Schließung der Geburtshilfe-Abteilung in Kempen „Gemeinsamer Weg zur Zukunft“ – Politik, Stadt, Klinik und Hebammen setzen auf Dialog und Lösungen

Kempen · Die angekündigte Einstellung der Geburtshilfe am Hospital zum Heiligen Geist in Kempen zum 1. Juli 2026 bewegt seit Wochen viele Bürgerinnen und Bürger, insbesondere werdende Eltern und Familien.

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„Zahlreiche Rückmeldungen aus der Bürgerschaft, Gespräche mit Betroffenen sowie politische Initiativen zeigen deutlich, welche Bedeutung eine wohnortnahe Geburtshilfe für viele Menschen hat“, teilt die Stadt Kempen mit. In den vergangenen Wochen hatten sich mehrere Fraktionen des Stadtrats mit Anträgen, Anfragen und weitergehenden Vorschlägen an die Verwaltung gewandt. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen zur zukünftigen medizinischen Versorgung, zur Erreichbarkeit anderer Geburtskliniken, zur Situation der Hebammen, zu möglichen Übergangslösungen sowie zu alternativen Angeboten wie hebammengeleiteten Modellen oder ergänzenden Versorgungsstrukturen vor Ort. Auch eine Sondersitzung des Rates stand zwischenzeitlich im Raum.

„Um größtmögliche Transparenz zu schaffen und alle offenen Fragen gemeinsam zu erörtern, fanden intensive Gespräche zwischen sämtlichen Fraktionsvorsitzenden, dem Bürgermeister sowie der Geschäftsführung des Krankenhauses statt“, so die Stadt Kempen weiter. „In diesem Austausch wurden die Beweggründe der Klinik nochmals umfassend dargestellt, und alle Beteiligten hatten Gelegenheit, ihre Fragen offen zu stellen. Die Krankenhausleitung stand Rede und Antwort zu medizinischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Hintergründen der Entscheidung.“

Es folgte ein weiteres Gespräch mit den Hebammen des Krankenhauses sowie mit den Fraktionsvorsitzenden und dem Bürgermeister: „Beide Treffen waren geprägt von einem offenen, fairen und respektvollen Miteinander. Die Hebammen schilderten ihre Sichtweise, ihre Sorgen, ihre Erfahrungen aus dem Berufsalltag sowie ihre Wünsche für die Zukunft. Gleichzeitig wurden Chancen und mögliche Perspektiven für den Standort Kempen erörtert.“

In beiden Gesprächen sei deutlich geworden, dass alle Beteiligten das Thema „mit großem Verantwortungsbewusstsein“ behandeln: „Unterschiedliche Positionen wurden klar benannt, zugleich aber stets sachlich und konstruktiv diskutiert. Alle Fakten lagen auf dem Tisch.“ Ebenso sei jedoch erkennbar geworden, dass sich an der Entscheidung zur Aufgabe der Geburtshilfe zum 1. Juli 2026 nichts mehr ändern werde.

„Gerade deshalb richtet sich der Blick nun nach vorne“, heißt es in dem Schreiben der Stadt Kempen. Im Gespräch mit den Hebammen sei der gemeinsame Wunsch formuliert worden, alles zu prüfen, was auch künftig eine gute Versorgung werdender Mütter in Kempen unterstützen könne. Der Bürgermeister wurde seitens der politischen Vertreter beauftragt, im weiteren Verfahren zwischen Klinik und Hebammen vermittelnd tätig zu werden und mögliche Gespräche zu moderieren.

In den kommenden Tagen sollen daher weitere Gesprächsrunden stattfinden. Ziel sei es, gemeinsam zu klären, welche tragfähigen Zukunftsmöglichkeiten es für Kempen geben könne, etwa ergänzende Beratungsangebote, Nachsorgestrukturen, Kooperationen oder andere Modelle rund um Schwangerschaft, Geburt und junge Familien. „Dabei gilt: Es wird ernsthaft geprüft und engagiert gearbeitet, jedoch können zum jetzigen Zeitpunkt keine Versprechen abgegeben werden.“ Bis zur weiteren Klärung hätten sich sämtliche antragstellenden Fraktionen einvernehmlich dazu entschieden, ihre Anträge, Anfragen sowie den Antrag auf eine Sondersitzung des Rates zunächst zurückzustellen. Damit solle den laufenden Gesprächen Raum gegeben werden, um Lösungen im Dialog vorzubereiten. Der Bürgermeister informiere die Fraktionen fortlaufend über die Ergebnisse der weiteren Gesprächsrunden, um im Anschluss mit Politik und Verwaltung gemeinsam das weitere Vorgehen zu beraten.

Bürgermeister Christoph Dellmans erklärt dazu: „Das Thema Geburtshilfe bewegt viele Menschen in unserer Stadt – und das zu Recht. Es geht um Familien, um Sicherheit, um Vertrauen und um ein sehr sensibles Lebensereignis. Es geht aber auch um die Zukunftsfähigkeit des Hospitals zum Heiligen Geist. Ich bin dankbar, dass alle Beteiligten in den vergangenen Gesprächen fair, offen und verantwortungsvoll miteinander gesprochen haben. Jetzt gilt es, gemeinsam nach vorne zu schauen und auszuloten, welche guten Lösungen für Kempen möglich sind. Unser Ziel bleibt, die Menschen bestmöglich mitzunehmen und tragfähige Perspektiven zu entwickeln.“