings nicht an der Steuerschraube drehen, sonst werden die ohnehin geringen Entlastungen aus Berlin wieder konterkariert“, warnt Steinmetz.

Der vollständige Konjunkturbericht Jahresbeginn 2026 steht auf der Seite der IHK Mittlerer Niederrhein zur Verfügung: mittlerer-niederrhein.ihk.de/P599

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