Surfpark am Elfrather See Offener Brief von Krefelder Unternehmern

Krefeld · 39 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Krefeld haben einen Offenen Brief zum Thema Surfpark am Elfrather See verfasst. Wir veröffentlichen diesen hier im Wortlaut.

Offener Brief von Krefelder Unternehmern
Foto: KAUTH VONBUCH ARCHITEKTEN KREFELD

„Sehr geehrte Damen und Herren,

als Krefelder Unternehmerinnen und Unternehmer verschiedener Branchen, Unternehmensgrößen und Generationen verfolgen wir die aktuelle Debatte über die Ansiedlung eines Surfparks mit Irritation und zunehmendem Befremden. Wir sehen die Gefahr, dass unsere Stadt eine einmalige Chance ungenutzt verstreichen lässt. Zudem befürchten wir, dass Krefeld durch diese Art von öffentlicher Diskussion als Wirtschaftsstandort und in der Attraktivität für Investoren dauerhaft Schaden nehmen wird. Das möchten wir nicht tatenlos hinnehmen.

Der Surfpark hat das Potenzial, zu einem sportlichen, touristischen und damit auch wirtschaftlichen Leuchtturm für die gesamte Region zu werden. Er bringt Krefeld auf die Landkarte und nutzt als weicher Standortfaktor allen hier ansässigen Unternehmen, die Fachkräfte suchen und dabei gerade um junge Menschen werben. Darüber hinaus bietet der Surfpark, in Kombination mit den geplanten Maßnahmen aus dem Masterplan, die Chance, das deutlich in die Jahre gekommene Areal am Elfrather See in einen modernen Erholungs- und Erlebnisort zu verwandeln. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt können das Areal für Sport, Bewegung und Freizeit völlig neu entdecken und vermehrt für Aktivität und Entspannung nutzen. Dabei muss auch gesehen werden, dass alle Krefelder Unternehmen als Arbeitgeber für künftige Bewerber (und dann auch Bürger) durch solche Naherholungsangebote ebenfalls attraktiver werden.

Die ökologischen Bedenken gegen das Vorhaben sind ernst zu nehmen, doch der Investor hat unter anderem zugesagt, den Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Dabei kann auch die Krefelder Politik dies nicht zur Voraussetzung für jede neue Ansiedlung von Unternehmen machen. Wir appellieren daher an den Rat, dem Surfpark als Wirtschaftsunternehmen Chancengleichheit zu gewähren. Die Kompromiss- und Dialogbereitschaft des Investors wird nicht ausreichend anerkannt. Teile der Politik erheben immer neue Forderungen, die immer schwerer zu erfüllen sind und in letzter Konsequenz die Wirtschaftlichkeit des gesamten Vorhabens gefährden.

Wir beobachten mit Sorge, dass ein Investor, der in Krefeld rund 40 Millionen Euro investieren und fast 100 Arbeitsplätze schaffen will, öffentlich angezählt und in Misskredit gebracht wird. Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Betreibergesellschaft wird vehement – und dann auch noch öffentlich – in Frage gestellt, bevor sie überhaupt final gegründet ist. Mit Fairness oder einem ergebnisoffenen Diskurs hat das nichts zu tun, zumal uns keine belastbaren Argumente für die misstrauische Haltung bekannt sind. Stattdessen werden häufig Mutmaßungen und Verdachtsmomente in den Raum gestellt.

Wenig hilfreich erscheint es auch, bei einer politischen Diskussion über ein Investment das zentrale Augenmerk von Beginn an auf dessen mögliches Scheitern zu legen. In einer sozialen Marktwirtschaft entscheiden Angebot und Nachfrage über den Erfolg einer Investition oder den Verlust des eingesetzten Kapitals. Die Politik ist gehalten, verschiedenen Geschäftsideen offen gegenüberzutreten und ihnen gleiche Chancen einzuräumen. Die Freizeitbranche trägt ebenso zu unser aller Wohlstand bei wie andere. Krefeld würde durch ein Verhindern des Surfparks ein Signal auch an andere Branchen senden, dass hier bei uns eine politisch motivierte Vorauswahl getroffen wird.

