Mit 82 000 Versicherten hat die AOK Rheinland/Hamburg in Mönchengladbach mit 30 Prozent den höchsten Marktanteil. Ihre Erhebungen sind relevant. So auch die zum Krankenstand.
Sich auf Basis der Arbeitsunfähigkeitsmeldungen (AU)* Jahr für Jahr intensiv mit dem Krankenstand vor Ort zu beschäftigen, ist ihr Auftrag und Grundlage für ihre Angebote in Unternehmen vor Ort – Stichwort „Betriebliches Gesundheitsmanagement“. Denn dreht man da nicht an den entsprechenden „Schrauben“, wird sich am Gesamtbild Krankenstand kaum etwas ändern.
„Faule Äpfel im Korb kriegen wir eh nicht“, erklärt Dr. Matthias Czarny, Teamleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement beim Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung aus Köln. Die größte Gruppe machten aber ohnehin diejenigen aus, die ungewollt nicht die von ihnen geforderte Leistung erbringen können. „Wenn in einem Unternehmen die Angestellten immer mal für ein paar Tage krank sind, ist das ein Thema“, betont Marion Schröder, AOK-Regionaldirektorin für den Niederrhein.
Beide sprechen von einem gerade in Gladbach auffälligen Muster: Kurze, aber viele AU-Fälle, wie ein Vergleich zum Gesamt-Rheinland zeigt: Keine AU in 2025 brauchten in Gladbach nur 34,07%, im Rheinland 36,65%. Ab drei AUs aufwärts pro Jahr liegen die Gladbacher dagegen durchweg über dem Rheinland!
Zu den Ursachen für die wiederholte „Flucht in die AU“, so Czarny, zählen Stress, psychische Belastung, Mobbing, fehlende Wertschätzung. Genau hier will die AOK ansetzen: durch eine Gefährdungsbeurteilung und Unterstützung in Unternehmen ab 50 Versicherten, mit dem Ziel, gesündere Strukturen zu etablieren, etwa, was Arbeitsprozesse und Regenerationszeiten, aber auch Kommunikation angeht. „Wir sind bereit, viel mitzutragen, wenn von Seiten des Unternehmens das ‚Commitment‘ vorhanden ist“, erklärt Marion Schröder. „Wir haben den gesetzlichen Auftrag, Geld dafür auszugeben, unabhängig von der Versicherungszugehörigkeit der einzelnen Mitarbeiter.
Ob’s ein erster Erfolg oder Zufall ist: Der Krankenstand in Mönchengladbach ist in den letzten drei Jahren (in denen aufgrund der elektronischen AU-Erfassung erstmals 100 % erfasst werden konnten) sogar etwas mehr als im Rheinland gesunken. Zwar liegt er weiterhin über dem Durchschnitt und nach Remscheid, dem Kreis Viersen und Wuppertal auf Platz vier im regionalen Krankenstandranking der Städte, aber „Es ist seit vier Jahren der niedrigste Wert und wir hoffen, dass sich der Trend fortsetzt“, so Czarny.
* Gezählt werden die AU-Bescheinigungen ab dem 3. Krankheitstag