Aktueller Gesundheitsreport der AOK präsentiert Die Gladbacher und die Vorsorge

Mönchengladbach · Von knapp 270 000 Mönchengladbachern sind rund 82 000, also etwa jeder Dritte, bei der AOK versichert. Ihre Gesundheitszahlen verschaffen daher einen signifikanten Blick auf die Gesundheit und Gesundheitsvorsorge der Gladbacher. Gerade was Präventionsuntersuchungen angeht, ist noch Luft nach oben, wie der aktuelle Gesundheitsreport zeigt.

Haben die aktuellen Gesundheitszahlen und -themen für Mönchengladbach vorgestellt: AOK-Regionalleiterin Marion Schröder und Mira Lieven, Leiterin Regionales Gesundheitsmanagement.

Foto: Petra Käding

Nein, Gesundheitsmuffel sind die Mönchengladbacher nicht, die Frauen noch weniger als die Männer – und doch liegen beide mindestens knapp unter dem Durchschnitt der AOK-Versicherten Rheinland/Hamburg. Beim hausärztlichen Check-up, das jedem ab 35 Jahren alle drei Jahre kostenfrei zusteht, liegen die Damen mit 60,8% unter dem Durchschnittswert von 61,8%, die Herren mit 54,2% fast beim Durchschnitt von 54,6%, aber eben auch deutlich unter dem Level der Frauen.

Dabei ist der Check-up, der wichtige Untersuchungen wie Blut- und Urintest, EKG, Lungenfunktionstest und Ultraschall von Schilddrüse und Bauch abdeckt, eine gute Möglichkeit, möglicherweise drohende chronische Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, wie AOK-Regionalleiterin Marion Schröder betont.

Deutlich zurückhaltender ist der Gladbacher aber noch, wenn’s um Krebsfrüherkennung geht. Frauen zwischen 20 und 35 Jahren steht jährlich eine gynäkologische Untersuchung mit Pap-Abstrich zu, Frauen ab 35 nur noch alle drei Jahre – doch nur jede Dritte nimmt dies in Anspruch – mit 33,2% sind die Gladbacherinnen sogar Schlusslicht! Für Mira Lieven, Leiterin Regionales Gesundheitsmanagement bei der AOK, überraschend, wo doch so viel Aufklärung betrieben werde.

Auch die zweijährlichen Mammographietermine für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sind trotz niedrigschwelliger Einladungen per Post mit 51% (MG) schwach besucht (wenn auch knapp über dem Durchschnitt von 49,7% liegend). Daran konnten bislang auch die alljährlichen Pinktober-Aktionen im Brustkrebsmonat Oktober leider noch nicht nicht viel ändern, wie Marion Schröder bedauert.

Bei der Krebsfrüherkennung für Männer (Hodenkrebs, Prostata), die allen ab 45 Jahren zusteht, sieht es generell mau aus, die Gladbacher liegen mit 23,3% auch nur minimal über dem Niederrhein/Hamburg-Schnitt von 22,5 %. Weniger als jeder vierte Mann – das muss mehr werden, sagt die AOK und setzt auf regionale Info-Veranstaltungen, etwa den BGF-Kongress zum Thema Männergesundheit am 24. November im Borussia-Park.

Und dann ist da noch die Koloskopie (Darmspiegelung), die ab 50 von den Krankenkassen als Früherkennungsleistung übernommen wird. Obwohl unter Narkose, schmerzfrei und „aushaltbar“ – okay, abgesehen vom „Darmreinigungsdrink“ am Vortag – nehmen nur 6,4% der Mönchengladbacher diese Vorsorge in Anspruch (Rheinland/HH 6,8%). Dabei ist sie eine ausgezeichnete Methode, um rechtzeitig Polypen zu finden und zu entfernen, bevor sie zu Krebs werden.

Was in Mönchengladbach – zumindest aktuell – gut ist, ist der Versorgungsgrad, sowohl im Bereich Hausärzte (109,8%) als auch Fachärzte (je nach Fach zwischen 112 und 135%), zeigen die Zahlen der AOK. Doch auch hier gibt es einen Pferdefuß, wie Marion Schröder einräumt. Zum einen sei die Berechnungsgrundlage (Ärzte pro Einwohner) veraltet, weil heute der Anteil älterer und entsprechend häufiger erkrankender Menschen viel höher sei – zum anderen, weil in den nächsten Jahren „massenhaft“ Hausärzte aus Altersgründen ausscheiden werden.

Große Themen sind aktuell auch die Gesundheitsreform, für die langfristige Finanzierung dringend notwendige Einsparungen (u.a. durch Vermeidung unnötiger Krankenhausfälle – in Mönchengladbach ist 2025 jeder Vierte (!) im Krankenhaus gewesen) und eine Etablierung von sektorenübergreifenden Primärversorgungszentren. Eins steht fest: Es bleibt spannend in Sachen Gesundheitspolitik und -versorgung!