Da hat sie das Land über Jahrzehnte regiert und nun ist sie im Ruhestand - und hat Langeweile. Angela Merkel (Tanja Schumann) ist umtriebig, pausenlos umgeben von ihrem Ehemann Joachim Sauer (Kay Szacknys), den sie liebevoll „Puffel“ nennt (er nennt sie ebenfalls „Puffelchen“) und begleitet von ihrem Bodyguard Mike (Hans Jürgen Helsig) - das ist alles gar nicht so ihr Ding. Obwohl, ein wenig genießt sie es schon, das Landleben in Klein-Freudenstadt am Dumpfsee, wo sie mit ihrem Mann die Uckermark und die Menschen kennenlernen will.
Dabei trifft sie auch auf Philipp Freiherr von Baugenwitz (Mathias Kopetzki) auf seinem Schloss und lernt dessen Ehefrau Alexa von Baugenwitz (Fiona Sonneberg), dessen Ex-Frau Katharina Freifrau von Baugewitz (Floriane Eichhorn), seine Tochter Pia von Baugenwitz (Janina Heyderhoff) aber auch andere - normal bis skurrile - Personen kennen. Da wäre zum einen Marie Horstmann (Giselle Ramsey), die nicht nur als Fremdenführerin in Klein-Freudenstadt ihr kleines Haushaltsgeld aufbessert, sondern auch noch im 9. Monat schwanger ist (und wie sich später rausstellen soll, das ungeborene Kind Adrian heißen soll und der Vater der Freiherr von Baugenwitz selbst ist), dann ist da Obstverkäuferin Angela Kessler (Floriane Eichhorn), die sich rechtspolitisch engagiert und damit genau das Gegenteil der Politik der Ex-Kanzlerin darstellt.
Als dann aber Philipp Freiherr von Baugenwitz vergiftet in einem von innen verriegelten Schlossverlies gefunden wird, nehmen die Verwirrungen ihren Lauf - und aus Angela Merkel wird „Miss Merkel“. Sie wittert: Hier geht was nicht mit rechten Dingen zu, neugierig wie sie ist, macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder. Zur Hilfe eilen ihr eine junge Polizistin (Giselle Ramsey) und der etwas zerlotterte Kommissar Hannemann (Sebastian Teichner), der aber eher mit seiner Scheidung zu tun und auf einen Mordfall erst recht keine Lust hat. Und dann passiert auch noch ein zweiter Mord - oder war es ein Unfall? „Miss Merkel“ findet beinahe selbst den Tod und ob Hündchen Pupsi am Ende die Kanzlerin rettet, das soll hier nicht verraten werden.
Das erste Abendstück der Festspiele Neersen unter der Regie von Intendant Jan Bodinus und nach der Romanvorlage von David Safier überzeugt nicht nur mit viel Spannung und überraschenden Momenten, sondern auch wieder durch grandiose schauspielerische Leistung der Darsteller und dem vielen Wortwitz. Wenn „Puffel“ und „Puffelchen“ auf dem Weinfest gemeinsam das Tanzbein schwingen, der Wein wie „Mausepipi“ riecht, nach einem ominösen Geheimgang gesucht wird oder Angela Merkel einen ihrer Erpressungsversuche als „diplomatisches Geschick“ abtut, das alles sorgt für viel Unterhaltung, Kurzweil und zahlreiche Lacher. Auch über den „Ami mit dem Money“, soll hier nicht zu viel verraten werden - sein Auftritt ist kurz, aber seine „Unterhose“ hinterlässt definitiv einen bleibenden Eindruck. Und wie es in jedem guten Krimi ist, fiebert der Zuschauer tatsächlich mit und fragt sich: Wer ist denn nun der Mörder? Untermalt mit toller und spannender Musik, der bekannten „Miss Marple“-Film-Melodie sowie einer grandiosen Kulisse wirkt „Miss Merkel - Mord in der Uckermark“ bei den Festspielen Neersen wie aus einem Guss. Hut ab dem Intendanten - aber auch den Schauspielern und dem ganzen Ensemble, dass mit dem ersten Abendstück, wieder ein echtes Festspiele-Highlight auf die Bühne gezaubert haben. Fazit: Absolut sehenswert!