Geschichtsfreunde Rheindahlen lösen Rätsel um ersten Bürgermeister Franz Nicodem - so sah er aus

Rheindahlen · Den Geschichtsfreunden Rheindahlen e.V. lag ihr erster Bürgermeister Franz Nicodem schwer im Magen. Die Suche nach einem Bildnis von ihm gestaltete sich mehr wie schwierig, doch dann klingelte plötzlich das Telefon ...

 Franz Nicodem, erster Bürgermeister der Stadt Rheindahlen, hat endlich ein Gesicht. Links Achim Vieten, Vorsitzender der Geschichtsfreunde Rheindahlen, hier mit Ahnenforscher Dr. Herbert Kipp.

Franz Nicodem, erster Bürgermeister der Stadt Rheindahlen, hat endlich ein Gesicht. Links Achim Vieten, Vorsitzender der Geschichtsfreunde Rheindahlen, hier mit Ahnenforscher Dr. Herbert Kipp.

Foto: Bert Stevens

Von 1857 bist 1900 war Franz Nicodem Bürgermeister der Stadt Rheindahlen, die damals noch eigenständig war und bekanntlich erst 1921 der Stadt Mönchengladbach angeschlossen wurde. Franz Nicodem verstarb im Jahre 1904. Seine letzte Ruhe fand der Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Rheindahlen auf dem alten Friedhof an der Hardter Straße, der heute als Park seinen Namen trägt. Hier findet man noch heute einige Grabstätten von namhaften Bürgern, die in der Vergangenheit von den Geschichtsfreunden katalogisiert wurden.

Von Anfang an stellte sich die Frage, wie Bürgermeister Franz Nicodem wohl ausgesehen haben mochte. Ein Bildnis ist nicht überliefert bzw. fielen wohl dem Krieg zum Opfer.

 Die Grabstätte von Franz Nicodem und seiner Familie.

Die Grabstätte von Franz Nicodem und seiner Familie.

Foto: Bert Stevens

Achim Vieten, Vorsitzender der Geschichtsfreunde, wurde sofort hellhörig, als ihm der Anrufer mitteilte, dass er im Besitz von Postkarten und Fotos sei, die „irgendetwas mit der Familie Nicodem zu tun haben“. Zusammen mit seinem Stellvertreter, dem 2. Vorsitzenden Heinz Spinnen, machte sich Vieten auf den Weg zu dem Anrufer aus Mönchengladbach. Etwa 50 Postkarten und Aufnahmen gingen aus Privatbesitz an den Verein über.

„Nach kurzer Durchsicht der Bilder war uns klar, dass diese hauptsächtlich von der aus Rheindahlen stammenden Familie Graß stammen. Aber drei Aufnahmen mit einem bärtigen älteren Herren erweckten unsere besondere Aufmerksamkeit“, erzählt Achim Vieten. „Auf zwei Fotos trug er stolz einen Orden an der Brust und auf einem dritten ein Miniatur-Ordenskettchen mit fünf Auszeichnungen.“

Ein ganzes Wochenende benötigte Achim Vieten, um die Orden zu identifizieren. Es handelte sich um den Kronenorden 4. Klasse (1879), an die Kaiser Wilhelm I. Erinnerungsmedaille (1897), den Preußischen roten Adlerorden 4. Klasse (1900), eine Gedenkmünze für den Krieg 1870/71 gegen Frankreich und um eine Landwehr-Dienstauszeichnung 2. Klasse. Eine Anfrage von Ahnenforscher Dr. Herbert Kipp, ebenfalls Mitglied der Geschichtsfreunde, bei der „Deutschen Gesellschaft für Ordenskunde“, brachte die Bestätigung, dass alle Orden einst an Franz Nicodem verliehen worden waren. Der Ankauf des historischen Materials schien sich gelohnt zu haben. Für Achim Vieten und Dr. Herbert Kipp gab es somit keinen Zweifel mehr, dass es sich bei dem bärtigen älteren Mann nur um den ersten Bürgermeister Rheindahlens handeln konnte. Seine Abbildungen befanden sich unter den Fotos der Familie Graß, weil er der Großvater der eingeheirateten Hermine Margarethe Nicodem war. Endlich hat Franz Nicodem für die Rheindahlener ein Gesicht.