Gestern, 10 Uhr, im Franz-Meyers-Gymnasium in Giesenkirchen. Quasi mit dem Gongschlag strömen die Massen in die Turnhalle der Schule zur 17. Check in Berufswelt in Mönchengladbach. „Mehr als je zuvor“, freut sich Initiator Thomas Feldges, und meint damit die 88 Aussteller genauso, wie die Anzahl der jugendlichen Besucher – Rekordbeteiligung auf allen Seiten. Rund 400 Ausbildungsstellen von der AWO über Hephata bis zu Scheidt + Bachmann seien hier noch zu haben.
Einmal das Glücksrad drehen, mit dem Radlader über die Wiese fahren, durch die VR-Brille gucken, vom Kuli über Lipgloss bis zum Süßkram Giveaways einsammeln – die Aussteller haben sich einiges einfallen lassen, um Interesse zu wecken. Und manch einer bekommt sogar ein Wunsch-Selfie mit dem Oberbürgermeister, der einen Rundgang zu ausgewählten Ständen macht.
Absolutes Novum bei der Berufswelt: Dieses Mal können Kurzentschlossene die Chance nutzen und direkt Bewerbungsfotos machen lassen. Ein Fotostudio ist in einer der Umkleidekabinen der Turnhalle aufgebaut. Sogar an weißen Blusen fürs Foto ist gedacht, die gibt es in allen Größen. In der Schlange stehen Abby Lauterbach, 15, Luise Sophie Schloter, 14, und Maya Frings, 14. Die drei Schülerinnen der Hans-Jonas-Gesamtschule Neuwerk wissen schon genau, wo es beruflich hingehen soll. „Seit ich sechs war, wusste ich schon, dass ich zum Ordnungsamt möchte“, sagt Maya Frings, skurrilerweise ist sie darauf gekommen, weil ihr Vater das immer aus Spaß gesagt hat. Luise Sophie Schloter hat eine Empfehlung ihrer Schwester: Marketingmanagement möchte sie studieren. Und Abby Lauterbach weiß schon jetzt, dass sie Meeresbiologin werden möchte.
Ob das Besuchen der Berufsmesse Pflicht ist oder freiwillig, sei von Schule zu Schule unterschiedlich, sagt Armin Bruder, Schulleiter des Franz-Meyers-Gymnasiums. „Bei uns die Oberstufe kann freiwillig kommen. Wir sehen aber an den Anmeldungen, dass sehr viel Interesse da ist“, sagt Lehrerin Nele Roelen. Für die Jüngeren sei es Pflicht im Klassenverband zu kommen, frei nach dem Schulkonzept: „Kein Abschluss ohne Anschluss“.
Besonders großer Andrang ist bei den Berufen, die „Action“ versprechen, wie Feuerwehr, Zoll, Justiz und Polizei. „Wir hatten über 3 000 Einstellungen in 2025“, sagt Polizeioberkommissarin Pia Cremer, das heiße aber noch lange nicht, dass daraus am Ende auch 3 000 Polizisten würden. Einige würden auch nicht bis zum Ende kommen. Und leider müssten sie auch manch einen mit der Nachricht enttäuschen, dass eine Ausbildung bei der Polizei nicht mehr ohne Duales Studium gehe. „Wir müssen einigen sagen, dass ein Hauptschulabschluss nicht reicht“, so die Polizistin. Für Luca Eßer, 17, und Dominik Oeller, 18, ist das kein Problem. Sie wollten erst zusammen zur Bundeswehr und haben sich dann doch für eine gemeinsame Ausbildung bei der Polizei entschieden. Die beiden Gymnasiasten sind extra aus Jüchen gekommen und kurz vor dem Abitur.
Auch für die Coca Cola-Niederlassung Mönchengladbach hat sich die Teilnahme an der Check in Berufswelt bislang immer gelohnt. „Wir ziehen hier sehr viele Praktikanten ab“, sagt Ausbilder Markus Markert. Manche würden dann auch hängen bleiben. 20 bis 25 Schülerinnen und Schüler würden jährlich ein Praktikum bei Coca Cola in Mönchengladbach machen.