Dreiteiliger Ballettabend in Krefeld Zwischen Liebe und Tod

Krefeld · „Liebe und Tod“ hat Choreograph Robert North seinen neuen Ballettabend im Krefelder Stadttheater überschrieben. In drei selbstständigen Akten variiert er diese zentrale Spannung menschlicher Existenz.

Neuer Ballettabend im Krefelder Theater: Liebe und Tod
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Liebe und Tod

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Foto: Matthias Stutte/© Matthias Stutte

Die letzte Szene vor der Pause geht so richtig ans Herz: Ein altes Ehepaar drückt in geschmeidigen Tanzbewegungen eine solche Zärtlichkeit füreinander aus, dass die Zuschauer innerlich spüren, wie sich ihre Liebe über lange Jahre erhalten und intensiviert hat.

„Facetten der Liebe“ hat denn auch Choreograph Robert North diesen Teil genannt. Vor den Alten lässt er ein junges und ein bereits arriviertes Paar ihre Gefühle tänzerisch darstellen sowie, entsprechend dem Titel, auch die ganz anders geartete Zuneigung zwischen einem verzweifelten Jugendlichen und einem tröstenden Erwachsenen.

Bühnenbildner Udo Hesse hat zu den rührenden Szenen plastische Kulissen und warme Lichteffekte geschaffen. Der Pianist André Parfenov sitzt im Orchestergraben und begleitet das Geschehen mit Verve am Klavier. Es entsteht ein abgestimmtes Gesamtkunstwerk aus Tanz, Licht und Musik.

Während dieser erste Teil des Ballettabends „Liebe und Tod“ eine Neukreation von Robert North ist, greift der Ballettdirektor nach der Pause auf eine Choreographie zurück, die schon 2007 in Krefeld zu sehen war:

In „Der Tod und das Mädchen“ variiert er das uralte Thema von Jugend und Lebensbedrohung, die in der Kunstgeschichte vielfach romantisch aufgeladen wurde. Anders als der ausstattungsreiche erste Teil des Abends dominiert jetzt formale Strenge den Tanz. Aber dennoch erscheint der Tod nicht als Feind des Menschen, sondern als sein Pendant.

Das Ardemus-Streichquartett, platziert am Bühnenrand, untermalt den Tanz mit der gleichnamigen Musik von Franz Schubert.

Wieder erfolgt eine Pause, denn auch der dritte Teil des Abends ist ein separates Stück, die Wiederaufnahme einer Aufführung, die schon 2010 in Krefeld zu sehen war. Nach der suggestiven Musik „Boléro“ von Maurice Ravel, die diesmal vom Band kommt, lässt North die Tänzer elektrisierendes Lebensgefühl ausdrücken, ein zuversichtlicher Gegenentwurf zum zuvor thematisierten Tod.

Die Zusammenfügung einer Uraufführung und zweier Wiederaufnahmen zu einem gemeinsamen Ballettabend erweist sich durchaus als fruchtbar. Drei unterschiedliche Stile, unterschiedliche Ausstattungen und unterschiedliche Musikdarbietungen geben dem Ballettabend Abwechselung und Rhythmus. Die zwei Pausen dienen dem Publikum, jeweils den Kopf „wieder frei“ zu bekommen für Neues.

Die Ballettcompagnie durfte sich bei der Premiere über häufigen Szenenbeifall und brausenden Schlussapplaus freuen.

Weitere Aufführungen: 26. Mai; 2., 7., 9. (16 Uhr), 22. (18 Uhr), 27. Juni. 3. und 5. Juli. Beginn: 19.30 Uhr. an der Theaterkasse, Tel.: 02151/805125 oder www.theater-kr-mg.de

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