Die gute Nachricht vorab: Karin S. geht es inzwischen besser. „Der Arzt hat das Blei ausgeleitet“, erklärt sie und legt Befunde vor. „Unter 28 sollte der Wert liegen“, weiß sie. Bei einer Untersuchung Ende Februar 2025 sind es 45,5 µg – ein Wert, der auf eine Vergiftung hindeutet! Geschockt beginnt Karin S. damals zu recherchieren. Blei, erfährt sie, lagert sich im Körper ab, Symptome einer Bleivergiftung sind von Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Anämie (Blutarmut) über Kopfschmerzen bis hin zu neurologischen/Hirn-Schäden. Ihrem Verdacht, dass das Blei bei ihr aus dem Hahn kommt – „ich habe immer Leitungswasser getrunken, weil es doch angeblich so gut sein soll“ – geht sie nach, schickt Wasserproben, erst aus dem Hahn in der Küche, dann aus dem Keller, aus einem kleinen Hahn direkt an dem alten Verbindungsstück an der Wasseruhr, zur Untersuchung an ein Institut. Das Ergebnis kommt per Post...
„In deinem Wasser wurde der Grenzwert für Blei aus der Trinkwasserverordnung (TVO) überschritten“, warnt das Schreiben des Instituts. Darunter stehen die Testergebnisse. Der Grenzwert für Blei im Trinkwasser liegt bei 0,01 mg/l, das Küchenwasser hat 0,014 mg/l, das aus dem Keller ganze 0,495 mg/l!
Alarmiert schreibt und ruft Karin S. im Mai den zuständigen Versorger, die Kreiswerke Grevenbroich, an – und fühlt sich nicht ernst genommen. Das könne nicht sein, sicher habe sie das Wasser nicht richtig entnommen. Und auf ihre Frage, ob man nicht jemand vorbeischicken könne, heißt es, dass dies 250 Euro koste. Sie ruft beim Gesundheitsamt an. Dort verspricht man ihr, man kümmere sich, aber der Sachbearbeiter wird krank und nichts passiert. Karin S. trinkt zu diesem Zeitpunkt nur noch Mineralwasser aus der Flasche.
Zu einem guten Ende kommt es schließlich Ende Juli, als das Teilstück um die Wasseruhr undicht wird. Ein erneuter Anruf bei den Kreiswerken und innerhalb von zwei Tagen ist das Teil kostenlos ausgebaut und durch ein neues ersetzt. Der Mitarbeiter sagt zu Karin S., dass das alte Teil völlig marode sei. Inzwischen weiß sie, dass es sogar seit 1980 verboten ist, weil es zu viele Schadstoffe abgibt, wie sie erklärt. „Unser Haus ist von 1974, in der Zeit ist es wohl verbaut worden“. Als eine Art „Mahnmal“ hat sie das Verbindungsstück aufbewahrt. Seitdem es „bleifrei“ ist, trinkt sie auch wieder Leitungswasser, allerdings nur mit einem Spezialgerät gefiltert.
Karin S. ist erleichtert. Sie will keinen beschuldigen, nur „die Leute warnen! Wenn sie ungeklärte Symptome haben oder ein Rohr oder Teilstück verdächtig erscheint – unbedingt die Blutwerte und/oder das Wasser testen und nicht beim Versorger abwimmeln lassen!“