Initiative will Zusammenleben von Mensch und Taube in MG verbessern Damit es nicht zu viele werden

Mönchengladbach · Sie werden zu Unrecht als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet und sie suchen die Nähe der Menschen, weil sie alleine nicht klar kommen: Stadttauben. Die Mönchengladbacher Tierschützerin und NABU-Mitglied Gisela Heynert sagt, wenn die Tauben ein „Zuhause“ haben, hören die Probleme auf. Sie sucht Helfer für die Pflege eines Taubenhauses nach dem Modell Augsburg. Die Stadt steht dem Engagement offen gegenüber.

  Tauben haben das Image, Dreck zu machen und lästig zu sein. Die meisten Menschen wissen nichts über die Anpassungskünstler, zum Beispiel, dass sie ihrem Partner ein Leben lang treu sind.

Tauben haben das Image, Dreck zu machen und lästig zu sein. Die meisten Menschen wissen nichts über die Anpassungskünstler, zum Beispiel, dass sie ihrem Partner ein Leben lang treu sind.

Foto: pixabay

Über die Stadttauben wissen die meisten Menschen nur Negatives: Ihr Kot verätzt den Autolack, ihr Gurren nervt und sie sind überall. Doch die gefiederten Nachkommen einst entflohener Brief- und Reisetauben können nicht anders, weil sie standorttreu sind, ausgesprochen gesellig und zudem die natürliche Futtersuche verlernt haben. Und weil das so ist, verlassen sie ihre Hotspots, wie etwa die Bahnhöfe Rheydt und Mönchengladbach, den Rheydter Markt und den Alten Markt nur selten. Dort finden sie aber nur, was ihnen die Menschen hinterlassen: Pizzareste, Fritten, Plastik, Zigarettenstummel. Sie hungern und dursten und vermehren sich in der Folge rasant, das diktiert ihnen ihr Instinkt. „Tauben müssen rund 40 Gramm Körner und Samen am Tag picken und sie brauchen frisches Wasser“, sagt Tierschützerin Gisela Heynert, die eher zufällig beim NABU in die Rolle der Tauben-Helferin geraten ist. „Werden sie mit gutem Futter versorgt, hört die unkontrollierte Vermehrung auf“. Außerdem sei der Kot dann nicht mehr ätzend und man könne ihn wie anderen Vogelkot einfach wegfegen.

Das Taubenthema hat in den letzten Wochen überall die Gemüter bewegt. Der Limburger Beschluss, das Taubenproblem mit Genickbruch zu „lösen“, hatte bundesweit für Empörung gesorgt und ist inzwischen vom Tisch. In Mönchengladbach könne der Konflikt zwischen Mensch und Taube tierfreundlich gelöst werden, nach dem Vorbild Augsburg, so der Plan von Tierschützerin Heynert. Dort haben die Stadttauben zehn Taubenhäuser und zwei Taubentürme bekommen, wo sie mit artgerechtem Futter versorgt werden, wo sie Schutz suchen und ihre Nester bauen können. Und auch das ist ein Mittel, der unkontrollierten Vermehrung Einhalt zu gebieten: Die Eier werden von ehrenamtlichen Betreuer*innen gegen Gipseier ausgetauscht. „80 bis 90 Prozent der Stadttauben gehen aus diesen Häusern kaum noch raus“, sagt Initiatorin Gisela Heynert, und damit seien sie auch weg von der Straße.

Bei der Taubenhilfe und der MonRoRanch hat Gisela Heynert fachkundige Beratung gefunden. Auch die Stadt zeigt sich offen für die Idee. „Es ist so, dass wir als Stadt grundsätzlich bürgerschaftliches Engagement unterstützen und diesem nicht im Wege stehen. Das gilt auch im vorliegenden Fall“, heißt es auf Anfrage von Seiten der Stadt. Finanzielle Ressourcen habe man dafür aber nicht. Inzwischen hat Gisela Heynert aber herausgefunden, dass man für Taubenhäuser Fördergelder beantragen kann.

Gisela Heynert sucht jetzt Mitstreiter*innen für ihre Initiative. „Mindestens zehn Leute sind nötig, um so ein Taubenhaus zu unterhalten“, sagt sie. Da müsse für Futter, frisches Wasser und die Reinigung des Hauses gesorgt werden. Außerdem müsse das Futter gekauft und gelagert werden. Aber bevor es losgeht, will Gisela Heynert erstmal mit Flyern und Infoständen die Werbetrommel für die Initiative rühren. Besonders freuen würde sie sich über Helfer*innen, die bislang eher Vorbehalte gegen die gefiederten Stadtbewohner haben.

Info:
Die Straßentaube oder auch Stadttaube stammt ursprünglich von der Felsentaube ab. Als Brieftaube war sie früher als Postbote unterwegs und wird auch heute noch als Reisetaube bei Wettbewerben eingesetzt. Aus den vielen Gefangenschaftsflüchtlingen haben sich mittlerweile in unseren Städten verschiedenste Populationen entwickelt, die sich perfekt an das Leben in Siedlungen angepasst haben.
Quelle: Naturschutzbund (NABU)