Am MGL können Flugzeuge mit nachhaltig produziertem Treibstoff betankt werden Ein Flughafen mit Pioniercharakter

Mönchengladbach · Klimafreundlich(er) fliegen? Am Flughafen Mönchengladbach (MGL) können ab sofort Flugzeuge mit dem nachhaltig produzierten Treibstoff SAF betankt werden; er ist dort dauerhaft verfügbar. Ein Novum in Deutschland. Für die allererste Befüllung kam NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer extra nach Mönchengladbach.

 NRW-Minister Oliver Krischer (Umwelt, Naturschutz und Verkehr) macht als „erster nachhaltiger Tankwart“ eine gute Figur. Er nahm die erste Befüllung eines Flugzeugs mit SAF am vor.

NRW-Minister Oliver Krischer (Umwelt, Naturschutz und Verkehr) macht als „erster nachhaltiger Tankwart“ eine gute Figur. Er nahm die erste Befüllung eines Flugzeugs mit SAF am vor.

Foto: Markus Rick

SAF steht für „Sustainable Aviation Fuel“ und ist nach heutigem Stand der vielversprechendste Weg, um die CO2-Emissionen der Luftfahrt zu reduzieren. Im Vergleich zu Kerosin aus fossilen Quellen ist SAF um bis zu 90 Prozent weniger kohlenstoffintensiv. Der Treibstoff darf derzeit mit einem Mischungsverhältnis von bis zu 50 Prozent in Flugzeugen verwendet werden. „Es kann kein ‚Weiter so‘ in der Luftfahrt geben, dass haben wir als MGL verstanden. Wir treiben Maßnahmen für die Mobilitätswende und die Dekarbonisierung in der Luftfahrt voran“, betonte MGL-Geschäftsführer Andreas Ungar am Dienstag bei der Erstbetankung eines Flugzeugs.

Die wurde - aus feierlichem Anlass - von Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, persönlich vorgenommen. Er lobte den MGL als „Standort mit Pioniercharakter“. Die Möglichkeit, Flugzeuge mit SAF zu betanken, sei ein wichtiger Schritt, um Fliegen klimafreundlicher zu machen. Die Luftverkehrsbranche werde sich dynamisch verändern, „deshalb unterstützen wir Maßnahmen und Projekte, die Fliegen ohne fossile Brennstoffe ermöglichen“, so Krischer. Mönchengladbach könne dabei als Flughafen der Zukunft eine Blaupause für andere Airports sein.

Zur Erstbefüllung mit SAF waren neben NRW-Minister Oliver Krischer auch Vertreterinnen und Vertreter von Stadt, Politik, Flughafengesellschaft und -förderverein gekommen.

Zur Erstbefüllung mit SAF waren neben NRW-Minister Oliver Krischer auch Vertreterinnen und Vertreter von Stadt, Politik, Flughafengesellschaft und -förderverein gekommen.

Foto: Markus Rick

Das SAF am Flughafen Mönchengladbach wird vom Multi-Energie-Unternehmen TotalEnergies bereitgestellt und per Tankwagen aus Frankreich angeliefert. Die Betankung erfolgt über das ortsansässige Luftfahrt-Dienstleistungsunternehmen Rheinland Air Service (RAS). Johannes Graf von Schaesberg, CEO von RAS, sagte: „Rheinland Air Service hat sich als Europahändler von Honda Aircraft und Daher Aircraft verpflichtet, alle HondaJet-Überführungsflüge und Vorführflüge durch die RAS grundsätzlich mit SAF vorzunehmen. Das Gleiche gilt für die TBM- und Kodiak-Flugzeuge von Daher“ – auch wenn die Kosten für SAF aktuell drei- bis fünfmal so hoch seien wie für herkömmliches Kerosin.

Der nachhaltige Flugkraftstoff wird aus Abfällen und Reststoffen aus der Kreislaufwirtschaft (zum Beispiel tierische Fette, Altspeiseöle) hergestellt und anschließend mit herkömmlichem Flugkraftstoff vermischt. Ein 35-prozentiger SAF-Anteil kann in allen Flugzeug-Triebwerken ohne weitere besondere Zulassungen, eingesetzt werden. Auch der Wechsel von SAF auf Kerison und umgekehrt ist problemlos möglich, denn der nachhaltige Flugkraftstoff wird nicht kontinuierlich an anderen Airports in Deutschland angeboten, außer in Mönchengladbach.

Oberbürgermeister Felix Heinrichs bezeichnete Minister Krischer humorvoll als „ersten nachhaltigen Tankwart Deutschlands“ und beschwor den Pioniergeist Hugo Junkers für die Luftfahrt. „Ich bin sehr froh, dass wir 2017 den Flughafen Mönchengladbach nicht haben sterben lassen, sondern eine Nische gefunden haben, durch Innovation und Forschung hier ein leistungsfähiges Luftfahrtcluster zu entwickeln“, so Heinrichs. Die Flughafengesellschaft strebe danach, aktiv neue und nachhaltige Prozesse in der Luftfahrt zu gestalten und umzusetzen.