„Alle sprechen von Verkehrsberuhigung - was ist in der Fußgängerzone los?“ „Einflugschneise“ Wallstraße

Mönchengladbach · Atelier, Friseur, Kreativ- und Yoga-Studio, hübsche Geschäfte und Restaurants, das Queere Zentrum, historische Gebäude – und alles in einer verkehrsberuhigten Fußgängerzone... Es könnte so schön sein auf der Wallstraße! Wenn nicht der viele Verkehr wäre... Ladeninhaber und Anwohner haben sich jetzt an die Stadt gewandt.

Schilder weisen die Wallstraße klar als Fußgängerzone aus, trotzdem fahren geschätzt 500 Autos pro Tag durch. Anwohnern und Ladeninhabern (kl. Foto) reicht‘s langsam (v.l.): Rainer Rieger (Galerie Wallstraße), Heike Kivelitz (Queeres Zentrum), Conny Warden (Gili-Yoga) und Patrick Faaßen (Rubivision). Fotos: Petra Käding

Foto: Petra Käding

„An die 500 Autos fahren hier jeden Tag durch die Fußgängerzone“, sagt Patrick Faaßen, „mit 30, 40, 50 Stundenkilometern – das ist die reinste Einflugschneise hier!“ Er muss es wissen, denn er sitzt nicht nur täglich stundenlang direkt vorm Schaufenster in seiner Werbeagentur, sondern wohnt auch in der Wallstraße. Andere Ladeninhaber und Anwohner pflichten ihm bei. „Die Paketdienste sausen hier mit einem Affenzahn durch“, sagt Rainer Rieger, vor dessen Galerie nachmittags gern mal geparkt wird, um zu „Action“ zu gehen. Dasselbe am anderen Ende der Wallstraße vor der türkischen Bäckerei...

Gegen Paketzusteller und Anlieferungen hat an sich keiner etwas in der Wallstraße, „aber sie müssten die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit einhalten!“, mahnt Patrick Faaßen, dessen kleiner Sohn schon einmal um ein Haar von einem „Fußgängerzonen-Raser“ angefahren worden ist. Und die ganzen privaten PKW – das ist einfach zu viel. „Da wird angehalten, gehupt und sich beschimpft – „dabei dürfen die hier fast alle nicht durchfahren, aber das interessiert die nicht!“

Fakt ist: Die Wallstraße ist als Fußgängerzone ausgewiesen – und für die gibt es nach der Straßenverkehrsordnung strenge Regeln (s. Infokasten). So heißt es beispielsweise auch für Zweiradfahrer auf der Wallstraße: schieben!

Wenn mal Knöllchen verteilt werden, kriegen die leider oftmals „die Guten“. Der freundliche Sicherheitsdienst etwa, der nach dem gemeinen Angriff auf das Queere Zentrum zweimal nachts vorbeischaute, um nach dem Rechten zu sehen, wie Heike Kivelitz erzählt.

Für die Betroffenen steht fest: Wir müssen sprechen – und zwar mit der Stadt! Patrick Faaßen hat bereits mehrfach das Ordnungsamt angeschrieben, außerdem OB Felix Heinrichs und das Quartiersmanagement.

Eine Antwort gab’s erst mal nicht. Was Patrick Faaßen besonders ärgert: „Wenn alle von Verkehrsberuhigung sprechen – wie kann es sein, dass man hier in der Fußgängerzone seine Kinder oder den Hund von der Straße reißen muss, damit sie nicht überfahren werden?“

Was ihm wie auch den anderen Betroffenen auf der Wallstraße dabei wichtig ist: „Wir wollen nicht rummeckern, wir wollen das produktiv angehen!“ Die Stadt sollte daran auch Interesse haben, ist man sich einig, denn die Wallstraße sei eine der wenigen wirklich attraktiven Straßen in der Innenstadt.

Auf Anfrage bei der Stadt, schickt die Pressestelle die nun von OB Felix Heinrichs erfolgte Antwort an Patrick Faaßen. Leider habe sich die Antwort wegen notwendiger Abstimmungen in der Sache verspätet, steht darin. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er leider keine zufriedenstellende bauliche Lösung für die Problematik anbieten. Straßenverkehrsrechtlich sei der Zugang eindeutig, das Befahren gemäß der Beschilderung von 12 bis 18.30 Uhr verboten. Verstöße dagegen beträfen den fließenden Verkehr und seien durch die Polizei zu ahnden. In der übrigen Zeit sei Ladeverkehr erlaubt, so dass die Zufahrt möglich sein müsse. Versenkbare Poller seien mit einem enormen technischen Aufwand und hohen Kosten verbunden. Die Polizei werde den Bereich aber verstärkt in den Blick nehmen und das Ordnungsamt – wie schon seit längerer Zeit – Falschparker ahnden. Und: Er selbst werde nach weiteren Lösungsmöglichkeiten suchen.

Die Anwohner und Ladeninhaber hätte da schon eine Idee: „Drempels!“ Und an Muskelkraft oder Geld soll es nicht scheitern. „Ich mauer‘ die notfalls selber!“, scherzt Heike Kivelitz. Und Faaßen wäre sogar bereit, etwas dazuzuzahlen, wenn’s an den Kosten scheitert. Ein Asphalt- oder Pflasterdrempel (Bodenschwelle) kostet zwischen 2 000 und 5 000 Euro inklusive Beschilderung. Wie wär’s damit, Herr Heinrichs?