Jeder, der mal die „Schulbank gedrückt hat“, kennt das Problem: da sitzt man vor einer Hausaufgabe und kommt einfach nicht weiter. Entweder weil man im Unterricht nicht aufgepasst hat oder der Stoff dann eben doch einfach so schwer ist, dass man ihn nicht versteht.
Bevor die Noten dann in den Keller rauschen ist Hilfe nötig - die holen sich Schüler meist in der Nachhilfe. Hier sind es Institutionen, Studenten, Lehrer oder auch Schüler die Nachhilfe anbieten - so wie es die beiden Anrather Elias Eßer oder Sean Hübner in der Vergangenheit auch gemacht haben. Beide sind 17 Jahre alt und besuchen die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Anrath. „Heute nutzen viele Schüler auch die KI, um Hausaufgaben zu lösen“, erklärt Elias Eßer.
Dabei gibt es jedoch ein Problem: „Die KI bietet sofort Lösungsmöglichkeiten an. Was im ersten Moment gut klingt, hilft dem Schüler aber wenig, wenn er den Lernweg nicht verstanden hat“, ergänzt Sean Hübner.
Also haben sich die beiden Jungs Gedanken gemacht, wie man das Problem lösen kann. „Dabei beschäftigt uns das Thema bereits seit zwei Jahren“, sagt Elias Eßer. Da sich die beide Anrather Jungs für die Bereiche Computer und KI immer schon interessiert haben, war für sie klar, eine App zu kreieren, die direkt auf Schulen, Schulinhalte und Unterrichtsmaterialien zugreifen kann, die von Lehrern und Schülern gleichermaßen genutzt wird. „Bundesweit - ja sogar weltweit - nutzen Schulen das sogenannte Moodle-System, ein kostenloses Lernmanagementsystem, das der Bund den Ländern zur Verfügung stellt. Hier wollten wir ansetzen“, sagt Elias.
Das System „Moodle“ (in den USA entwickelt und steht für ‚Modular Object-Oriented Dynamic Learning Environment‘) ist ein weltweit verbreitetes und kostenloses Lernmanagementsystem (LMS). „Dabei bietet Moodle die sogenannte Basis-Plattform, unter der die einzelnen Bundesländer ihre eigenen Lernplattformen installiert haben - für NRW ist dies zum Beispiel Logineo“, erklären die 17-jährigen Anrather weiter. Dabei ist Logineo NRW die zentrale Arbeits- und Kommunikationsplattform für Schulen in Nordrhein-Westfalen. Hierauf können Eltern, Schüler und Lehrer nicht nur kommunizieren „...die Lehrer stellen ihre kompletten Unterrichtsinhalte und auch Hausaufgaben auf dieser Plattform zur Verfügung“, so Sean Hübner weiter. Gerade die oberen Stufen der weiterführenden Schulen würden mittlerweile eh alle mit Laptops arbeiten, Schüler an den Laptops über Logineo ihre Hausaufgaben sehen und dort auch fertigstellen.
Für die beiden Anrather Jungs war klar - hier muss also eine App her, die eine Schnittstelle mit dem Moodle-System findet, gleichzeitig mit den individuellen Lerninhalten einzelner Schulen über Logineo kompatibel ist und nicht sofort Lösungsvorschläge anbietet - wie herkömmliche KI gesteuerte Apps - sondern, „...dem Schüler hilft, Schritt für Schritt den Lerninhalt zu verstehen und selbst auf die richtige Lösung von Aufgaben zu kommen. Erst beim Abgleich mit dem Ergebnis sagt die KI, ob das Ergebnis richtig ist. Wenn nicht, führt es den Schüler wieder zurück und hilft ihm, den richtigen Lösungsweg zu finden und so die Aufgabe auch zu verstehen“, erklärt Sean Hübner.
Die Lösung der beiden Anrather: Ihre eigens entwickelte App „SchoolUp“. Die kann nämlich genau das. Sean Hübner demonstriert es an einem Beispiel, zückt sein Handy, loggt sich bei Logineo in seinen Philosophiekurs mit den entsprechenden Hausaufgaben ein. Dann aktiviert er „SchoolUp“, dass sich mit den Lerninhalten des Unterrichts verbindet und hilft, Aufgaben zu verstehen und gemeinsam mit dem Schüler zu lösen. „Was sich so einfach anhört, war alles andere als das“, schmunzelt Elias Eßer. „Seit zwei Jahren beschäftigen wir uns mit diesem Thema, vor einem Jahr haben wir angefangen, konkrete Ideen zu entwickeln“, ergänzt er. Zunächst musste ein Server gefunden und gemietet werden, der genug Speicher und Leistung hat, die Daten zu verarbeiten. Bei „Strato“ wurde man fündig, über „Open AI“ hat man die entsprechende KI gefunden, die Domain „SchoolUp.de“ wurde eingerichtet - bisher haben Sean Hübner und Elias Eßer circa 1 000 Euro investiert, um ihr Projekt zu realisieren. „Dass die App eine Schnittstelle mit Moodle gefunden hat, war auch eher Zufall“, erinnern sich die beiden. „Wir haben bei mir im Zimmer gesessen und überlegt ob und wie das funktionieren würde“, sagt Elias Eßer, während Sean Hübner sich einfach an sein Laptop gesetzt und rumprobiert hat. „Dann habe ich zufällig eine Schnittstelle gefunden - ich dachte zunächst, das wäre ein Fehler, aber nein: Moodle bietet extra für solche Apps diese Option an“ - die Freude bei beiden war groß. So konnten sie ihre App in Echtzeit testen und das Ergebnis bereits den Lehrern in ihrer Schule in einem Vortrag vorstellen. „Das kam super an“, so die beiden weiter. So gut, dass nach den Sommerferien am 3. September mit der Leonardo-da-Vinci-Schule und einer Schule in Brühl die erste Testphase bis zu den Herbstferien beginnt.
„SchoolUp sollen dann alle Schüler beider Schulen für die Testphase kostenlos nutzen können - nur dann können wir sehen, ob und welche Schwachstellen die App noch hat“, erklärt Sean Hübner. Funktioniert alles, kann die App kostenpflichtig von Schulen in NRW genutzt werden. Und die beiden Anrahter gehen noch weiter: „Wenn das System in NRW funktioniert und gut ankommt, wollen wir die App für alle Bundesländer anbieten. Wir können sie für jede Lernplattform für jedes Bundesland anpassen“, sind sich die beiden jungen Anrather sicher. Zukünftig schließen die beiden auch nicht aus, die App mit einem eigenen Unternehmen zu vermarkten. Während Sean Informatik studieren will, geht Elias‘ Studium in Richtung Wirtschaft - perfekte Ergänzung für ein junges, dynamisches Team.