„Ich muss wohl die Polizei angerufen haben“, sagt Sandra Fuchs-Frank, der man ansieht, mit wieviel Angst und Aufregung die Nacht des 3. Januar verbunden gewesen sein muss, als ihr Mann Ingo, 50, um 0.28 Uhr völlig unerwartet infolge eines Herzinfarktes einen Kreislaufstillstand hatte. Die Polizei reagierte blitzschnell, schickte die Einsatzkräfte Justin Leuer und Anna Reif, die eigentlich zu einem anderen Einsatzort unterwegs waren, benachrichtigte die Feuerwehr und die schickte den Rettungswagen und drei Ersthelfer. „Ich kam gerade von der Spätschicht“, sagt Sayit Karaoglu, der einen Kilometer vom Einsatzort entfernt war. Ersthelfer Dirk Gilleßen war 500 Meter entfernt und rannte gleich zu Fuß hin. Ingo Frank selber kann sich an nichts erinnern, bis er in den Kliniken Maria Hilf „mit Schläuchen in den Armen“ auf der Kardiologie von Chefarzt Prof. Dr. med. Emmanuel Chorianopoulos wieder aufwachte, wo er vollständig wiederhergestellt werden konnte. Ehefrau Sandra war erstaunt und dankbar, dass mit Feuerwehrmitarbeiterin Anja Wulf sogar für sie als Angehörige jemand da war. „Ich sage einfach nur ‚Danke’“, sagt Ingo Fuchs.
Sayit Karaoglu und Dirk Gilleßen sind zwei von über 1 000 Ersthelfern, die sich über die App „Region der Lebensretter 3.0“ registrieren lassen haben. Mönchengladbach liegt damit an der Spitze des bundesweiten Ersthelferregisters. „Kein Pappenstiel“, sagt Dr. Marc Deußen, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. Städte in vergleichbarer Größe kämen im Durchschnitt auf 300 bis 400 Ersthelfer, Mönchengladbach habe in nur sieben Monaten über 1 000 Registrierungen. Dass Mönchengladbach mit 17,1 Prozent der Fälle, in denen der „Patient so wieder nach Hause gehen kann, wie er vorher war“ unangefochten auf Platz eins des Wiederbelebungsregisters steht, sei eine „extrem gute Qualitätsaussage“, so Deußen.
141 Reanimationen gab es seit Einführung der Ersthelfer-App in Mönchengladbach, in 131 Fällen wurden Ersthelfer alarmiert, in 128 Fällen konnten mindestens drei Ersthelfer mit entsendet werden, die in vielen Fällen noch vor den Einsatzkräften am Einsatzort waren. Nur dreimal stand niemand zur Verfügung. „Wichtig ist, dass den verschiedenen Ersthelfern auch unterschiedliche Rollen zugewiesen werden“, so Dirk Schattka, Leiter des Fachbereichs Feuerwehr. Nicht jeder mache dann die Herzdruckmassage, einer beschaffe auch zum Beispiel den Defibrillator.
Um die Chance, einen solchen Notfall unbeschadet zu überstehen, noch größer zu machen, hat die Feuerwehr damit begonnen, städtische Defibrillatoren zu registrieren. „Wir haben viele Defibrillatoren, aber leider zu wenig, die rund um die Uhr zugänglich sind“, weiß Marc Deußen. Deshalb sollen jetzt 18 Gerätehäuser der Feuerwehr ausgestattet werden, bei drei Standorten der Freiwilligen Feuerwehr sei das schon passiert.
Und auch bei der Polizei wird aufgerüstet: In einem Pilotprojekt erhalten zehn Funkstreifenwagen „Defis“. „Die Polizei möchte hiermit die Rettungskette stärken und eine Lücke schließen“, sagt Polizeipräsident Stephan Zenker.
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