Surfparks entstehen derzeit weltweit und werden vielerorts erfolgreich betrieben. Gründe, warum dieses Konzept ausgerechnet in einem küstenfernen Ballungsraum wie der Region Rhein-Ruhr mit 17 Mio. Menschen nicht funktionieren sollte, sind nicht erkennbar. Vor diesem Hintergrund öffentlich über eine vorzeitige Insolvenz der Betreibergesellschaft zu mutmaßen, ist mindestens schlechter Stil.

Um es deutlich zu sagen: Wir respektieren die Entscheidungshoheit des Rates und der politisch Verantwortlichen. Wir appellieren jedoch an alle Beteiligten, in dieser oft aufgeheizten Debatte Fairness und Ausgewogenheit walten zu lassen.

Wie Presseberichten zu entnehmen war, sind maßgebliche Vertreter des Investors Ende April nach Krefeld gereist, um die Motive und Hintergründe ihres Engagements nochmals ausgiebig zu erläutern. Von dieser Seite scheint also Gesprächs- und Dialogbereitschaft weiterhin vorhanden zu sein. Es würde der Politik in Krefeld gut zu Gesicht stehen, dem Thema auch umgekehrt mit Offenheit und Dialogbereitschaft zu begegnen.

Im Moment drängt sich der Eindruck auf, dass ein Investor, der Krefeld bewusst als Standort eines überregional bedeutsamen Projekts ausgewählt hat, öffentlich in Frage gestellt und in seiner Professionalität und finanziellen Leistungsfähigkeit in Zweifel gezogen wird. Dies alles vor dem Hintergrund, dass es seit Jahren einen „Letter of Intent“ mit dem Investor und einen mit großer Mehrheit getroffenen Ratsbeschluss für die Einleitung eines B-Plan-Verfahrens gibt. Verlässlichkeit sieht anders aus. Und gerade in einer Zeit, wo sich viele Unternehmen mit Abwanderungsplänen befassen und Neuansiedlungen oftmals schleppend und schwierig verlaufen, ist diese große Investition für unsere Stadt besonders wichtig.

Die Entwicklungen und Diskussionen der letzten Jahre erleben wir als verheerendes Signal für andere potenzielle Investoren und Unternehmensgründer, die sich für Krefeld interessieren. Wir appellieren deshalb an die Krefelder Politik, dieses wichtige Investitionsprojekt mit überregionaler Strahlkraft möglich zu machen. Gerade in schwierigen Zeiten muss sich Krefeld als wirtschaftsfreundliche, weltoffene und optimistische Stadt zeigen und sich als attraktiver Standort gerade auch für internationale Investoren etablieren.“

Unterschrieben wurde der Offene Brief von

Torsten Toeller Fressnapf

Thilo Kühne, Alan D. Butt, Dirk Wellen RONDO FOOD

Michael von Ameln von Ameln Finanzkonzepte GmbH

Gerd Frey Niemann + Frey

Nicola Oetker-Hilker Oetker-Hilker Consulting

Peer Schopp Micon

Matthias Voigt FRTG Group

Burkhard Lange, Erik von Gehlen NVG

Andreas Bauer Lieblingsagentur

Dr. Frank Herbertz Mercuri International Group

Thomas Pickert bps² Dr. Fette & Partner

Denis Hartenstein SMP

Michael Neppeßen CREVELT Media

David Kordes silk Werbeagentur

Jörg Bednarzyk, Oliver Mebus FACTory

Thomas Stephan TOMI Projektentwicklung

Philipp Saßerath Saßerath & von Ameln Immobilien

Marc Wirichs Wirichs Finanz & Invest

Christoph Pietsch Publicis Group Media

Johannes Stübben, Jan Stübben Joh's Stübben

Tobias Daus Skullers

Marius Mühlenberg Levaco Chemicals Group

Reiner Leendertz Mies van der Rohe Campus

Jan Stapelmann Stapelmann Architektur

Christoph Lemke Hoppe, Lichtmann, Göldner & Lemke

Lisa Kleinebrahm Reisebüro Esser

Dr. Georg Geier Siempelkamp Giesserei

Dr. Jan Schröder G quadrat

Markus Prehn HAUSER Rechtsanwälte

Patrick und Christoph Ploenes Hans Ploenes

Hartmut Janßen, Markus Ottersbach Handelsverband NRW Krefeld-Kempen-Viersen

Lars Friedrich Currenta - CHEMPARK Krefeld-Uerdingen

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