Auf die Idee gebracht hat sie ein 18-jähriger Klient. „Er hat mir gesagt, dass er so gern eine Beziehung hätte“, erzählt Sandra Becker-Weber. „Zu seinem Geburtstag habe ich ihm versprochen, dass wir das mit dem Speeddating machen.“
Warum für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung „Dating“ alles andere als einfach ist, weiß sie als Vorsitzende von achtsam e.V. genau. „Das Betreten einer Bar oder eines anderen ungeschützten Raumes bedeutet schon eine Reizüberflutung“, erklärt die Mutter eines betroffenen Kindes. „Kommunikation, soziale Interaktion, auf andere Menschen zugehen – all das gestaltet sich schwierig.“ Ein Mensch mit Autismus-Spektrum-Störung habe seine ganz eigene Struktur und könne sich nicht einfach umstellen. „Die meisten bleiben allein“, bedauert sie.
Doch ein Speeddating im geschützten, strukturierten Rahmen, wie sie es mit achtsam e.V. für Samstag, den 30. Mai, vorbereitet, ist genau der richtige Ansatz. „Menschen im Spektrum sind viel klarer in ihrer Entscheidung. Nach fünf Minuten ist schon etwas passiert“, so Sandra Becker-Weber. „Begeistert sich einer zum Beispiel für Schiffe, kann das für sein Gegenüber schon bedeuten: nein, kein Interesse!“
Genau so wie das „Gegenüber“ ganz schnell „draußen sein“ könne, komme es aber im umgekehrten Fall des Sich-Verliebens“ möglicherweise zum „meltdown“, einem „Zusammenbruch als Reaktion auf extreme Reizüberflutung (Overload)“. Daher sei es wichtig, dass das Speeddating nicht nur im geschützten, vertrauten, reizarmen Raum stattfinde, sondern auch therapeutische begleitet werde.
achtsam e.V. bietet hierfür die ideale Location, schafft klare Strukturen – von der Bereitstellung eines genauen Ablaufplans und der Möglichkeit, sich vorher alles anzuschauen, bis zu „Ich-brauche-Hilfe“-Kärtchen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hochhalten können, wenn sie im Date Unterstützung benötigen.
Wichtig zu wissen: Das Angebot richtet sich an junge Erwachsene (18-25 Jahre) und Erwachsene (26-40), die neue Kontakte knüpfen möchten – wahlweise mit dem Ziel einer Partnerschaft oder Freundschaft.
„Wir hoffen, dass ganz viele Leute kommen“, sagt Sandra Becker-Weber, für die achtsam e.V. ein echtes Herzensprojekt ist. „Wir haben schon so viel für Menschen im Autismus-Spektrum erreicht. Und es gibt noch so viel mehr Möglichkeiten!