Niederrhein Schwierige Wirtschaftslage: Was ist jetzt zu tun?

Niederrhein · Angesichts der nicht gerade rosigen Aussichten für die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen und die niederrheinische im Besonderen stellt sich die Frage, wo Politik und Unternehmen ansetzen können, um kurz- und langfristig Verbesserungen zu erreichen.

Kirsten Wittke-Lemm, Hauptgeschäftsführerin der Unternehmerschaft Niederrhein.

Foto: Unternehmerschaft Niederrhein

(aro). Von abwandernden Unternehmen, veralteten Strukturen und einer verfehlten Wirtschaftspolitik war in den vergangenen Monaten verstärkt die Rede, und das Stimmungsbarometer in der heimischen Wirtschaft scheint immer frostigere Temperaturen anzuzeigen.

Was brauchen Unternehmen, um wieder an Stabilität zu gewinnen und optimistischer in die Zukunft schauen zu können? Für die Unternehmerschaft Niederrhein steht eindeutig die Politik in der Verantwortung, Fehler der Vergangenheit auszubügeln und eine neue Richtung einzuschlagen. „Wir benötigen eine klare politische Linie und vor allem noch mehr Tempo bei der Umsetzung zwingend erforderlicher Reformen, die langfristiges Wachstum ermöglichen“, betont Kirsten Wittke-Lemm, Hauptgeschäftsführerin der Unternehmerschaft Niederrhein. Unternehmen bräuchten Planbarkeit, schnelle Entscheidungen und verlässliche Rahmen­bedingungen, die Investitionen fördern statt behindern: „Dazu gehören insbesondere ein umfassender Industriestrompreis, der den indus­triellen Mittelstand vollständig erfasst, sowie schlanke Genehmigungsverfahren.“

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein.

Foto: IHK Mittlerer Niederrhein

Entscheidend sei außerdem ein wirtschaftsfreundlicher politischer Kurs „über alle Ebenen hinweg“, so Kirsten Wittke-Lemm weiter: „Es geht darum, Vertrauen in den Standort zu stärken und ihn wieder zu dem zu machen, was er sein soll und sein kann: ein starker, technologieoffener Innovations- und Investitionsstandort.“

Für die Gewinnung von Fachkräften und die Ausbildung sei schon viel getan worden, diesen Kurs müsse man fortsetzen. „Um unsere Fachkräfte von morgen zu finden und dann auch dauerhaft an die heimische Wirtschaft zu binden, konzentrieren wir uns darauf, die jungen Menschen da abzuholen, wo sie stehen und ihnen die nötigen Future Skills zu vermitteln. In der Region gibt es ein bestens funktionierendes Netzwerk, in dem zahlreiche engagierte Menschen genau daran arbeiten.“ Die Unternehmerschaft leiste hier gemeinsam mit ihren Partnern einen Beitrag mit erfolgreichen Formaten wie der Chemie-Akademie Krefeld, dem „Berufsparcours“, dem Chemie-Aktionstag, Schulkooperationen und dem Regionalwettbewerb Niederrhein von Jugend forscht: „Nur wenn wir Industriebegeisterung wecken, können wir ihre Bedeutung als Motor für Wohlstand und Innovation nachhaltig vermitteln.“

„Unsere Unternehmen brauchen spürbare Entlastungen bei Energiepreisen und Bürokratie“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. „Die Industrie steht seit Jahren besonders unter Druck. Die Folgen zeigen sich nun immer deutlicher. Das verarbeitende Gewerbe braucht dringend bessere Rahmenbedingungen.“ Auch Steinmetz betont die Notwendigkeit eines wettbewerbsfähigen Industriestrompreises: „Bei der Industrie in unserer Region, insbesondere in den energieintensiven Bereichen, wird das strukturelle Problem besonders sichtbar.“

Trotz der vergleichsweise düsteren Bilanz des Jahres 2025, gelte es, den Blick nach vorne zu richten. „Hoffnung kann aus unserer Sicht nur durch mutige politische Entscheidungen entstehen“, sagt Steinmetz. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität könne zwar ein Impulsgeber sein, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen. „Das Geld muss schnell und unbürokratisch in zusätzliche Vorhaben investiert werden. Dann wird es auch wieder private Folgeinvestitionen anreizen“, so Steinmetz. Das gelte auch für die Mittel, die den Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Zudem hofft Steinmetz, dass im Jahr 2026 der versprochene entschlossene Bürokratierückbau erfolgt. „Unsere hiesigen Bundestagsabgeordneten gehen davon aus, dass die entsprechenden Gesetze im zweiten Quartal 2026 verabschiedet werden können. Daran werden wir sie messen“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Bürokratische Entlastungen in Milliardenhöhe könnten aus Sicht der IHK für eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte sorgen.

Angesichts der Diskussionen um Steuererhöhungen in der Region warnt Steinmetz eindringlich davor, zur Lösung der Finanzprobleme zuerst zum Instrument Steuererhöhungen zu greifen: „Die ohnehin stark belasteten Unternehmen über steigende Gewerbesteuer-Hebesätze weiter unter Druck zu setzen, wäre ein fatales Signal und würde die Nachteile des Wirtschaftsstandorts Deutschlands regional weiter verschärfen.“